Gegen Homo- und Transfeindlichkeit : Fritz-Karsen-Schule in Britz wird "Schule der Vielfalt"

Die Schule ist die erste in Berlin, die dem bundesweiten Netzwerk angehören wird. Die Auszeichnung wird am Sonnabend bei einem Schulfest gefeiert.

Berliner bekennen Farbe - gegen Homo- und Transfeindlichkeit.
Berliner bekennen Farbe - gegen Homo- und Transfeindlichkeit.Foto: imago/ZUMA Press

Wenn am Sonnabend die Regenbogenflagge an der Fritz-Karsen-Schule in Britz gehisst wird, hängt das nicht nur mit dem „Pride“-Monat Juni zusammen, sondern hat einen besonderen Grund: Die Schule ist die erste Schule in Berlin, die dem bundesweiten Netzwerk „Schule der Vielfalt“ angehören wird. Sie verpflichtet sich damit, sich gegen Homo- und Transfeindlichkeit und andere Diskriminierungen aufgrund der sexuellen Orientierung oder der geschlechtlichen Identität einzusetzen. Die Idee mit der Selbstverpflichtung ist so ähnlich wie beim Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“, dem die Fritz-Karsen-Schule ebenfalls angehört.

Die Auszeichnung als „Schule der Vielfalt“ wird am Sonnabend bei einem Schulfest gefeiert – und bei der Gelegenheit wird auch das Schild am Schulgebäude enthüllt, das die Zugehörigkeit zum Netzwerk signalisiert: „Come in – Wir sind offen: lesbisch, schwul, bi, hetero, trans*, inter*, cis, queer“ – so soll die Inschrift lauten.

Fortbildungen für Lehrer und Schüler

„Menschen unterscheiden sich nicht nur nach der Herkunft, sondern auch nach der sexuellen Orientierung und der Geschlechtsidentität“, sagt Schulleiter Robert Giese. „Das trifft natürlich auch auf unsere ohnehin sehr heterogene Schülerschaft zu. Wir wollen, dass sich alle bei uns wiederfinden und akzeptiert fühlen“.

Es fehle aber bei manchen Lehrkräften und Schülern noch an Wissen und Informationen über diese Themen. Zum Beispiel, was es heißt, wenn ein Kind oder ein Jugendlicher transgeschlechtlich ist, oder wie man am besten reagiert, wenn „Schwuchtel“ oder „Kampflesbe“ als Schimpfwort über den Hof gerufen werden. Deshalb soll es Fortbildungen für Lehrkräfte und Workshops für Schüler geben.

Unterstützung von Bildungsinitiative Queerformat

Die Zustimmung in der Schule für das Projekt sei groß, sagt Giese. In allen Gremien, mit Eltern, Schülern und Lehrern wurde darüber diskutiert und abgestimmt. „Über 90 Prozent haben zugestimmt“, sagt Giese. An der Schule gebe es bereits seit einiger Zeit eine Gruppe von Lehrkräften, die sich für das Thema sexuelle und geschlechtliche Vielfalt engagiert.

Unterstützt und begleitet wird die Schule von der Bildungsinitiative Queerformat, die die Landeskoordination für den Aufbau des „Schule der Vielfalt“-Netzwerks in Berlin übernommen hat. Im Rahmen der 2009 vom Abgeordnetenhaus verabschiedeten Initiative „Berlin tritt ein für Selbstbestimmung und Akzeptanz sexueller Vielfalt“ hat Queerformat den Auftrag bekommen, entsprechende Bildungsmaßnahmen für Kitas, Schulen und andere Bildungseinrichtungen zu entwickeln und durchzuführen. Das Programm der „Schulen der Vielfalt“ wurde seit 2008 in Nordrhein-Westfalen entwickelt, das Bundesnetzwerk gibt es seit 2015.

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