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Nach Grütters-Rückzug : CDU-Vorstandswahlen ohne Überraschungen

Steglitz-Zehlendorf, Mitte, Lichtenberg: Drei CDU-Kreisverbände wählten ihre Vorstände. Monika Grütters spielte am Rande eine Rolle.

Gestärkt. Ex-Senator Thomas Heilmann - hier auf einem Archivbild - wurde am Sonnabend in Steglitz-Zehlendorf als CDU-Kreisvorsitzender wiedergewählt.
Gestärkt. Ex-Senator Thomas Heilmann - hier auf einem Archivbild - wurde am Sonnabend in Steglitz-Zehlendorf als...Foto: Britta Pedersen/dpa

Am Tag danach war Monika Grütters allgegenwärtig. Wenn auch nicht persönlich anwesend, dominierte ihr am Freitag erklärter Rückzug vom Amt der Landeschefin am Sonnabend die Gespräche auf den Fluren vor dem Kreisparteitag der CDU-Mitte.

Die per E-Mail versandte Erklärung von Grütters hatten Helfer auf sämtliche Stühle im Saal verteilt. Mitglieder des Landesvorstandes wie der stellvertretende Kreisvorsitzende Carsten Spallek wurden zur Sitzung des Gremiums am Vorabend befragt. Diese sei "ruhig und sachlich" verlaufen, wie verschiedene Augenzeugen übereinstimmend berichteten.

Einer der anwesenden Kreischefs zitierte Kai Wegner als einzig verbliebenen Bewerber für den Landesvorsitz mit den Worten: "Ziel ist es, keinen auszugrenzen und alle mitzunehmen, die mitarbeiten wollen."

Rissmann kritisiert "Eitelkeiten"

CDU-Mitte Kreischef Sven Rissmann, der zu den Unterstützern des designierten neuen Landesvorsitzenden Kai Wegner zählt, kam in seiner Rede zur Eröffnung des Kreisparteitages an einigen Sätzen zur tags zuvor verkündeten Verständigung nicht vorbei. „Sehr erfreut“ zeigte er sich über die gefundene Regelung, die Entscheidung von Grütters sei „anzuerkennen und sehr vernünftig“.

In Richtung einzelner Christdemokraten, die sich binnen der vergangenen Tage zum Duell zwischen Grütters und Wegner geäußert hatten, sagte Rissmann: „Einzelne Parteimitglieder sind offenbar der Meinung, ihr Ego damit auffrischen zu müssen, indem sie Dinge kommentieren, die nicht zu kommentieren sind.“ Dabei handele es sich um „Eitelkeiten“, sagte Rissmann. Er forderte seine Parteikameraden dazu auf, die „Elfmeter“, die der rot-rot-grüne Senat der Opposition regelmäßig gebe, zu verwandeln. Exakt dieselben Worte hatte Wegner bei dessen Erklärung seiner Kandidatur gewählt.

Unspektakulär verlief der mit Spannung erwartete Auftritt der CDU-Spitzenkandidatin für die EU-Wahl am 26. Mai, Hildegard Bentele. Die 42-Jährige hatte im November 2018 in einer Kampfkandidatur den stellvertretenden Kreisvorsitzenden der CDU-Mitte, Carsten Spallek, vom Spitzenposten verdrängt. Weil dieser durch den von Grütters angeführten Landesvorstand aufgestellt worden war, entzündete sich massive Kritik an Grütters – der Ausgang ist bekannt. Bentele wiederum verzichtete in ihrem Grußwort auf jeden Bezug zu diesem Vorgang, warb um die Unterstützung eines „engagierten Kreisverbands Mitte“ und verließ die Versammlung unmittelbar nach dem Ende ihrer Rede.

Wahlen ohne Überraschungen

Der eigentliche Höhepunkt des Kreisparteitages, die Wahl des Vorsitzenden und seiner Stellvertreter, verlief frei von Überraschungen. Rissmann, der im Mai 2017 den Kreisvorsitz übernommen hatte, wurde mit 92,3 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt. Seine Stellvertreter Sebastian Pieper und Carsten Spallek wurden mit 97,8 und 94,5 Prozent der Stimmen wiedergewählt.

Abgestimmt wurde auch in Steglitz-Zehlendorf, dem größten und damit einflussreichsten der zwölf Berliner CDU-Kreisverbände. Dort schenkte eine Mehrheit der Delegierten dem amtierenden Kreisvorsitzenden Thomas Heilmann das Vertrauen, er bekam 80 Prozent der Stimmen. Unmittelbar vor dem Kreisparteitag aufgekommene Gerüchte über eine Gegenkandidatur zu Heilmann bestätigten sich nicht. Als Stellvertreter wurden Oliver Friederici, Cornelia Seibeld, Jeannine Perduss, Adrian Grasse, Stephan Standfuß und Tom Cywinski gewählt.

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In Lichtenberg, dem kleinsten der drei am Samstag tagenden Kreisverbände, blieb ebenfalls alles beim Alten. Kreischef Martin Pätzold und sein Stellvertreter Danny Freymark wurden jeweils mit großer Mehrheit wiedergewählt. Pätzold bekam 91,3 Prozent der Stimmen, für Freymark votierten 97,8 Prozent der Delegierten.

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