Betrug bei der Wohnungssuche : Studentin mietet Wohnung, die es nicht gibt

Eigentlich wollte Marie ein Praktikum in Berlin machen. Doch dann mietet sie ein Zimmer in einem Haus, das gar nicht existiert. Eine Betrugsgeschichte.

Die Zimmersuche fürs Studium kann Nerven kosten.
Die Zimmersuche fürs Studium kann Nerven kosten.Felix Kästle

Das Wohnungsangebot klang eigentlich nicht schlecht: 30-qm-Zimmmer in einer Studenten-Wohngemeinschaft, möbliert, Balkon, 380 Euro warm – die Adresse: Kohlrauschstraße 3 in Charlottenburg. Dachte auch die Studentin Marie (Name geändert), die für ein Praktikum vorübergehend nach Berlin ziehen wollte. Doch als sie mit vollbepackten Koffern in der Kohlrauschstraße ankommt, findet sie statt ihrer neuen Mitbewohnerin eine Baulücke: Denn es gibt zwar eine Nummer 1 und eine Nummer 5, die Hausnummer 3 jedoch existiert nicht.

Statt eines Wohnhauses stehen dort Bäume und Müllcontainer, es handelt sich um ein unbebautes Flurstück zwischen den zwei Nachbargebäuden. Scamming nennt sich das in Fachkreisen, der Betrug über das Internet – in diesem Fall Betrug über eine Wohnungsanzeige.

Der Auszug aus dem Liegenschaftskataster zeigt das unbebaute Flurstück der Hausnummer 3.
Der Auszug aus dem Liegenschaftskataster zeigt das unbebaute Flurstück der Hausnummer 3.Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf von Berlin

Und die Masche der Betrüger gleicht ganz oft dem, was die Studentin erlebte: Per E-Mail sendet ihr die vermeintliche Vermieterin und künftige Mitbewohnerin, eine Frau Bourgignant, Bilder der WG und von ihrem Zimmer, der Kontakt ist freundlich. Allerdings, die Bitte der Vermieterin, Marie müsse Miete und Kaution in Höhe von 960 Euro bereits im Vorfeld an ihre Mutter im Ausland überweisen, sonst müsse sie die Wohnung leider einem anderen Interessenten geben.

Die Wohnungsanzeige für die WG in der Kohlrauschstraße.
Die Wohnungsanzeige für die WG in der Kohlrauschstraße.Screenshot Privat

„Mir kam das komisch vor, aber weil wir auch auf Englisch geschrieben hatten und sich die Vermieterin als Französin ausgab, hielt ich es für plausibel, dass die Mutter im Ausland wohnt“, sagt Marie im Nachhinein. Als Rückversicherung sendet ihr Frau Bourgignant wiederum den Mietvertrag und eine Kopie ihres Ausweises. Die Studentin ist misstrauisch, doch als sie die Wohnungsadresse im Internet sucht, entdeckt sie nichts Ungewöhnliches und geht das Risiko ein.

Warnung vor "Scamming"

Auf der Seite „polizei-beratung.de“ warnt die Polizei vor genau solchen Fällen: „Die Scammer geben sich als Engländer oder Amerikaner aus, die die zu vermietende Wohnung geerbt hätten“, schreibt die Polizei dort, „oder sie erzählen, sie hätten mal in Deutschland gearbeitet und wollten die alte Bleibe nach einem beruflich bedingten Wechsel ins Ausland vermieten.“

Man solle das Geld einfach im Vorhinein überweisen, der Schlüssel würde dann per Post zugesandt. Die Betrugszahlen steigen immer dort, wo der Wohnungsmarkt hart umkämpft ist und Betrüger glaubhaft drohen können, das Wohnungsangebot wandere sonst an den nächsten Interessenten. Besonders Wohnungssuchende, die nicht vor Ort sind, bleibt jedoch meist nichts anderes übrig, als eine Wohnung über das Internet zu finden, Anzahlungen sind da vielfach die Regel.

Das Wohnungsangebot.
Das Wohnungsangebot.Screenshot Privat

Marie erstattet bei der Polizei Anzeige, doch die macht ihr wenig Hoffnung, ihr Geld wiederzubekommen oder einen Verantwortlichen auszumachen: der Pass sei vermutlich gestohlen, eine falsche Emailadresse ist schnell eingerichtet und unter die angegebene Handynummer ist nicht mehr vergeben. Außerdem: Bei ausländischen Konten ist kaum nachvollziehbar, wer das Konto tatsächlich angemeldet hat.

Doch was Marie passiert ist, scheint nicht nur generell bei der Wohnungssuche immer wieder vorzukommen: Nachbarn in der Kohlrauschstraße berichteten ihr, immer wieder würden ihnen Menschen mit viel Gepäck im Hof zwischen Hausnummer 1 und 5 begegnen, die verzweifelt nach der Nummer 3 suchten. Die Wohnungsbörse des Berliner Studierendenwerks und die Immobilienseite „Immozentral“ entfernten die Anzeige nach Maries Beschwerde.

Ein Bild des vermeintlichen Balkons zeigt einen schneebedeckten Berg im Hintergrund.
Ein Bild des vermeintlichen Balkons zeigt einen schneebedeckten Berg im Hintergrund.Screenshot Privat

Jana Judisch, Sprecherin des Studierendenwerks sagte, bislang seien ihr lediglich zwei Betrugsfälle bekannt, üblicherweise würden alle Annoncen geprüft, bevor sie online gehen. „Jede Online-Anzeige wird nun nicht nur inhaltlich und bzgl. Preis geprüft, wir telefonieren auch noch einmal die angegebenen Nummern an, um besser sicher zu stellen, dass hinter der Anzeige eine reelle Person steht.“

Anzeigen, die der Prüfung durch nicht bestanden, seien Fälle gewesen, in denen der Preis beispielsweise deutlich überteuert gewesen sei oder ansonsten unseriös gewirkt hätten.

Für Marie jedenfalls, war ihr Berlin-Aufenthalt in der Kohlrauschstraße 3 beendet. Eine andere Unterkunft konnte sie so kurzfristig weder finden, noch sich leisten. Das Praktikum sagte sie ab und fuhr zurück in ihre Studentenstadt.