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Sex bis ins Treppenhaus hörbar: Wie sage ich es meinen stöhnenden Nachbarn am besten?
Unsere Autorin erklärt, wie man mit komplizierten Situationen so umgeht, dass es keine Verstimmungen gibt. Diesmal: Schamlose Nachbarn im Plattenbau.

Stand:
Irene, peinlich berührt, fragt: Wir wohnen in einem eher hellhörigen Plattenbau. Auf dem Weg zum Fahrstuhl könnten wir die Telefongespräche der Nachbarn mithören, so dünn sind die Wände. Bislang war das nie ein Problem. Vor einiger Zeit sind allerdings neue Nachbarn eingezogen mit offensichtlich viel Tagesfreizeit.
Lautes ekstatisches Stöhnen, das immer wieder aus der Wohnung herausdringt, lässt eindeutige Rückschlüsse darauf zu, wie sie die am liebsten verbringen. Ich finde das peinlich, gerade vor dem Hintergrund, dass auf unserer Etage auch einige Kinder wohnen. Aber wäre es nicht noch peinlicher, die Neuen darauf aufmerksam zu machen?
Elisabeth Binder antwortet: Seien Sie diskret, aber deutlich
Sie könnten natürlich ein Päckchen Kondome in den Briefkasten werfen und dazu einen Zettel: „Liebe Nachbarn, wenn wir an Ihrer Tür vorbeikommen, gewinnen wir häufiger den Eindruck, dass Sie gute Verwendung für Beiliegendes haben. Weiterhin viel Spaß wünschen die Nachbarn.“
Das erspart Ihnen die Peinlichkeit, die Nachbarn auf ein Thema anzusprechen, das Ihnen beiden am Ende unangenehm sein könnte. Andererseits ist Anonymität nicht unbedingt geeignet, ein vertrauensvolles Klima im Haus zu schaffen.
Die Neuen kennen das Haus noch nicht
Bei allernächster Gelegenheit, zum Beispiel wenn Sie die Nachbarn im Flur treffen, sollten Sie auf die Hellhörigkeit hinweisen. Sie können ja fragen, ob von Ihren eigenen Gesprächen draußen zu viel zu hören ist. Wenn die Leute neu sind im Haus, ist es ihnen vielleicht noch gar nicht aufgefallen, dass die Gefahr groß ist, intime Einblicke ins Liebesleben zu geben.
So machen Sie sie diskret darauf aufmerksam, dass nicht alles, was in der Wohnung passiert, auch dort bleibt. Dass die Kinder auf Dauer Schaden nehmen, wenn sie gelegentlich an der Stöhn-Wohnung vorbeikommen, brauchen Sie wohl nicht zu befürchten.
Bitte keine Fremdscham
Meist sind sie früh aufgeklärt und mit ein bisschen Glück haben sie Eltern, mit denen sie offen über ihre eigenen Beobachtungen und Fragen sprechen können. Es geht in diesem Fall also wirklich nur darum, die neuen Nachbarn so ins Haus zu integrieren, dass die anderen sich nicht ständig fremdschämen müssen, wenn sie ihnen begegnen.
Sollte Ihre erste Intervention nicht von Erfolg gekrönt sein, bleibt Ihnen wohl nichts anderes übrig, als doch mal deutlich zu werden. Das muss nicht mitten im Hausflur passieren. Ob eine Einladung zum Kaffee angemessen wäre, lässt sich aus der Ferne nicht beurteilen.
In manchen Häusern lernen sich Nachbarn auf diese Weise näher kennen, aber das ist wohl leider eher eine Ausnahme. Stählen Sie sich innerlich für das Gespräch, bevor Sie dort klingeln. Und dann sagen Sie offen, dass Sie sich Sorgen machen um die Kinder, die an dieser Tür vorbeikommen und mit intimen Geräuschen konfrontiert werden. Selbst wenn die Kinder das nicht so bewusst wahrnehmen wie Sie, haben Sie so doch immerhin einen einigermaßen plausiblen Grund, die Sache anzusprechen.
Sie können sich vorsichtshalber für die Einmischung entschuldigen und sollten sich dann auch relativ rasch wieder verabschieden. Schließlich gibt es seitens des Liebespaares nicht wirklich Substantielles dazu zu sagen. Es reicht, wenn den Nachbarn dann hoffentlich glasklar die Erkenntnis in den Kopf steigt, dass sie ihr Liebesleben mit dem halben Haus teilen.
Ziehen Sie sich zurück mit dem Hinweis, dass Sie gar nicht stören wollten und auch weiter müssten. Und grüßen Sie beim nächsten Mal freundlich und distanziert, als habe es diese Episode nie gegeben.
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