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Da das Waldbrandgebiet munitionsbelastet ist, kann die Feuerwehr das Gelände nicht betreten, sondern nur von den Rändern aus löschen.
© dpa/Frank Hammerschmidt
Update

Waldbrand in Brandenburg: Stabile Lage in der Lieberoser Heide – „kaum noch offene Flammen“

Das Ziel sei, den Brand am Donnerstag zu löschen, so die verantwortlichen Einsatzkräfte. Das Feuer hatte sich zwischenzeitlich auf 86 Hektar ausgeweitet.

Regen und kühlere Temperaturen haben im Waldbrandgebiet in der Lieberoser Heide am Donnerstag für eine stabile Lage gesorgt. Die Brandintensität habe stark nachgelassen, teilte der Landkreis Dahme-Spreewald mit.

Das Feuer auf einer Fläche von 86 Hektar breitete sich über Nacht nicht weiter aus. Nach Angaben der Regionalleitstelle Lausitz befanden sich am Morgen 172 Feuerwehrkräfte im Einsatz.

Für den Tag ist ein Großaufgebot an Einsatzkräften geplant. Neben zwei Bundespolizei-Hubschraubern sollen zwei weitere Hubschrauber der Bundeswehr die Einsatzkräfte vor Ort beim Löschen unterstützen. Eine zusätzlich angeforderte Einsatztruppe aus Potsdam-Mittelmark soll helfen.

„Wir haben kaum noch offene Flammen. Das Wetter hat uns in der Nacht sehr in die Hände gespielt“, sagte Kreisbrandmeister Christian Liebe laut Mitteilung. Das Ziel sei, den Brand am Donnerstag zu löschen. „Wir wollen heute möglichst viel Wasser in die Fläche bringen. Die Wetterbedingungen bieten dafür beste Bedingungen: Regen und kühlere Temperaturen.

Landrat Stephan Loge (SPD), der sich erneut ein Bild vor Ort machte, sagte: „Wir beherrschen die Lage hier beim Waldbrand in der Lieberoser Heide. Wir konnten durchgängig Evakuierungen der anliegenden Ortschaften vermeiden.““

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Am Mittwoch waren es nach Angaben des Landkreises Dahme-Spreewald 66 Hektar Wald vom Brand betroffen, das entspricht etwa 90 Fußballfeldern. Die Sprecherin des Kreises sagte: „Regen würde helfen“. Am Mittwoch habe es in dem Gebiet keinen Niederschlag gegeben.

Die Löscharbeiten gestalten sich wegen der andauernden Trockenheit und der Altlasten im Boden schwierig. Die Einsatzkräfte können das Gebiet nicht betreten, da es mit Munition belastet ist. Schon in den Jahren zuvor hatten große Waldbrände in dem Naturschutzgebiet und ehemaligen Truppenübungsplatz gewütet.

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Die Polizei prüft auch, ob der Waldbrand durch fahrlässige oder vorsätzliche Brandstiftung entstanden sein kann. Konkrete Erkenntnisse dazu gebe es nicht, sagte eine Sprecherin der Polizeidirektion Süd.

„Die Lage hat sich im Laufe des Tages dynamisch entwickelt. Schwierigkeiten macht uns der drehende Wind und die anhaltende Trockenheit. Auch die Wegbeschaffenheit wird immer schwieriger“, sagte Kreisbrandmeister Christian Liebe am Dienstagabend.

In der Nähe brennt es nun: ein Feuerwachturm des Landesbetriebs Forst Brandenburg bei Lieberose.
In der Nähe brennt es nun: ein Feuerwachturm des Landesbetriebs Forst Brandenburg bei Lieberose.
© dpa/Patrick Pleul

Nach dem Ausbruch des Waldbrandes in der Lieberoser Heide im Südosten Brandenburgs hatte sich die Feuerwehr auf einen länger anhaltenden Einsatz eingestellt. Liebe sagte am Dienstag, die Brandbekämpfung werde nach seiner Einschätzung mindestens noch bis Mittwoch dauern. Regen sei erst für Donnerstag angesagt.

Am Dienstagvormittag hatte die Einsatzleitung noch von einem 13 Hektar großen Brandgebiet gesprochen. Landrat Stephan Loge, der sich selber ein Bild von der Lage machte, sagte: „Erfahrungen der letzten Jahre zeigen uns, dass das Feuer durch die Unwägbarkeiten und die hohe Trockenheit heimtückisch ist.“

Auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz in der Lieberoser Heide loderte ein Feuer Ende Juni 2019 auf 100 Hektar. Es dauerte eine Woche, bis der Brand gelöscht war. Die Gefahr dort bleibt bei der großen Trockenheit und den derzeitigen Temperaturen hoch. Derzeit gilt im Kreis Dahme-Spreewald die Waldbrand-Warnstufe 4 - die zweithöchste.

Brandenburgs Forstschutzminister fordert mehr Laubbäume

Angesichts der Waldbrände in Brandenburg forderte Forst- und Klimaschutzminister Axel Vogel (Grüne) einen schnelleren Umbau des Waldes mit deutlich mehr Laubbäumen. Noch immer gebe es 80 Prozent Kiefernwälder. "Laubbäume reinbringen ist das Gebot der Stunde", sagte Vogel am Dienstag im RBB-Inforadio.

600.000 Hektar Nadelwald müssten insgesamt umgebaut werden, gerade seien es aber weniger als 5000 Hektar pro Jahr. Das reiche nicht. Der Umbau müsse wegen des Klimawandels innerhalb einer Generation geschafft werden, sagte Vogel. "Sonst haben wir vielleicht bald keine Wälder mehr in Brandenburg." Insgesamt hat Brandenburg mehr als eine Million Hektar Waldflächen.

Erst jüngst hatte es bei Kosilenzien, ebenfalls an der sächsischen-brandenburigschen Grenze, einen großen Waldbrand gegeben.
Erst jüngst hatte es bei Kosilenzien, ebenfalls an der sächsischen-brandenburigschen Grenze, einen großen Waldbrand gegeben.
© dpa/Daniel Schäfer

Vogel sprach vom derzeit vierten Dürrejahr innerhalb von fünf Jahren. Bisher seien schon 755 Hektar Wald abgebrannt, aber man stehe erst am Anfang der Waldbrandsaison. 80 Prozent der Brände entstünden durch Menschen, etwa durch Zigaretten oder auch Brandstiftungen. Inzwischen habe man aber das Meldewesen verbessert, die meisten Brände würden schnell entdeckt und blieben daher sehr klein.

Moor-Experte: Der Waldbrand „tut mir in der Seele weh“

Der Geschäftsführer der Stiftung Naturlandschaften Brandenburg, Andreas Meißner, befürchtet durch den Waldbrand in der Lieberose Heide dauerhafte Schäden für schützenswerte Tiere und Pflanzen. „Das, was dort passiert, tut mir in der Seele weh“, sagte der Moor-Experte der Deutschen Presse-Agentur in Potsdam. Es gingen Lebensraum für seltene Pflanzen und Tierarten sowie Jahrhunderte alte Moor-Geschichte verloren. „Das ist ein absolut schmerzlicher Verlust auch für mich persönlich.“

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Die Stiftung Naturlandschaften Brandenburg sichert nach eigenen Angaben vier ehemalige Truppenübungsplätze für den Naturschutz, unter anderem eine 3150 Hektar große Fläche in der Lieberose Heide, wo es in einem Moor-Gebiet brennt. Auf der Fläche gebe es besonders schützenswerten Lebensraum mit Pflanzenarten wie der Rosmarinheide und drei seltenen Sonnentau-Arten, sagte Meißner.

Im Zuge des Klimawandels mit immer trockeneren und heißeren Sommern wird dem Experten zufolge auch die Brandgefahr immer größer. „Brennende Moore sind aus ökologischer Sicht ein riesiger Verlust. Wenn Torf dort verbrennt, verlieren sie Jahrhunderte oder gar Jahrtausende Moor-Wachstum.“ Moor könne auch nur bei einem anhaltenden Wasserüberschuss entstehen. Zudem sei es ein wichtiger Kohlendioxid-Speicher (CO2).

„Wir müssen davon ausgehen, dass dieser Brand lange brennen kann“, sagte Meißner. Im Jahr 2019 habe die Waldbrandwache nach einem Moorbrand über drei Monate gedauert, da es immer wieder Glutnester gegeben habe. Meißner forderte, auf Naturverjüngung zu setzen und einen größeren Anteil an Laubwald zu fördern. (dpa, Tsp)

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