zum Hauptinhalt
© Getty Images/Westend61
Tagesspiegel Plus

Nordsee, Ostsee und die Berge – alles ausgebucht? : Wo Kurzentschlossene jetzt noch Urlaub machen können

Der Campingplatz am Meer: ausgebucht. Die Ferienwohnung in den Bergen: belegt. Dabei lassen sich auch jetzt in deutschen Urlaubsregionen Unterkünfte finden. Einige Tipps.

Erst war Pandemie – und jetzt sind plötzlich Ferien. Wer sich im Frühjahr noch nicht getraut hat, etwas zu reservieren, nun aber Reiselust bekommt, muss auf einen Urlaub nicht verzichten. Ob an der Nordsee oder Ostsee, die bei den Berliner:innen für die Sommerfrische so beliebt ist, oder beim Wandern in den Bergen: Trotz hoher Nachfrage lassen sich auch jetzt noch Unterkünfte finden. Hier einige Tipps, wie man suchen sollte – und welche alternativen Ziele zu den beliebten Ferienregionen sich anbieten.


1. Nord- und Ostsee: Spekulieren auf Reste und Stornierungen

Watt’n Meer! St. Peter Ording ist für seinen weitläufigen Strand bekannt.
Watt’n Meer! St. Peter Ording ist für seinen weitläufigen Strand bekannt.
© Getty Images/Westend61

Von Niedersachsen über Schleswig-Holstein bis Mecklenburg-Vorpommern gilt: Viele Unterkünfte sind bereits belegt. Wer Erholung am Strand sucht, muss darauf jedoch nicht verzichten. Da immer wieder kurzfristig storniert oder umgebucht werde, gebe es durchaus auch für Spontanreisende gute Chancen, heißt es bei der Ostfriesische Inseln GmbH, die Ferienziele wie Borkum, Juist oder Norderney vermarktet. Während etwa auf Wangerooge die Auslastung der Unterkünfte bei 90 bis 100 Prozent liegt, sind nach Auskunft der Kurverwaltung Baltrum noch rund 15 Prozent der Zimmer in Hotels und Pensionen verfügbar.

Generell gilt: Für Urlaube in letzter Minute sind die Chancen in Hotels und Pensionen größer. Wegen der Pandemie sind Individualunterkünfte wie Campingplätze oder Ferienwohnungen und -häuser in diesem Jahr nämlich besonders stark nachgefragt. Spät buchen heißt also auch: flexibel sein. Eine Option für Familien sind Jugendherbergen. Hier sind oftmals noch Mehrbettzimmer für Eltern mit Kindern frei.

So leer sieht es in Timmendorfer Strand diesen Sommer nicht aus. Doch es gibt Alternativen.
So leer sieht es in Timmendorfer Strand diesen Sommer nicht aus. Doch es gibt Alternativen.
© Markus Scholz/dpa

Die Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein empfiehlt, sein Glück bei weniger gefragten Urlaubszielen zu versuchen. Dazu zählen etwa die Nordseeregionen Dithmarschen und Eiderstedt. Auch sie verfügen über eine schöne Küsten- und Meereslandschaft. Für die konkrete Reiseplanung empfiehlt es sich, mit den lokalen Touristeninformationen und örtlichen Zimmervermittlungen Kontakt aufzunehmen. Die wissen am besten, wo momentan noch etwas zu finden ist.

An der Ostsee gibt es noch Chancen in Mecklenburg-Vorpommern. Wer am liebsten auf einer Insel urlauben möchte, für den ist Usedom die richtige Adresse, heißt es beim Tourismusverband des Landes. Hier sind noch Kapazitäten frei. Wer lieber auf dem Festland nächtigen möchte, ist mit einer Unterkunft in Kühlungsborn gut beraten. Rund drei Viertel der Zimmer sind in der Ostseestadt bislang ausgebucht. Die restlichen Plätze sind noch zu haben.


2. Alternativen im Norden: Städte, Seen und das Binnenland

Einsteigen, bitte: eine Kanutour auf dem Plöner See
Einsteigen, bitte: eine Kanutour auf dem Plöner See
© Oliver Franke/ostsee-schleswig-holstein.de

Urlaub an der Küste muss nicht immer hundert Meter vom Strand entfernt sein. Wer nicht auf die großen Badeorte fixiert ist, findet schnell Alternativen – zumal man sich dort auch leichter von den Massen fernhalten kann. Zum Beispiel bietet sich ein Städtetrip an die Ostsee an, etwa nach Kiel oder Flensburg. Von dort aus lassen sich Ausflüge oder auch Rad- und Wandertouren unternehmen, zu Schloss Plön am Großen Plöner See etwa.

Beim Blick ins Binnenland drängen sich Seen als Meeresersatz auf. Wer an der Mecklenburgischen Seenplatte seinen Urlaub verbringt, kann sogar mal einen Abstecher an die Ostsee machen. Vor allem die Orte der Mecklenburgischen Kleinseenplatte haben noch freie Kapazitäten, teilt der Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern mit. Wer zur Ruhe kommen möchte, sollte sich einmal den Erholungsort Wesenberg genauer ansehen.

Der Kurort Waren an der Müritz, einer von vielen idyllischen Flecken im wasserreichen Mecklenburg-Vorpommern
Der Kurort Waren an der Müritz, einer von vielen idyllischen Flecken im wasserreichen Mecklenburg-Vorpommern
© Getty Images/Westend61

Wälder und Seen gibt es auch reichlich in Brandenburg. Freie Unterkünfte sind zum Beispiel noch in der Uckermark im Nordosten zu finden, die als die „Toskana des Nordens“ beworben wird. Die Region lässt sich zu Fuß, mit dem Rad oder vom Kanu aus erkunden.

Durch diese hohle Gasse muss er paddeln – im Spreewald.
Durch diese hohle Gasse muss er paddeln – im Spreewald.
© Getty Images

Auch im Südosten Brandenburgs können Spontanreisende noch kurzfristig unterkommen. Im Spreewald können Urlauber:innen nicht nur die Natur genießen, sondern auch Orte wie Cottbus, Lübbenau oder Burg besichtigen. Wegen seiner vielen Fließgewässer wird der Spreewald „das grüne Venedig“ genannt.


3. Ab in die Berge: Es muss nicht immer Bayern sein

Die Talsperre Eibenstock ist das größte Sperrwerk in Sachsen.
Die Talsperre Eibenstock ist das größte Sperrwerk in Sachsen.
© Getty Images/iStockphoto

Will man in die Berge fahren, ist oftmals Bayern die erste Wahl. Das Problem: Schon vor der Corona-Pandemie waren dort viele Urlaubsorte überlaufen. Vor allem ländliche Regionen sind sehr gefragt. Anders sehe es dagegen in den Städten aus, teilt der Tourismusverband Oberbayern München (TOM) mit.

Sie sind also auch im Süden eine Alternative zu den klassischen Ferienorten: Warum nicht nach Rosenheim oder Ingolstadt fahren und von dort aus die umliegende Gegend bereisen? Dafür hat der TOM sogar einen Ausflugsticker eingerichtet, mit dem man nach wenig frequentierten Ausflugszielen suchen kann. Da der Ticker kontinuierlich aktualisiert wird, lassen sich auch kurzfristig Orte entdecken, die nicht so überlaufen sind.

Hoch hinaus geht es jedoch nicht nur in Bayern. Zu den Geheimtipps in der Höhe zählen das Erzgebirge und das Vogtland in Sachsen. Wanderfreund:innen können auf dem Kammweg, einem rund 280 km langen Fernwanderweg durch das Erzgebirge und das Vogtland, gleich beide Gegenden erkunden. Empfehlenswert für Familien ist auch der Erholungsort Eibenstock. Von hier aus lassen sich etwa Ausflüge an einen der umliegenden Seen machen. Wer mit seinen Kindern nicht so weit wandern möchte, kann von Eibenstock aus im Auersbergwald „Wurzelrudis Märchenrundweg“ laufen - mit 15 Häuschen mit Märchenszenen an der fünf Kilometer langen Strecke.

Nicht nur Wander-, sondern auch Radliebhaber:innen kommen im Erzgebirge auf ihre Kosten. Egal, ob man mit dem Mountainbike, einem Trekking- oder Rennrad oder auch mit einem E-Bike unterwegs ist: Radwege gibt es hier zur Genüge. Sie führen durch Berg und Tal und an Flüssen entlang, so zum Beispiel der Mulderadweg.


4. Feriencamps für Kinder: Abenteuertage in Brandenburg

Erhebend: eine Jugendfreizeit der Berliner Stadtmission
Erhebend: eine Jugendfreizeit der Berliner Stadtmission
© Berliner Stadtmission

Marieke Raue war 13 Jahre alt, als sie das erste Mal nach Gussow fuhr. „Freunde meiner Eltern waren sehr bei der Stadtmission engagiert“, erinnert sich die Abiturientin. „Die haben damals davon erzählt, dass es in Gussow ein Jugendcamp der Stadtmission gibt.“ 2015 war das. „Ich fand es damals megacool, dass man dort einfach angenommen wurde, wie man eben ist.“ Heute engagiert sich Marieke Raue ehrenamtlich als Helferin in Gussow. In den ersten vier Wochen der Sommerferien finden dort im Landkreis Dahme-Spreewald Freizeiten für Kinder und Jugendliche statt. Es gibt Workshops, Volleyball und Geländespiele. „Und jedes Kind kann selbst entscheiden, wo es mitmacht“, sagt Raue.

Die Ferienfreizeiten der zur evangelischen Kirche gehörenden Berliner Stadtmission für Kinder im Alter von acht bis 14 Jahren sind wegen des enormen Bedarfs nach der Corona-Zwangspause schon recht gut gebucht. Was auch damit zusammenhängt, dass eine der eigentlich geplanten vier Ferienwochen wegen zu weniger Anmeldungen zunächst abgesagt werden musste. „Falls noch Anmeldungen reinkommen, versuchen unsere leitenden Mitarbeiter, die die Camps organisieren, aber meistens das, was geht“, sagt Raue.

Anderswo sind aber noch etliche Ferienangebote für Kinder und Jugendliche frei. Die Evangelische Jugend Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz bietet beispielsweise für Jugendliche, die älter als 14 Jahre sind, eine viertägige Kanufreizeit an, die Ende Juli in Lindow im Landkreis Ostprignitz-Ruppin beginnt und 50 Euro Teilnahmegebühr kostet. Auch eine Kindersingwoche in Rudolstadt oder ein Kinderferienprogramm in Königs Wusterhausen in Brandenburg stehen auf dem Plan, für fünf Euro am Tag. „Eine Kirchenmitgliedschaft setzen wir nicht voraus“, sagt Landesjugendpfarrerin Julia Daser.

Es gibt zudem zahlreiche Angebote für preislich günstige Feriencamps außerhalb der Kirchen. Der Humanistische Verband Berlin-Brandenburg beispielsweise bietet ebenfalls viele Sommerlager und Sommerfreizeiten an. Ein bis zwei Wochen kosten bei den Humanisten zwischen 70 und 130 Euro. Und natürlich organisieren auch die Stadt Berlin und ihre Bezirke Ferienprogramme für Kinder und Jugendliche.

Eher im Blick auf die Herbstferien sind dagegen die Zuschüsse der Länder Berlin und Brandenburg für den Familienurlaub relevant. Sie richten sich an Familien mit geringem Einkommen, etwa für den Urlaub in einer zur Bundesarbeitsgemeinschaft Familienerholung gehörenden Familienferienstätte. Die Zuschüsse müssen acht Wochen vor Reiseantritt beantragt werden – in Berlin dann über die Jugendämter und die Wohlfahrtsverbände, etwa den Deutschen Familienverband. In Brandenburg ist das Landesamt für Soziales und Versorgung in Cottbus (LASV) zuständig. Nach Auskunft der Potsdamer Landesregierung ist noch reichlich Geld vorhanden.

  • Infos und Tipps zu den Reisen der Evangelischen Jugend: ejbo.de
  • Bei den Humanisten bitte Anmeldungen bis spätestens drei Tage vorher über die Website
  • Weitere Infos finden sich hier

5. Wenn’s doch ins Ausland gehen soll

Sommer-Sehnsucht: der Strand von Izmir in der Türkei
Sommer-Sehnsucht: der Strand von Izmir in der Türkei
© Omer Evren Atalay/Anadolu Agency via Getty Images

Und wenn es doch Spanien, die Türkei oder Griechenland sein sollen? „Ich bin mir wirklich sicher, dass jeder noch was finden wird“, sagt eine Sprecherin des Deutschen Reiseverbands. Man müsse nur flexibel sein und beispielsweise auch in Kauf nehmen, einen Abflughafen zu wählen, der etwas weiter vom Wohnort entfernt ist. An Flughäfen in Bundesländern, wo gerade keine Sommerferien sind, seien die Flugpreise oftmals billiger.

Generell gilt bei Flugreisen - auch in Länder, die nicht zu den Corona-Risikogebieten zählen –: Vor der Rückreise ist ein Corona-Test zu machen. Ein PCR-Test darf zum Zeitpunkt der Rückreise bis zu 72 Stunden alt sein, ein Antigen-Schnelltest darf lediglich 48 Stunden zuvor gemacht werden. Der Verband rät, nicht online, sondern bei einem Reisebüro zu buchen. Im gleichen Reisezeitraum und in der gleichen Unterkunft koste eine Pauschalreise online genauso viel wie bei der Buchung vor Ort. Der Vorteil im Reisebüro: Die Expert:innen kennen sich mit den Corona-spezifischen Buchungsbedingungen aus.

Sollte ein Land – so wie es nun bei Portugal der Fall war – wieder zum Corona-Risikogebiet erklärt werden, sei man mit einer Pauschalreise auf der sicheren Seite, da der Reiseveranstalter dann im Notfall weiterhelfen könne, erklärt die Sprecherin. Fernreisen seien im Gegensatz zu Flugreisen innerhalb Europas nach wie vor „nur sehr, sehr eingeschränkt möglich“, betont sie. Egal, wie weit man fliegt: Gemeinsam mit dem Bundesverband der Luftverkehrswirtschaft hat der DRV eine Urlaubscheckliste entwickelt, die Reisenden dabei helfen soll, alle durch die Pandemie bedingten zusätzlichen Sicherheitsanforderungen und Nachweispflichten zu berücksichtigen.

Zur Startseite