Ausbruch aus JVA Tegel : Berliner Ausbrecher nach spektakulärer Flucht in Belgien gefasst

Hamed M. war im Februar unter einem Liefer-Lkw aus der Berliner JVA Tegel ausgebrochen. Nun wurde der Libyer in Belgien gefasst - mit einer Aliasidentität.

Hamed M. ist einen Monat nach seiner Flucht aus der JVA Tegel in Belgien gefasst worden.
Hamed M. ist einen Monat nach seiner Flucht aus der JVA Tegel in Belgien gefasst worden.Foto: Polizei Berlin

Der Tegel-Ausbrecher Hamed M. ist nach seiner spektakulären Flucht in Belgien gefasst worden. Das sagte der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Berlin dem Tagesspiegel und bestätigte damit einen Bericht der B.Z. Am Mittwochvormittag informierten die belgischen Behörden die Berliner Generalstaatsanwaltschaft per Fax, dass der 24-jährige Libyer in Brüssel gefasst worden sei und seit drei Wochen in Haft sitze.

M. war am 7. Februar aus der Justizvollzugsanstalt Tegel geflohen. Die Wärter täuschte er, indem auf seinem Bett mit Kleidung und Klopapier eine Attrappe drapierte. M. war als Hausarbeiter in der Haftanstalt tätig, deshalb konnte er sich am Abend mehrere Stunden unter einem Lastwagen festklammern, der die Anstalt mit Waren beliefert. Zwar wurde die Ladefläche kontrolliert, ebenso die Unterfläche mit Spiegeln – doch M. wurde übersehen. Seither war der 24-jährige Gewalttäter auf der Flucht. Erst am nächsten Morgen wurde sein Fehlen bemerkt.

Die belgischen Behörden reagierten erst nach drei Wochen

M. muss bis 2022 Haftstrafen wegen Diebstahls in besonders schwerem Fall und schwerer räuberischer Erpressung absitzen. Er ist einschlägig vorbestraft, ein weiteres Verfahren zu dem Diebstahl mit Waffen ist offen.

Dass die Behörden in Belgien erst, nachdem M. dort bereits seit drei Wochen in Haft ist, auf den Europäischen Haftbefehl aus Berlin reagieren, hat einen Grund: M. war am 14. Februar – also eine Woche nach seiner Flucht aus der JVA Tegel – in Brüssel gefasst worden. Dort war er beim Diebstahl erwischt worden und kam in Haft.

M. gab in Belgien Aliasidentität an

Allerdings wurde der in Libyen geborene M. zunächst unter einer Aliasidentität registriert, die er gegenüber den belgischen Behörden angegeben hatte. Erst später, beim Abgleich mit Suchdaten und Haftersuchen, gab es dann einen Treffer. Die Behörden in Belgien stellten fest, wer da wirklich bei ihnen in Haft saß – und dass dieser Mann in Berlin gesucht wird.

Nun will die Generalstaatsanwaltschaft auf Grundlage des Europäischen Haftbefehles, der in der gesamten EU gilt und die Festnahme in allen EU-Staaten festschreibt, die Überstellung von M. erwirken.

Berlins Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) stand wegen des Ausbruchs massiv unter Druck – es war das zehnte Fall binnen weniger Wochen, darunter die Flucht von vier Männern mit Hammer und Flex aus der JVA Plötzensee. Alle sind wieder im Knast. Nur noch ein Schwarzfahrer fehlt, der nicht in den offenen Vollzug zurückkehrte.