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Berlin-Köpenick : Verdächtiger nach Brandanschlag auf Obdachlose festgenommen

Der Angriff auf zwei Obdachlose am Bahnhof Schöneweide sorgte bundesweit für Empörung, jetzt wurde ein 47-Jähriger verhaftet. Anzeichen für ein obdachlosenfeindliches Motiv gibt es bislang nicht.

Nach dem Anschlag am  S-Bahnhof Schöneweide hatten Anwohner eine Mahnwache veranstaltet.
Nach dem Anschlag am  S-Bahnhof Schöneweide hatten Anwohner eine Mahnwache veranstaltet.Foto: Christian Mang / Imago

Den schnellen Fahndungserfolg nach dem Brandanschlag auf zwei Obdachlose vor eineinhalb Wochen am S-Bahnhof Schöneweide meldeten Polizei und Staatsanwaltschaft erst am Mittwochnachmittag: Gegen einen 47 Jahre alten Tatverdächtigen sei bereits am 26. Juli, also vier Tage nach der Tat, durch das Amtsgericht Tiergarten ein Haftbefehl wegen versuchten Totschlags erlassen worden. „Bisher haben sich keine Anhaltspunkte für eine obdachlosenfeindliche Motivlage ergeben“, teilte die Polizei mit. Ein Staatsanwalt sprach von einem „typischen Berliner Rohheitsdelikt“.

Der 47-Jährige war mit den beiden Männern am Bahnhof zuvor in Streit geraten. Dieser war so schnell eskaliert, dass die Polizei kam und dem Krakeeler einen Platzverweis erteilte. Diese Ansprache durch die Polizei brachte Aleksandr T. aber nicht zur Einsicht – im Gegenteil. An einer Tankstelle holte er sich Benzin, und kehrte gegen 23 Uhr zum Bahnhof zurück. Er überschüttete die beiden am Cajamarcaplatz liegenden Obdachlosen mit Benzin und zündete sie an. Anschließend zündete T. auch die Habseligkeiten der Obdachlosen an und flüchtete dann.

Da sich der Tatverdächtige seitdem verborgen hielt, wurde die Zielfahndung des Landeskriminalamtes hinzugezogen. Er wurde vor einer Woche in einem Köpenicker Einkaufszentrum festgenommen, am Donnerstag wurde ihm der Haftbefehl wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung verkündet.

Die beiden 47 und 62 Jahre alten Obdachlosen erlitten schwerste Verbrennungen. Der 62-Jährige ist mittlerweile aus dem Krankenhaus entlassen. Er wurde am Mittwoch früh von einer Sozialarbeiterin abgeholt und in eine Unterkunft gebracht, sagte eine Sprecherin des Unfallkrankenhauses Berlin. Wie berichtet,, war er vor einigen Tagen bereits von der Polizei befragt worden. Weitaus schlimmer seien die Verletzungen des 47-Jährigen. Er liege nach wie vor in einem künstlichen Koma. Der Mann habe neben starken Verbrennungen auch ein Inhalationstrauma in der Lunge erlitten, weil er den giftigen Qualm eingeatmet habe.

In der Tatnacht waren mehrere Menschen Zeugen des Geschehens. Als die Opfer vor Schmerzen schrien, war sofort die Feuerwehr alarmiert worden. Andere Zeugen holten einen Feuerlöscher aus einem Imbiss. Die Tat direkt am Haupteingang des stark frequentierten Bahnhofs hatte große Anteilnahme in der Bevölkerung ausgelöst. An einer „Mahnwache gegen Obdachlosenfeindlichkeit“ am vergangenen Montag hatten 150 Menschen teilgenommen. Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke) hatte am Rande der Mahnwache die Tat als „bestialischen Mordversuch“ bezeichnet.