Prozess gegen HIV-Arzt beginnt 2020 : Mediziner soll zahlreiche Patienten missbraucht haben

Ein Berliner Arzt soll offenbar mehrere Patienten sexuell missbraucht haben. Der Prozess beginnt im April 2020 vor dem Amtsgericht Tiergarten.

Vivien Krüger
Der Fall wird 2020 im Amtsgericht Tiergarten verhandelt.
Der Fall wird 2020 im Amtsgericht Tiergarten verhandelt.Foto: Foto: Taylan Gökalp/dpa

Ein Berliner HIV-Arzt soll über zwei Jahrzehnte lang Patienten missbraucht haben. Der niedergelassene Mediziner nutzte dabei offenbar seine vertrauensvolle Beziehung zu den Patienten systematisch aus und suchte sich gezielt Opfer in besonders labilen Situationen. Häufig seien es Männer gewesen, die potentiell HIV-infiziert waren, die keinen deutschen Pass oder keine deutsche Versicherung besaßen.

Die Anklage

Dem Arzt wird gemäß der Anklage vorgeworfen, zwischen August 2011 und Mai 2013 an fünf männlichen Patienten sexuelle Handlungen vorgenommen und dabei das Beratungs-, Behandlungs- und Betreuungsverhältnis ausgenutzt zu haben – so eine Gerichtssprecherin.

Wie viele Männer der Arzt tatsächlich missbraucht haben soll, ist bislang unklar. Medienberichten zufolge sind es angeblich mehr als 30 Personen, die von Übergriffen und sexualisierter Gewalt durch den Arzt berichten. Laut Recherche bestätigten sämtliche Beratungsstellen und Behörden die Vorwürfe.

Der Prozess

Der Prozess gegen den Arzt beginnt am 2. April 2020 vor dem Amtsgericht Berlin-Tiergarten. Der späte Beginn ist laut dem Gericht auf die langwierigen Ermittlungen zurückzuführen. Seit 2013 wird durch die Berliner Ärztekammer berufsrechtlich gegen den Mediziner ermittelt. 2014 nahm sich die Staatsanwaltschaft dem Fall an und erhob 2016 Anklage in fünf Fällen.

Der Beschuldigte ist ein international renommierter Allgemeinmediziner und HIV-Arzt. Er ist Anfang 60 und engagiert sich seit 1994, mit der Eröffnung seiner Praxis, in der schwulen Szene in Berlin.

Sexuelle Gefälligkeiten gegen Medikamente

Nach den Aussagen der Opfer soll der Mediziner einige der Patienten ohne ersichtlichen Grund aufgefordert haben, sich auszuziehen. In anderen Fällen habe der Arzt vermeintliche Komplimente über ihre Genitalien gemacht und einige von ihnen sogar scheinbar ohne medizinische Notwendigkeit sexuell stimuliert. Manchen habe er im Austausch gegen sexuelle Übergriffe dann Medikamente verschrieben.

Außergewöhnlich ist, dass erstmals eine große Anzahl von Personen aus der LSBTI*-Community den Namen des mutmaßlichen Täters nennt.

In einer früheren Version dieses Beitrages hatten wir den Vornamen und den ersten Buchstaben des Nachnamens des betroffenen Arztes genannt. Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes haben wir den Beschuldigten vollständig anonymisiert.

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