Roomservice für alle Gäste : Wie das Hotel Adlon in der Coronavirus-Krise arbeitet

Viel weniger Betrieb als sonst, aber keine Pause: Adlon verpflichtet. Die Mitarbeiter umsorgen Geschäftsleute und backen für Krisenhelfer.

Das übliche Kommen und Gehen gibt es derzeit nicht, im Inneren des Adlon ist es merkwürdig still.
Das übliche Kommen und Gehen gibt es derzeit nicht, im Inneren des Adlon ist es merkwürdig still.Foto: Michele Tantussi/Reuters

Auch hier, im luxuriösen Ambiente und auf dem weichen Teppich, ist alles anders als sonst: kein Taxi vor der Tür, an der kein Zerberus steht und seinen Zylinder lüftet. In der Lobby des Hotels Adlon herrscht Stille.

Die Bar ist geschlossen, das Piano schweigt. Nur das Tröpfeln des Elefantenbrunnens in der Eingangshalle hat etwas Lebendiges. Ist auch dieses Luxushotel zum Opfer von Corona geworden? Wie man’s nimmt.

Einige Geschäftsleute sind im Haus, darunter auch Stammgäste, erzählt der neue, seit Februar regierende Direktor mit dem passenden Namen für einen Hotelchef: Michael Sorgenfrey. Man arbeitet eng mit anderen Hotels, dem Robert-Koch-Institut und dem Auswärtigen Amt zusammen.

Private Übernachtungen und Besuche von Staatsgästen fallen derzeit aus, die weltumspannende Krise verändert auch die Diplomatie. Kein Staatsbesuch, kein Händchenhalten und Küsserei schon gar nicht.

[Behalten Sie den Überblick: Corona in Ihrem Kiez. In unseren Tagesspiegel-Bezirksnewslettern berichten wir über die Krise und die Auswirkungen auf Ihren Bezirk. Kostenlos und kompakt: leute.tagesspiegel.de]

Aber wie erlebt das „normale“ Publikum diese Zeit der Stille und der Einschränkungen? Da die Restaurants des Hotels geschlossen sind, wird das Essen aufs Zimmer gebracht und die Currywurst stilvoll serviert.

Gerade haben am 1. April 70 Lehrlinge im Haus am Pariser Platz angefangen, den Beruf ihres Lebens und das ABC der Gastlichkeit zu erlernen. „Wir können uns auf alle Azubis verlassen, und das ist ein beruhigendes Gefühl“, sagt der Direktor. Zur Ausbildung gehört die Mitwirkung an verschiedenen Aktionen, mit denen in diesen Tagen das Traditionshotel Danke sagen und den Krisenhelfern eine Freude machen will.

Ein Geschenk für die Krisenhelfer

„Um den großartigen Berliner Helden dieser Tage – Ärzte, Schwestern, Pflegepersonal – für ihren aufopferungsvollen Einsatz zu danken, hat das Adlon Kempinski ein Kontingent von über tausend Übernachtungen aufgelegt, die die Beteiligten, sobald die Krise überstanden ist, bis Ende März 2021 abrufen können“, sagt PR-Direktorin Sabina Held.

[Berlin steht still – genug Ideen, was man machen kann, gibt es trotzdem. Im Tagesspiegel-Newsletter Checkpoint finden Sie jeden Morgen Tipps für die Zuhause-Bleib-Zeit. Jetzt kostenlos abonnieren: checkpoint.tagesspiegel.de]

Der Clou: Die „Helden dieser Tage“ können eine Nacht im Einzel- oder Doppelzimmer verbringen und die Annehmlichkeiten des Hauses genießen. Dann wird die Currywurst nicht mehr nur ans Bett gebracht, in besseren Zeiten sind die Restaurants wieder geöffnet. [Anfragen für die Helfer-Aktion per Mail an reservation.adlon@kempinski.com, Betreff „Helden im Gesundheitswesen“]

Zwei weitere Aktionen: Das Adlon will mit seinem stark reduzierten Küchenteam einmal wöchentlich ein kleines Frühstück in ein Heim für Obdachlose in die Storkower Straße liefern, und beim traditionellen Osterlamm-Backen bekommen Krisenhelfer solch süßes Backwerk geschenkt, über 500 Lämmer, die jetzt in der hoteleigenen Bäckerei produziert werden.

„Ich bin unglaublich stolz auf mein Team“, sagt Hoteldirektor Sorgenfrey. Trotz der schwierigen wirtschaftlichen Situation, von der alle Mitarbeiter betroffen sind, brennen sie weiterhin vor Engagement. „Es sind kleine Gesten im Rahmen unserer Möglichkeiten, doch als Mitglied der für diese großartige Stadt so wichtigen Beherbergungsbranche ist es uns wichtig, einen Beitrag für die Gemeinschaft zu leisten.“

Jetzt neu: Wir schenken Ihnen Tagesspiegel Plus 30 Tage gratis!