Berliner Landesschülersprecherin Eileen Hager : „Bei Mobbing müssen die Schulen hinschauen“

Eileen Hager, 17, aus Lichtenberg ist neue Landesschülersprecherin in Berlin. Sie will sich gegen Diskriminierung einsetzen. Ein Gespräch.

Landesschülersprecherin Eileen Hager.
Landesschülersprecherin Eileen Hager.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Eileen Hager, 17, ist Landesschülersprecherin und geht auf die Fritz-Reuter-Oberschule in Lichtenberg. Sie macht im nächsten Jahr Abitur. Leistungskurse: Mathematik und Biologie. Mit ihr sprach Sylvia Vogt.

Sie sind gerade als neue Landesschülersprecherin gewählt worden. Wofür wollen Sie sich einsetzen?

Ich will mich gegen Mobbing, Gewalt und Diskriminierung einsetzen. Ich finde, dass Schulen mehr für die Prävention tun müssen. Mobbing ist leider weitverbreitet. Ich höre immer wieder von Fällen und habe selbst Freunde, die davon betroffen waren.

Was können Schulen gegen Mobbing tun?

Zunächst einmal dürfen sie nicht die Augen verschließen. Man sollte hinsehen und sagen: Ja, dieses Problem gibt es auch bei uns. Und dann kommt es darauf an, Aufklärung zu leisten und Ansprechpartner an der Schule zu haben. An meiner Schule wird das gut gemacht, finde ich. Wir haben zwei Sozialpädagoginnen, die Workshops zu Mobbing und Suchtprävention mit uns gemacht haben. Wir haben außerdem ein Projekt, bei dem ältere Schüler – Neunt- und Zehntklässler – mit den Siebt- und Achtklässlern über Mobbing sprechen. Die Jüngeren wissen, dass sie auf diese älteren Schüler zukommen können, wenn sie Hilfe brauchen.

Auch das Thema sexuelle Vielfalt ist Ihnen wichtig. Gibt es da bei Schülern noch viele Vorurteile?

Es ist jedenfalls immer noch ein Problem, und wir brauchen mehr Toleranz und Akzeptanz. Ich denke, dass zum Beispiel das Wort „schwul“ immer noch an wahrscheinlich jeder Schule von einigen als Schimpfwort benutzt wird. Ich habe homosexuelle Freunde, die mir erzählen, dass sie Diskriminierung erfahren. Die Reaktion, wenn sich zwei Jungen oder Mädchen küssen, ist vielleicht nicht mehr: „Iiieeh, eklig“, sondern eher: „Wow, krass“. Aber wenn ich meinen Freund küsse, findet das ja auch keiner krass.

Viel diskutiert wird derzeit der Lehrermangel und der zunehmende Einsatz von Quereinsteigern. Wie sehen Sie das?

Ich sehe es mehr als kritisch, dass Quereinsteiger in diesem Ausmaß eingesetzt werden. Ich bin dagegen, dass sie in der Grundschule unterrichten, weil es da besonders auf pädagogische Kenntnisse ankommt. Man sollte sich bewusst machen, dass Schülerinnen und Schüler einen großen Teil ihrer Kindheit und Jugend in der Schule verbringen. Und die Lehrerausbildung dauert ja nicht umsonst sechs Jahre.

Haben Sie selbst Erfahrungen mit Quereinsteigern gemacht?

Ja, leider keine guten. Ich hatte in der Vorbereitung auf die Oberstufe Quereinsteiger in zwei Fächern und denke, dass ich in dieser Zeit fachlich wenig vorangekommen bin. Ich hatte das Gefühl, dass sie nicht wussten, wie sie pädagogisch mit der Klasse umgehen sollten. Es gibt aber bestimmt auch etliche, die tollen Unterricht machen.

Ein weiteres Dauerthema sind die Schulsanierungen. Da geht es voran, aber jetzt kommt es immer wieder zu Beeinträchtigungen wegen der Bauarbeiten.

Es ist gut, dass jetzt viel passiert, und es ist klar, dass es dadurch zu Einschränkungen durch Lärm oder Staub kommen kann. Ich kann mir vorstellen, dass das nervig ist, es wird sich aber nicht ganz vermeiden lassen. Wenn es so laut ist, dass die Lehrer nicht unterrichten können, müssen sich Schulen Gedanken machen und Alternativen finden.

Auf der Webseite des Landesschülerausschusses schreiben Sie über sich, dass Sie zeigen wollen, dass „Schule mehr ist als nur lernen“. Was meinen Sie damit?

Ich wünsche mir, dass in der Schule mehr Platz dafür ist, dass man sich als Individuum entfalten kann. Wenn Kinder in die Schule kommen, haben fast alle Lust, zu lernen. Mit den Jahren nimmt das immer mehr ab. Das finde ich schade. Die Lehrpläne sind sehr dicht, aber ich wünsche mir, dass es mehr Raum für Kreativität und selbstbestimmtes Lernen gibt.

Sie selbst machen gerade Abitur und die Arbeit als Landesschülersprecherin kostet auch Zeit. Wie schaffen Sie das alles?

Wegen des kurzen Schuljahres endet das dritte Semester der Oberstufe schon am 30. November, bis dahin muss ich 15 Klausuren schreiben. Mit der Arbeit für den Landesschülerausschuss bin ich bestimmt zwei Stunden täglich beschäftigt. Außerdem bewerbe ich mich gerade für ein duales Studium, das ich nach dem Abitur aufnehmen will. Es ist schon viel zu tun, aber ich habe gelernt, diszipliniert zu arbeiten, und habe einen strikten Wochenplan. Die Arbeit im Landesschülerausschuss macht viel Spaß, und wir haben schon viele tolle Projekte auf die Beine gestellt. Das motiviert mich.

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