Zeitungs- und Schulprojekt "Umwelt macht Schule" : Der Fleischkonsum der Deutschen – ein Klimakiller?

Zwei Schülerinnen der Sophie-Scholl-Schule schreiben darüber, welche Rolle der Fleischkonsum und die Viehzucht beim Klimawandel spielt.

Amélie Schwiegershausen Sophie Schwiegershausen
Rinder in einem Stall.
Rinder in einem Stall.Foto: Thilo Rückeis

„Umwelt macht Schule“ ist ein Projekt im Auftrag des Bundesumweltministeriums, an dem Schülerinnen und Schüler aus 30 weiterführenden Schulen und 10 Tageszeitungen in ganz Deutschland teilnehmen. Umgesetzt wird das Projekt durch das IZOP-Institut in Aachen. Die Schülerinnen und Schüler setzen sich mit Umweltthemen auseinander und schreiben darüber. Ihre Artikel erscheinen in ihrer Partnerzeitung. Auf der Lernenseite des Tagesspiegels und in der Onlineausgabe lesen Sie in den kommenden Wochen Texte der Sophie-Scholl-Schule, des Walther-Rathenau-Gymnasiums und des Werner-von-Siemens-Gymnasiums. Den Anfang macht die Klasse 8.23 der Sophie-Scholl-Schule, betreut wurden die Jugendlichen von Inge Bruckmann, Tim Baumert und Florian Winkler.

Stellen Sie sich vor, Sie kaufen ein Kilogramm Rindfleisch aus dem Supermarkt. Hätten Sie gedacht, dass Sie stattdessen auch eine 100 Watt Glühbirne 20 Tage hätten brennen lassen können? Nicht? Dann sind sie damit vermutlich nicht allein.

Wussten Sie schon, dass bei der Produktion von einem klassischen Rindfleischburger 3000 Liter Wasser verbraucht werden? Davon könnte ein Mensch 100 Tage duschen. Ein Burger verbraucht genauso viel schädliches Umweltgas wie 320 km Autofahrt. Vielen Deutschen ist nicht bewusst, was die Viehzucht beim Klimawandel für eine bedeutende Rolle spielt. Unbewusst zerstören wir mit unserem Fleischkonsum die Welt. Wir müssen hinter die Fassade gucken, um die schlimme Geschichte hinter dem Billigfleisch zu entdecken.

30 Prozent der Landoberfläche und 70 Prozent des landwirtschaftlich genutzten Landes dienen der Viehzucht. Die Erzeugung von Futtermitteln nimmt schon alleine 33 Prozent der weltweit verfügbaren Ackerfläche ein. Zudem trägt unser Fleischkonsum zur Rodung des Regenwaldes bei. Dadurch sterben bis zu 150 Tierarten täglich aus.

Die Deutschen verbrauchen doppelt so viel Fleisch wie der Weltdurchschnitt

Die Deutschen gehören zu den größten Fleisch-Konsumenten der Welt und verbrauchen doppelt so viel Fleisch wie der Weltdurchschnitt. Jeder Deutsche nimmt durchschnittlich rund 60 Kilogramm Fleisch und Fleischwaren aller Art zu sich. Dafür werden fast 19 Millionen Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche verbraucht. Das sind ca. 2.300 Quadratmeter pro Person.

 Laut Wissenschaftlern stammen etwa 33 Prozent aller durch Menschen verursachter Treibhausgase aus der Viehzucht. Das Gas Methan ist eins von den klimaschädlichen Treibhausgasen, welches auch bei der Viehzucht in großen Mengen entsteht. Es ist in der Atmosphäre 25 mal so wirksam wie Kohlenstoffdioxid. Methan entsteht während der Verdauung von organischem Material unter Luftausschluss. Wenn eine Kuh zum Beispiel Gras frisst, wird das in ihrem Magen abgebaut und Methan wird anschließend freigesetzt. Rinder stoßen täglich 150 bis 200 Liter von dem umweltschädlichen Methan aus.

Zusätzlich bilden die Rinder nach der Ausstreuung Lachgas, welches 300 mal schädlicher auf das Klima wirkt als CO2.

Jeder kann mithelfen

Zurzeit werden rund elf Tonnen CO2  von einem Durchschnittsdeutschen pro Jahr verursacht. Um diesen Betrag zu verringern, kann jeder mithelfen. Jeder Deutsche sollte dazu einmal in der Woche einen fleischfreien Tag einlegen. Dabei würden rund 9 Millionen Tonnen Treibhausgas-Emissionen eingespart werden, das entspricht 75 Milliarden PKW-Kilometern. Wenn Sie Fleisch im Supermarkt kaufen, sollten Sie darauf achten, dass Sie nur die Fleischmenge kaufen, die Sie auch wirklich verbrauchen. Außerdem sollten Sie am besten nur Bio-Fleisch kaufen.

Der Fleischkonsum schadet nicht nur der Umwelt, sondern auch unserer Gesundheit.  Die Ausscheidungen der Nutztiere, die mit Antibiotika verseucht sind, sickern in unser Grundwasser.

Eine gute Alternative zum Rindfleischburger im Fastfoodrestaurant bildet ein veganes Restaurant namens „Swing Kitchen“ in Berlin-Mitte. Dort gibt es vegane Burger, aus Soja- und Weizenproteinen bestehend, die nach Aussage der Mitarbeiterin Leandra Reinhold,  95 Prozent weniger Energie, 85 Prozent weniger Wasser, 93 Prozent weniger Anbaufläche und 92 Prozent weniger Treibhausgase im Vergleich zu einem normalen Rindfleischburger verbrauchen. Es gibt einen Counter, der zeigt, wie viele Ressourcen im Vergleich zu einem normalen Burger gespart werden. Der elektrische Strom wird aus erneuerbaren Energiequellen bezogen, alle Verpackungen bei Swing Kitchen sind 100 Prozent erdölfrei und verhalten sich bei der Entsorgung CO2-neutral. Die Essensrezepturen wurden „eigens von den Gründern von Swing Kitchen“ entwickelt, sagt Mitarbeiterin Leandra. Bio-Produkte würden immer, wenn es möglich ist, genutzt. Alle Produkte sind gentechnikfrei und regional.

 Überwiegend junge Leute zwischen 20 und 30 Jahren kommen zu Swing Kitchen. Zwei Drittel der Besucher sind Frauen. Unter den Besuchern bei Swing Kitchen sind laut Umfragen nur 20 Prozent Veganer. Ganze 40 Prozent aller Besucher sind Fleischesser*innen. Swing Kitchen sind „für alle Ernährungstypen offen“.

Tun Sie etwas für die Umwelt, indem Sie ihren Fleischkonsum ein kleines bisschen einschränken und der vegetarischen Alternative eine Chance geben!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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