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Stadtautobahn in Berlin-Charlottenburg : Ersatzbau für Rudolf-Wissell-Brücke soll 200 Millionen Euro kosten

Der marode Abschnitt der A 100 muss weichen, für den Neubau suchte man europaweit nach Ideen. Jetzt präsentiert Verkehrssenatorin Regine Günther die Pläne.

So sollen die neuen A100-Brücken aussehen. Die Arbeiten sind schwierig: „Hier gibt es alles, was Bauen eigentlich verhindert“, sagt der Bauchef – und meint: ICE-Gleise, die Schleuse Charlottenburg, Hochspannungsleitungen, Kleingärten.
So sollen die neuen A100-Brücken aussehen. Die Arbeiten sind schwierig: „Hier gibt es alles, was Bauen eigentlich verhindert“,...Simulation: Leonhardt, Andrä und Partner

Eine 930 Meter lange Autobahnbrücke abzureißen und neu zu bauen, über die täglich bis zu 180.000 Autos fahren, ohne den Verkehr wesentlich einzuschränken: Das geht. Die Idee dazu hatte ein Berliner Ingenieurbüro – und jetzt wird das Konzept an der Rudolf-Wissell-Brücke in Charlottenburg umgesetzt. Aus einer Brücke machen die Planer von Leonhardt, Andrä und Partner zwei Bauwerke, die bis zu 60 Meter auseinanderliegen. Und beim Bau nutzen sie die Fundamente der alten Brücke, was Kosten spart. Trotzdem soll der Neubau nach derzeitigem Stand rund 200 Millionen Euro kosten; finanziert vom Bund. Baubeginn ist frühestens 2023. Das Nachsehen haben die dortigen Kleingärtner: Die meisten müssen weichen.

Die alte Brücke ist über 55 Jahre alt, marode und den heutigen Anforderungen sowieso nicht mehr gewachsen. Die Fahrbahnen für beide Richtungen liegen bei ihr auf einem gemeinsamen Überbau, für den es jeweils nur einen Pfeiler gibt. Deshalb ist es nicht möglich, nur eine Hälfte des Bauwerks abzutragen und neu zu bauen und den Verkehr jeweils über die andere Hälfte fließen zu lassen. Die gesamte Brücke muss auf einen Schlag abgerissen werden.

Nach dem Konzept des Ingenieurbüros entsteht jetzt östlich der heutigen Anlage eine neue Brücke für den Verkehr Richtung Norden, die so breit sein wird, dass es auf ihr auch in der anschließenden weiteren Bauphase drei Spuren je Richtung geben wird, die allerdings dann schmaler sind als üblich. Zudem verlängern sich die Einfädelungs- und Ausfädelungsstreifen bei den Ein- und Ausfahrten. Auch der Anschluss zum Dreieck Charlottenburg, dessen Brücken ebenfalls neu gebaut werden, verbessere sich, sagte am Donnerstag Deges-Bereichsleiter Andreas Irngartinger. Die Bundes-Fernstraßengesellschaft Deges betreut das Projekt; bisher waren hier die Länder im Auftrag des Bundes zuständig.

Andere Sorgen haben die Kleingärtner. Wie viele ihre Parzellen für den Neubau aufgeben müssen, sei noch nicht exakt ermittelt, sagte Irngartinger. Gespräche werde man jetzt aufnehmen. Spüren werden den Bau auch Fahrgäste der Bahn, deren Gleise unter den Brücken liegen und die Schifffahrt auf der Spree. Hier werde es jeweils vereinzelte Sperrungen geben, kündigte Irngartinger an. Tageweise müssten auch Autofahrer mit Umleitungen rechnen, sagte Adam.

Die Arbeiten sind nicht einfach: „Hier gibt es alles, was Bauen eigentlich verhindert“, sagte Irngartinger: Anlagen der Bahn, die Schleuse Charlottenburg, Hochspannungsleitungen, Kleingärten.

Wenn die neue Brücke trotzdem fertig ist, geht es dem alten Bauwerk an den Kragen. In Hauptverkehrszeiten wird aber auch auf den neuen Brücken Stau nicht zu vermeiden sein. Um die 180.000 Autos flüssig führen zu können, müsste es nach Angaben von Lutz Adam von der Senatsverkehrsverwaltung sechs Spuren je Richtung geben. Da die Stadtautobahn aber insgesamt nicht verbreitert werde, bleibe es auch beim Neubau der Rudolf-Wissell-Brücke be

Arbeiten sollen größtenteils in den Ferien stattfinden

Mit dem Ingenieurbüro Leonhardt, Andrä und Partner seien jetzt die Verträge abgeschlossen worden, sagte Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne). Aus dem Konzept müssen jetzt die detaillierten Unterlagen für das Planfeststellungsverfahren entwickelt werden. Dazu gehört auch eine Umweltverträglichkeitsprüfung. Leonhardt, Andrä und Partner hatten sich in einem europaweiten Wettbewerb durchgesetzt. Ausschlaggebend sei das weitgehende Aufrechterhalten des Verkehrs gewesen, sagte Irngartinger. Insgesamt hatten sechs Büros Vorschläge eingereicht. Alle verzichteten auf – teure – Behelfsbrücken während der Bauzeit. Und auch die zeitweise erwogene Idee, einen Tunnel zu bauen , sei schnell vom Tisch gewesen, sagte Adam.

Bauarbeiten finden allerdings bereits im Sommer statt. Dann muss vor dem Abriss die Fahrbahn Richtung Süden nochmals erneuert werden. Die Arbeiten sollen größtenteils in den Ferien stattfinden. Im vergangenen Jahr wurde Richtung Norden ausgebessert.

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