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Stadtentwicklung : Bausenatorin: Schulen kommen vor Wohnungen

Senatorin Katrin Lompscher (Linke) räumt dem Schulbau in Berlin Priorität ein. In einer lebenswerten Stadt brauche es auch soziale Infrastruktur.

In Berlin mangelt es an Schulplätzen.
In Berlin mangelt es an Schulplätzen.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Schulbau kommt vor Wohnungsbau: Diese Ansicht setzt sich in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen mehr und mehr durch. Wegen des akuten Schulplatzmangels im Bezirk Pankow ist die Behörde von Senatorin Katrin Lompscher (Linke) nun sogar bereit, ihre Wohnbaupläne am ehemaligen Kinderkrankenhaus Weißensee aufzugeben. Das verwilderte Areal wurde soeben in Landeseigentum rückübertragen. Die Senatsverwaltung wollte dort ein Quartier errichten, das Pankower Bezirksamt fordert eine Schule und Kitas. Es sieht bis 2027 einen Bedarf für 11.000 neue Schulplätze, allein in der betreffenden Schulregion etwa 1.440 im Grundschulbereich.

Trotz des Wohnungsbaudrucks hat sich offenbar auch Senatorin Lompscher überzeugen lassen. „Wenn der Bezirk in Abstimmung mit der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie diese Fläche für einen Schulstandort benötigt, ist dies eine nachvollziehbare Prioritätensetzung“, sagte Lompschers Sprecherin Katrin Dietl dem Tagesspiegel. Sollte eine Untersuchung den Bedarf bestätigen, wolle man dem Schulbau den Vortritt lassen. Das sei keine Niederlage, sondern im Interesse Berlins. „,Stadt weiterbauen‘ heißt nicht einfach überall nur Wohnungen bauen“, so Dietl, „wir brauchen auch soziale Infrastruktur“.

Man wolle keine Schlafstädte oder Betonburgen bauen, sondern lebenswerte Quartiere mit ausreichend Infrastruktur und einer gemischten Erdgeschossnutzung. Gerade in stark wachsenden Gebieten wie Pankow könne man sich Schulen und Kitas nicht einfach im Nachhinein backen, sagte Dietl. Die Errichtung von Schulinfrastruktur sei im Gegenteil „eine notwendige Voraussetzung dafür, künftig weitere neue Wohnbaupotenziale zu erschließen“. Ein Quartier ohne genügend Schulen würde langfristig unattraktiv.

Eine Rolle bei der konkreten Entscheidung dürfte auch der Denkmalschutz spielen, der die Entwicklung des Areals als Wohnquartier erschwert. Er könnte auch die Pläne der Senatsverwaltung für Gesundheit durchkreuzen. Sie hat das ehemalige Kinderkrankenhaus als Standort für einen geplanten Pflege-Campus in Kooperation mit Charite und Vivantes im Blick. Das Konzept sieht dort auch etwa 700 Wohnungen für Pflegekräfte vor. Das dürfte nach Einschätzung von Experten analog zum reinen Wohnquartier aus denkmalschutzrechtlichen Gründen aber nicht realisierbar sein.

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