Obdachlose in Berlin : Clubs kooperieren mit Kältehilfe

Berlin braucht mehr Kälteschlafplätze. Zwei Clubs in Friedrichshain-Kreuzberg wollen ihre Räume für Obdachlose öffnen.

Sarah Murrenhoff
Zelte von Obdachlosen im Tiergarten.
Zelte von Obdachlosen im Tiergarten.Foto: dpa

Die Berliner Konzerthäuser Astra Kulturhaus und Bi Nuu werden ihre Räume im Januar und Februar 2019 voraussichtlich für jeweils eine Nacht pro Woche als Kältenotunterkünfte für Obdachlose zu öffnen. Aktuell befindet sich der Betreiber darüber in finalen Gesprächen mit der Berliner Kältehilfe.

Beherbergt werden sollen voraussichtlich montags beziehungsweise dienstags 15 Frauen im Bi Nuu im U-Bahnhof Schlesisches Tor in Kreuzberg und 25 Männer im Astra Kulturhaus auf dem RAW-Gelände in Friedrichshain. Die GEBEWO soll die beiden zusätzlichen Kältenotunterkünfte als sozialer Träger betreiben. Die beiden Clubs möchten ihren Backstagebereich beziehungsweise ihren Vorraum zum Veranstaltungssaal dafür kostenfrei zur Verfügung stellen.

Bi Nuu veranstaltete eine Soliparty

Der Betreiber der beiden Clubs, Torsten Brandt, hatte Anfang des Jahres die Initiative ergriffen und sich mit einer Anfrage an die GEBEWO gewendet, die die Standortentwicklung in der Kältehilfe koordiniert. Seitdem trafen sich Clubbetreiber und Kältehilfe mehrfach, um die Kooperation zu intensivieren. Am 16. November fand zum Auftakt der Kooperation im Bi Nuu eine Soliparty statt. Die Erlöse gingen an die Berliner Kältehilfe.

Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg hat die Kooperationspartner seit Mitte des Jahres beraten und unterstützt. Es wurde ein Zuwendungsantrag beim Bezirk gestellt, um die anfallenden Kosten zu decken. Sara Lühmann, Pressesprecherin des Bezirksamtes Friedrichshain-Kreuzberg, findet es „toll, wenn Clubs solche Angebote machen und soziale Verantwortung übernehmen“ und betont: „Wir freuen uns über jedes weitere Angebot, um die Zahl der Kältehilfeplätze weiter auszubauen.“

920 Notschlafplätze im Durchschnitt

In der Kältehilfe beteiligen sich zahlreiche Träger mit Angeboten wie Beratungsstellen, Notübernachtungen, Nachtcafés, Suppenküchen und Kältebussen. Durchschnittlich stehen in den Kältemonaten etwa 920 Notschlafplätze für Wohnungslose zur Verfügung. Berlins Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke) hatte vergangene Woche angekündigt, die Kältehilfe-Plätze für Obdachlose bei Bedarf noch weiter auszubauen. Schätzungen der GEBEWO zufolge leben 6000 bis 8000 Obdachlose in Berlin. Das Kältehilfe-Angebot begann in diesem Jahr ausnahmsweise einen Monat früher, am 1. Oktober.

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