Neue Waffen für Berlins Sicherheitskräfte : Polizei-Pistole mit Problem-Button

Berlins Polizei hat ein Problem mit neuen Pistolen. Was das mit dem Push Button zu tun hat. Eine Glosse.

Ein Polizist mit einer Pistole von Heckler&Koch (Archivbild).
Ein Polizist mit einer Pistole von Heckler&Koch (Archivbild).Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Barbara Slowik wollte frohe Botschaften überbringen. An die 25.000 Beamten schrieb Berlins Polizeipräsidentin vor einer Woche in einem Rundbrief: Die „ersten neuen Dienstpistolen“ der Firma Heckler&Koch, Modell SFP 9 (Push Button), „sind angekommen“. Die erste Charge von 275 Pistolen soll ausgegeben werden. „Bislang ist der Beginn der Ausbildung für die Anwender ab 9. Juli 2018 geplant.“ Doch halt: Ausgerechnet einen Tag vor dem Trainingsstart wurden Probleme bekannt, durch einen Bericht der „Bild am Sonntag“. Die neuen Pistolen sollen nicht treffsicher sein, Magazine herausfallen. So viel sei verraten: Es geht um den von Barbara Slowik genannten Push Button.

Ärger mit Dienstpistolen von Heckler&Koch.
Ärger mit Dienstpistolen von Heckler&Koch.Foto: Bernd Weissbrod/dpa

Die Berliner Senatsinnenverwaltung ließ verlauten, sie erwarte „von jedem Auftragnehmer, dass er den höchsten Qualitätsanforderungen entspricht“. Typisch Heckler&Koch, typisch Rüstungskonzern? Könnte man meinen. Wir erinnern uns: Bei dem G36 war ja schon was, angeblich weil es bei Hitze nicht mehr richtig trifft. Jedenfalls in Tests. Dabei weiß jeder Soldat, der unter afghanischer Sonne Jahre zuvor im Einsatz war, welchen Treffpunkt sein Gewehr hat. Und die Bundeswehr verlor den Schadenersatzprozess.

Berlin wollte den Polizisten den Abschied vom Button nicht zumuten

So viel zum bösen Unternehmen. Dort hat auch die Berliner Polizei bestellt: 24000 neue Dienstpistolen. In der verbreiteten Variante, von Bayern bestellt, hat die Pistole hinter dem Abzug einen Bügel, um das Magazin zu wechseln. Bayern hat sich bewusst dafür entschieden, weil es schon bei den alten P7-Modellen Probleme mit dem Button gab. Einmal berührt, flutsch, ist das Magazin rausgerutscht. Deshalb gab es vor Jahren sogar einen neuen Griff. Die Bayern sind da gründlich. Berlin bestellte die Button-Version, obwohl andere Polizeibehörden auf die Bügelversion – heißt beim Hersteller Paddle – setzen. Berlin wollte seinen Polizisten den Abschied vom Button nicht zumuten. Sie sind wie bei der alten Pistole P6 darauf konditioniert, können es im Schlaf: Knopf drücken, Magazin raus. Mit dem Hebel hätte es bei Stress nur Ärger gegeben, glaubte man. Dabei fasst die neue Pistole 15 Patronen, die P6 nur acht. Ach ja, der Treffpunkt. In ersten Tests soll die Pistole leicht nach links gezogen haben. Das sei nun behoben. Sagen Polizisten. Die Magazine halten jetzt auch. Sagt der Senat. Eine „Ungenauigkeit“ bei der Fertigung eines Frästeils soll es gegeben haben. Die Bayern hatten all die Probleme nicht. Push the Button.

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