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„Menschenverachtende Gewalt" : Unbekannter zündet schlafenden Obdachlosen an

Der Obdachlose schlief im Vorraum einer Bank in Charlottenburg, da wurde sein Hosenbein angezündet. Die Polizei sucht nun nach dem Täter.

Verena Mayer
Der Eingang der Sparkasse in Charlottenburg.
Der Eingang der Sparkasse in Charlottenburg.Foto: Verena Mayer

Nach einem Brandanschlag auf einen schlafenden Obdachlosen in einer Bankfiliale in Charlottenburg herrscht bei Anwohnern Entsetzen. Der 45-Jährige hatte sich in der Nacht zum Dienstag zum Schlafen in den Vorraum einer Sparkasse in der Otto-Suhr-Allee gelegt. Laut Polizeiangaben wurde das Hosenbein des Mannes von einem Unbekannten angezündet. Das Opfer wurde mit Brandverletzungen am Bein zur stationären Behandlung ins Krankenhaus eingeliefert.

„Er gab den Polizistinnen und Polizisten an, dass er in dem Vorraum schlief und durch das Feuer an seinem Hosenbein wach wurde“, erklärten die Ermittler. Ein Kunde hatte die Polizei kurz nach Mitternacht zu der Bank gerufen. Er habe Brandgeruch wahrgenommen und mindestens zwei Obdachlose in dem Vorraum schlafen sehen, hieß es. Mehrere Passanten berichteten am Tag nach dem Anschlag, dass sie nachts immer wieder Obdachlose im SB-Bereich der Bank gesehen hätten. Ein Kunde gibt an, dass teilweise bis zu fünf Menschen die Nacht dort verbracht haben sollen. Höflich und zurückhaltend seien sie gewesen. Er zeigte sich bestürzt angesichts dieser „menschenverachtenden Gewalt“.

Der Tatort: die Sparkassenfiliale in der Otto-Suhr-Allee in Charlottenburg.
Der Tatort: die Sparkassenfiliale in der Otto-Suhr-Allee in Charlottenburg.Foto: Verena Mayer

Laut Schätzungen leben in Berlin zwischen 6000 und 10 000 Menschen auf der Straße. Immer wieder kam es in der Vergangenheit zu Anschlägen auf Obdachlose. Erst im vergangenen September wurde ein Mann im Weinbergspark in Mitte angezündet. Im März zündeten Unbekannte das Zelt eines Obdachlosen in Charlottenburg an.

Nach dem Täter wird weiterhin gefahndet. Die Polizei geht derzeit verschiedenen Spuren nach. Hinweise auf Hasskriminalität lägen nicht vor, hieß es. Laut Angaben des Opfers könnte es sich bei dem Täter um einen Bekannten von ihm handeln, sagte ein Polizeisprecher. Auch der Verdächtige soll sich zum schlafen in der Bank befunden haben. Falls es Aufnahmen von Überwachungskameras gebe, werden diese geprüft. Sowohl der Zeuge, der die Polizei alarmiert hatte, als auch der zweite Schlafende waren bereits weg, als die Beamten eintrafen. Die Männer sollten sich bei der Polizei melden, sagte der Sprecher.

Schon in der Vergangenheit hatte es Attacken auf Obdachlose in Berlin gegeben

Die geschätzte Zahl der Obdachlosen in Berlin liegt zwischen 6000 und 10 000. Im Winter werden im Rahmen der Kältehilfe zwar Hunderte Schlafplätze angeboten. Manche Menschen wollen allerdings nicht in den teils großen Unterkünften schlafen, etwa weil Alkohol dort verboten und das Mitbringen von Hunden meist nicht erlaubt ist.