Anmeldung zur Oberschule : Losverfahren für Berlins Schüler: Das kleinere Übel

Viel Kritik gibt es am Losverfahren bei der Anmeldung für Berlins weiterführende Schulen. Doch selbst der Landeselternausschuss ist dafür.

Eine Lehrerin schreibt etwas an eine Tafel.
Eine Lehrerin schreibt etwas an eine Tafel.Foto: Mohssen Assanimoghaddam/dpa

Wenn es um die Anmeldungen an den weiterführenden Schulen in Berlin geht, fürchten die Eltern eines am meisten: Dass ihr Kind im Lostopf landet. Allerdings ist allen klar, dass es irgendeine Art von Auswahlverfahren geben muss, wenn die Nachfrage die Platzzahl übersteigt. Die CDU möchte das Problem lösen, indem die Schulen alle Schüler nach Leistung auswählen, wie es auch ihre schulpolitische Fraktionssprecherin Hildegard Bentele fordert. Die SPD hingegen will alles so lassen, wie es ist – ein Zweiklang von Leistungsauswahl und Losverfahren – um die soziale Mischung der Schulen zu verbessern. Darin hat sie die Unterstützung der Koalitionspartner und auch die der gewählten Elternvertretung.

Landeselternausschuss: Eltern die Angst nehmen

„Im Landeselternausschuss (LEA) gibt es keine Bewegung etwas zu ändern“, berichtet Landeselternsprecher Norman Heise, der auch Informationsveranstaltungen für Eltern anbietet, „um ihnen die Angst zu nehmen“. Den Ansatz der SPD, durch das Losverfahren die soziale Mischung der Schulen zu verbessern, teile der LEA, sagt Heise. Wenn man das Pech habe, an keiner seiner drei Wunschschulen zu landen, könne man ja immer noch versuchen, eine passende Schule zu finden und sei keinesfalls gezwungen, an eine der vom Bezirk zugewiesenen Schulen zu gehen. Unterm Strich gebe es relativ wenig Klagen, sagt Heise und fragt, was die Alternative zum Losverfahren sei, außer alle Schulplätze nach den – von Schule zu Schule sehr unterschiedlich vergebenen – Noten zu verteilen, was neue Ungerechtigkeiten schaffe.

Etliche CDU-Stadträte kritisieren das Losverfahren

Unter den Bildungsstadträten gibt es verschiedene Ansichten zum Losverfahren – und sie folgen keineswegs alle der jeweiligen Parteilinie. So sagen Lichtenbergs Bildungsstadtrat Wilfried Nünthel (CDU) und Frank Mückisch, sein CDU-Kollege aus Steglitz-Zehlendorf, dass sich das Losverfahren „bewährt“ habe. Andere CDU-Stadträte gehen allerdings konform mit Bentele. So kritisiert der Bildungsstadtrat von Mitte, Carsten Spallek, die Verlosung von Schulplätzen führe „bei Tausenden von Eltern und Schülern zu Intransparenz und Verunsicherung“. Das Verfahren habe „nichts mit (Bildungs-)Gerechtigkeit zu tun“. Als Folge müssten sich gute Schüler, die zum Schulprofil passten aber „Lospech“ hatten, andere Schulen suchen: „Statt einer Schulplatz-Lotterie brauchen wir der Nachfrage entsprechend mehr Angebote, auch beziehungsweise gerade bei den Gymnasien“, betont Spallek.

„Das Losverfahren gehört abgeschafft“, meint auch Reinickendorfs Stadtrat Tobias Dollase (parteilos, für CDU), „weil nach wie vor Eltern taktische Wahlen treffen.“ Sie wählten also, um einem Losverfahren zu entgehen, nicht die Schule, die sie eigentlich wünschten, sondern bei der sie davon ausgingen, dass es keine Übernachfrage gebe.

SPD-Stadträte: Verfahren hat sich bewährt

Die Neuköllner Bildungsstadträtin Karin Korte (SPD) hält das Losverfahren „aus Sicht des Schulträgers und auf Basis des geltenden Rechts für ein bewährtes Mittel, die Schulplätze zu vergeben“. Auch ihr Kollege aus Marzahn-Hellersdorf, Gordon Lemm (SPD), meint, dass sich das Losverfahren „im Prinzip“ bewährt habe, da es die soziale Durchmischung fördere. Ähnlich argumentiert Oliver Schworck (SPD), Bildungsstadtrat in Tempelhof-Schöneberg, der sagt, dass „durch das Losverfahren auch Schülerinnen und Schülern, die die jeweiligen Leistungskriterien nicht oder noch nicht erfüllen, der Zugang auch zu den nachgefragten Schulen grundsätzlich offensteht.“

Das Losverfahren wurde 2009 vom damaligen Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) angeregt, um das sogenannte „BVG-Kriterium“ loszuwerden: Es besagte, dass bei einer Überzahl an Anmeldungen die BVG-Verbindung entschied: Die Schulämter glichen ab, welches der konkurrierenden Kinder weniger BVG- Minuten für den Schulweg brauchte. Dabei konnte es passieren, dass ein Kind den Vorzug bekam, obwohl es weiter entfernt wohnte – einfach wegen guter Verkehrsanbindung. Scheinummeldungen waren die Folge.

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