• Regeln gegen die Corona-Pandemie: Hygiene-Konzept statt Maskenpflicht für Berlins Verkäufer
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Regeln gegen die Corona-Pandemie : Hygiene-Konzept statt Maskenpflicht für Berlins Verkäufer

Supermarktmitarbeiter müssen – anders als Kunden – keinen Mund-Nasen-Schutz tragen. Dennoch müssen Geschäftsinhaber für Hygiene sorgen.

Ein Supermarkt-Mitarbeiter trägt beim Einräumen von Ware einen Mundschutz.
Ein Supermarkt-Mitarbeiter trägt beim Einräumen von Ware einen Mundschutz.Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Beim Einkaufen müssen Kunden in Berlin derzeit Schutzmasken tragen. Viele wundern sich jedoch, dass das Personal oftmals keinen Mundschutz trägt – sogar zum Beispiel an der Frischetheke, wo etwa über das Fleisch hinweg mit dem Kunden gesprochen wird und das Risiko der Verbreitung von Spucketröpfchen hoch erscheint. Oder an Imbissbuden.

Nachfrage bei der Gesundheitsverwaltung: In der Tat sei das Maskentragen für die Beschäftigten nicht Pflicht, bestätigt ein Sprecher: „Der jeweilige Geschäftsinhaber muss über ein Hygiene-Konzept verfügen.“

Für dessen Inhalt mache die Corona-Eindämmungsmaßnahmenverordnung teilweise Vorgaben, etwa hinsichtlich der Steuerung des Zutritts, der Vermeidung von Warteschlangen, Einhaltung von Mindestabständen, Einhaltung eines Reinigungs- und Desinfektionsregimes.

Die Umsetzung sei in das verantwortungsvolle Ermessen der Geschäftsinhaber gestellt. Der Geschäftsinhaber muss zwar Schutzmaßnahmen ergreifen, kann diese aber auch anders gestalten als mit der Auferlegung einer Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung, zum Beispiel durch das Aufstellen von Plexiglastrennwänden oder ähnlichem.

„Da ist eine pragmatische Lösung, die von der Grundlage ausgeht, dass wir in der Lage sind, unsere Leute selber zu schützen“, sagt Nils Busch-Petersen vom Handelsverband Berlin-Brandenburg.

Handschuhe für Fleischtheken-Mitarbeiter? "Davon raten uns die Veterinäre dringend ab"

Es sei gut, dass von einer formellen Regelung abgesehen wurde. Das hätte angesichts der Vielfalt der Möglichkeiten bloß zu einem Regelungs- und Überwachungswust geführt.

Wer einkauft, stellt schnell fest, dass sich Sorgfalt und Aufwand bei Schutzmaßnahmen von Händler zu Händler stark unterscheiden.

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Busch-Petersen hat auch schon Geschäfte besucht, in denen das gesamte Personal Schutzmasken trug, auf freiwilliger Basis. „Acht Stunden unter einer solchen Maske können sehr anstrengend sein“, sagte Busch-Petersen.

Die meisten Geschäfte hätten Flatterbänder vor den Frischetheken, Plexiglasscheiben an den Kassen, und auch die meisten Kunden seien verantwortungsbewusst. Am wichtigsten seien immer noch Händewaschen mit Seife und Abstand halten.

Schutzmaskenfrage in Arztpraxen-Wartezimmern nicht ausdrücklich geregelt

„Ich habe auch Anfragen bekommen, warum die Mitarbeiter an der Fleischtheke keine keine Handschuhe tragen. Davon raten uns die Veterinäre dringend und seit Jahren ab, weil auf dem Gummihandschuh sich jedes Virus und jede Bakterie wohler fühlt und länger hält, als wenn ich es auf der Haut habe und mir regelmäßig die Hände wasche“, sagt Busch-Petersen.

Im Handschuh herrsche aufgrund der Feuchtigkeit innen ein Bakteriensumpf und außen nicht mehr Schutz.

Ebenfalls nicht ausdrücklich geregelt ist die Schutzmaskenfrage in den Wartezimmern von Arztpraxen. „Die Ärzte und Kassenärztlichen Vereinigungen regeln das entlang ihrer eigenen Hygienevorschriften selbst“, sagt Moritz Quiske, Sprecher der Gesundheitsverwaltung.

„Wir beobachten aber und prüfen, inwieweit hier Handlungsbedarf besteht und wir genauer regeln müssen.“ Offenbar sind auch bei der Gesundheitsverwaltung kritische Nachfragen von Patienten eingegangen, die sich im Wartezimmer mit weiteren Personen ohne Mundschutzmaske aufhielten.

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Die Kassenärztliche Vereinigung Berlin erklärte auf Anfrage, eine Maskenpflicht in Praxen könne nur der Senat erlassen. Eine Parallelität des Themas zur Maskenpflicht im ÖPNV und im Einzelhandel sei nicht wegzudiskutieren. Aktuell entschieden die Ärzte jedoch selber, ob ihre Mitarbeiter Schutzkleidung und die Patienten eine Maske tragen sollen oder nicht.

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