Berlin : Mumifizierte Leiche identifiziert

Vor 15 Jahren verschwand Kevser Kurt. Jetzt ist klar: Sie wurde erwürgt

Tanja Buntrock

Anfangs war die Spaziergängerin neugierig, als ihr Hund an einem Bauschutthaufen im Monbijoupark in Mitte schnüffelte und dann unentwegt bellte. Doch an jenem 8. Mai 2006 schlug die Neugier schnell in Entsetzen um: Unter dem Schutthaufen sah sie eine skelettierte Hand. Am Ende war es der mumifizierte Körper einer Frau, der zum Vorschein kam. Jetzt, knapp ein Jahr nach dem Mumienfund, hat die Polizei die Leiche identifiziert. Es handelt sich um die seit 1992 vermisste Türkin Kevser Kurt. Eine Obduktion ergab: Sie wurde erwürgt.

Ihr Ehemann erzählte der Polizei, dass die damals 29-jährige Kevser Kurt am 9. August 1992 die gemeinsame Wohnung in Schöneberg verlassen hatte. Wohin sie wollte, soll sie nicht gesagt haben. Zurück ließ sie neben ihrem Ehemann auch die neun und zwölf Jahre alten Kinder. Zunächst ermittelte die Vermisstenstelle, dann wurde auch die Mordkommission eingeschaltet. Doch die Ermittlungen führten nicht zum Erfolg. Kevser Kurt blieb verschwunden. Ein Verbrechen lag nahe. Zu unwahrscheinlich schien es, dass die Frau freiwillig ihre Familie verlassen hatte, ohne sich wieder bei ihren Kindern zu melden.

Nach Tagesspiegel-Informationen wird nicht ausgeschlossen, dass der Ehemann etwas mit dem Verbrechen zu tun haben könnte. Doch für einen dringenden Tatverdacht reichten die Beweise offenbar nicht. „Wir konnten bislang niemanden inhaftieren“, sagte der Leiter der 6. Mordkommission, Bernhard Jaß. Die Ermittler nehmen an, dass die Frau kurz nach ihrem Verschwinden getötet wurde. Allerdings nicht im Monbijoupark, denn „der Fundort ist nicht der Tatort“, hieß es bei der Polizei. Wo die Frau getötet worden ist, wissen die Ermittler noch nicht.

Den Kriminaltechnikern gelang es, das DNA-Muster – also den genetischen Fingerabdruck – an der mumifizierten Leiche zu ermitteln. Nun musste dieses Muster mit den genetischen Informationen aller Langzeitvermissten abgeglichen werden. „Das dauert einige Zeit“, sagte Jaß. Die Kripo sucht weiter nach Zeugen, die zur Klärung der Tat beitragen können.

Die Ermittler fragen, wer Kevser Kurt kannte oder Angaben zu dem Umfeld machen kann. Hinweise nimmt die Polizei unter der Rufnummer 4664 911 601 entgegen.

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