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Der Aufzug am Bayerischen Platz verzögert sich um zwei Jahre. 

© Jörn Hasselmann

Tagesspiegel Plus

Nun fehlt auch noch das Material: Woran der Bau von Aufzügen in Berlins U-Bahnhöfen scheitert

Bis Ende des Jahres müssen alle U-Bahnhöfe einen Aufzug haben – eigentlich. 34 Stationen werden nicht fertig, weil der Einbau so kompliziert ist. Zwei Beispiele.

| Update:

Der Flughafen BER hat sich den Ruf erworben, die schwierigste, pannenträchtigste und dauerhafteste Baustelle der Region zu sein. Doch da sind auch die Aufzüge in den U-Bahnhöfen der BVG. Reihenweise werden Termine gerissen, oft um Jahre. Neuestes Beispiel: In diesem Jahr – also 2021 – sollte am Bayerischen Platz der Fahrstuhl fertig sein. Das wird nichts. Zuvor war 2016 nichts geworden, wie der Tagesspiegel 2017 feststellte.

Auf einem kleinem Aushang ist nun vom „6. Januar 2023“ zu lesen. Aber auch der ist nicht auf der Höhe der Zeit: Auf Nachfrage nennt die Pressestelle der BVG für die Eröffnung des Aufzugs das 3. Quartal 2023. Natürlich versehen mit dem Zusatz: „Nach aktuellem Stand“. Solange ist der direkte Übergang zwischen den beiden Linien U4 und U7 unterbrochen, Umsteiger müssen einen langen Umweg über die Straße nehmen. Derzeit ist auf dem Mittelstreifen der Grunewaldstraße eine Grube gegraben mit einigen Stahlträgern an der Seite. Im Jahr 2014 berichteten wir, dass der Aufzug erst 2016 fertig werde, wegen des Mittelstreifens. Angekündigt wurde der Aufzug ein zweites Mal im März 2015.

Der Aufzug soll die Bahnsteige von U7 und U4 sowie die Oberfläche verbinden, was für Fahrgäste bequem, aber „bautechnisch und statisch sehr komplex“ ist, wie die BVG schreibt. Denn diese Verbindung endet oben auf der Fahrbahn, also muss zunächst die Mittelinsel der Grunewaldstraße verbreitert werden.

Die „Höhle“ Yorckstraße hat seit mehr als fünf Jahren keine Fliesen mehr.

© Jörn Hasselmann

Die BVG begründet die letzte Verzögerung mit den „äußerst komplizierten Bauabläufen, die so nicht vorhersehbar“ gewesen seien sowie mit „pandemiebedingten Lieferengpässen für die maschinentechnische Ausrüstung“. Zuvor waren das „umfangreiche Genehmigungsverfahren“, der Bau „unter laufendem Betrieb“ sowie die „engen Platzverhältnisse“ genannt worden. Der Aufzug im Bayerischen Viertel wird im besten Fall achteinhalb Jahre nach Ankündigung fertig.

Etwas schneller könnte es an der Birkenstraße in Moabit gehen. Dort wird seit 2016 gearbeitet, aktuell nennt die BVG das 1. Quartal des Jahres 2022. Wer sich die U9-Station ansieht, erkennt: Das ist optimistisch. Ein Teil der Hintergleiswände ist immerhin gefliest. Eine mühselige Arbeit, denn natürlich kann der Fliesenleger nur in der nächtlichen Betriebspause die Kelle in die Hand nehmen, also keine vier Stunden am Stück.

Rohes Holz und roher Stein: Die Birkenstraße, 6 Jahr nach Beginn der Sanierung.

© Jörn Hasselmann

Von 175 U-Bahnhöfen der BVG sind 140 jetzt barrierefrei. In diesem Jahr wurden bislang nur zwei Aufzüge fertig, am Sophie-Charlotte-Platz (U2) und an der Klosterstraße (U2). Das Programm für die Barrierefreiheit kostet viel Geld, jeweils 262 Millionen Euro sehen der vergangene und der aktuelle Doppelhaushalt des Landes vor – und zwar nur für die U-Bahn. Von 803 Straßenbahnhaltestellen sind 252 auch noch nicht barrierefrei. Beim Bus wurde bislang nur eine Haltestelle in Staaken testweise barrierefrei umgebaut – eine von 6500 in der Stadt.

Acht Wochen bleiben noch

Laut Gesetz hat Berlin noch acht Wochen Zeit, die restlichen 35 U-Bahn-Stationen behindertengerecht zu machen. Doch nur ein Aufzug, am Jakob-Kaiser-Platz (U7), soll noch folgen. Dabei schreibt das Personenbeförderungsgesetz „eine vollständige Barrierefreiheit im öffentlichen Personennahverkehr zum 1. Januar 2022“ vor. Ausnahmen sind nur in begründeten Fällen erlaubt, Geldstrafen bei Verzug müssen allerdings weder BVG noch Verkehrsverwaltung fürchten. Rolltreppen zählen nicht.

Etwa 50 Beteiligte gibt es bei jedem Bauvorhaben. Zahlreiche Unternehmen haben Leitungen unter der Straße verlegt, Polizei, Feuerwehr, Verkehrsmanagement, diverse Ämter – alle müssen gefragt werden und wollen mitreden.

14 Bahnhöfe sollen 2022 einen Aufzug bekommen, fünf im Jahr 2023. Bei 15 Stationen nennt die BVG kein Jahr mehr, so für die Weinmeisterstraße und die Schönleinstraße. Auf die Frage, wann auch der 175. Bahnhof barrierefrei ist, antwortet die BVG: „Im Jahr 2024 oder später.“

Länger wird es bei der Deutschen Bahn dauern. Die unterliegt zwar nicht dem Personenbeförderungsgesetz, dennoch wünscht sich das Land Verbesserungen. Noch in diesem Jahr wollen beide Seiten eine Rahmenvereinbarung über 228 Millionen Euro unterzeichnen. 117 Millionen Euro steuert Berlin bei. Das Programm laufe über 12 Jahre, heißt es aus der Verkehrsverwaltung. 50 Stationen von S- und Regionalbahn sollen barrierefrei und moderner gestaltet werden. Jörn Hasselmann

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