Nahverkehr in Berlin : BVG schleppt Falschparker bald selbst ab

Die Berliner Verkehrsbetriebe machen den Weg frei für Busse und Bahnen. Acht Abschleppwagen stehen künftig zur Verfügung, um falsch geparkte Autos umzusetzen.

Berlin Charlottenburg; Falschparker . SUV parkt auf Kurfürstendamm sowohl auf Busspur als auch in Haltestelle Falschparker
Berlin Charlottenburg; Falschparker . SUV parkt auf Kurfürstendamm sowohl auf Busspur als auch in Haltestelle FalschparkerFoto: imago/Jürgen Ritter

Die BVG macht fast alles: Sie lässt Bahnen und Busse fahren, Fähren an- und ablegen, holt mit ihrem „Berlkoenig“ Fahrgäste auf Wunsch ab – und lässt jetzt auch noch Falschparker abschleppen. Noch in diesem Jahr will sie acht eigene Abschleppfahrzeuge anschaffen, die durch Autos blockierte Busspuren und Straßenbahngleise frei machen sollen.

Die Polizei muss dazu nach dem Mobilitätsgesetz nicht mehr gerufen werden. Los geht es bereits an diesem Montag: Von heute an stellen die BVG-Mitarbeiter zunächst aber nur Knöllchen aus.

Umweg über die Polizei dauert zu lange

Mit dem eigenen Abschleppdienst wolle die BVG erreichen, dass blockierte Spuren und Gleise schnell wieder befahrbar werden, sagte Unternehmenssprecherin Petra Reetz. Bisher müssen die Mitarbeiter erst die Polizei informieren, die dann den Abschleppwagen bestellt. Und das kann dauern. Vor Jahren mussten die Beamten sogar erst noch selbst zum falsch geparkten Fahrzeug fahren und die Daten dort aufnehmen.

Die BVG werde ihre Abschleppfahrzeuge auf den Betriebshöfen, verteilt in der Stadt, stationieren, sagte Reetz. So solle sichergestellt werden, dass die Fahrzeuge schnell beim „Sünder“ eintreffen. Anschaffen will die BVG nach Angaben von Reetz sechs normale Abschleppfahrzeuge und weitere zwei, die auch Kleintransporter heben können.

Für die BVG rechnet sich das neue Verfahren. Stehen Busse wegen blockierter Spuren im Stau oder können Straßenbahnen gar nicht weiterfahren, weil die Gleise blockiert sind, verursacht dies zusätzliche Kosten. Und erreicht die BVG bei der Pünktlichkeit nicht die Vorgaben des Senats, verringert dieser die Höhe seiner Zuschüsse.

Allein im vergangenen Jahr stellten Mitarbeiter der BVG mehr als 8.700 Behinderungen des Busverkehrs fest, teilte das Unternehmen mit. Abgeschleppte Autofahrer müssen die üblichen Gebühren berappen, heißt es.

„Weil wir dich lieben“-Knöllchen

Ans Geld der erwischten Falschparker kommen die BVGer bereits jetzt. Von heute an dürfen knapp 50 Busspurbetreuer und Verkehrsmeister Knöllchen verteilen, wenn Autos auf der Busspur oder an Haltestellen stehen oder wenn sie die Straßenbahn stoppen. Die unter den Scheibenwischer zu klemmenden Kärtchen sind aber keine herkömmlichen Knöllchen, sondern erwecken auf den ersten Blick eher den Eindruck eines Werbemittels für die BVG. Auf einer Seite steht: „Sie haben Parkplatzprobleme? Fahren Sie doch mal mit uns.“ Auch der Hinweis „Weil wir dich lieben“ fehlt nicht.

Erst wenn man die Karte wendet, wird der „festgestellte Sachverhalt“ durch Ankreuzen erklärt: Parken im Haltestellenbereich, Halten und Parken auf dem Gehweg im Haltestellenbereich, Halten oder Parken auf Bussonderfahrstreifen (Zeichen 245) sowie Halten oder Parken im Fahrraum von Schienenfahrzeugen stehen zur Auswahl. Dann wird noch das Kennzeichen, das Datum und die Uhrzeit notiert. Und etwas kleiner folgt abschließend der Hinweis, dass die weitere Bearbeitung durch die Bußgeldstelle der Polizei erfolge.

Wer das Kärtchen für Werbung hält und wegwirft, kann sich dadurch nicht vor dem Zahlen retten. Das Kärtchen ist eben doch ein Knöllchen – nur schöner.

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