Sternfahrt in Berlin : "Das Passwort fürs Leben heißt Fahrrad"

Zehntausende beteiligten sich am Sonntag bei der Sternfahrt des ADFC und forderten mehr Platz fürs Rad.

Radfahrer sind auf der Autobahn A115 AVUS in Richtung Funkturm
Radfahrer sind auf der Autobahn A115 AVUS in Richtung FunkturmFoto: dpa/Michael Kappeler

Das nennt sich wohl Querschnitt der Gesellschaft. Von etwa vier bis 84 reichte die Altersspanne bei der Fahrradsternfahrt des ADFC am Sonntag. Noch Jüngere wurden in Anhänger geladen, es fuhren Familien mit, Jugendgruppen, Rentnerpärchen, trainierte Rennradfahrer und schwitzende Bierbäuche. Und alle wollten nur das Eine: „Mehr Platz fürs Rad“.

So hieß in diesem Jahr das Motto der 1977 zum ersten Mal veranstalteten Sternfahrt. „Radfahrer quetschen sich auf enge Streifen, weil immer mehr Autos den Platz auf der Straße fressen“, teilte der Fahrradclub mit und forderte „mehr Mut“ bei der Umverteilung der Flächen. Doch genau daran hapert es nach Meinung vieler Fahrrad-Aktivisten immer noch – und vermutlich deshalb sind am Sonntag so viele Menschen aufs Rad gestiegen, da bei jedem wegfallenden Autoparkplatz ein Streit mit Anwohnern und Autolobby ausbricht – der Streit um den Poller-Radweg an der Lichtenberger Siegfriedstraße, ist hier beispielhaft.

Die Berliner CDU drehte sogar ein Youtube-Video mit dem Titel „Der Vollpfosten-Radweg von R2G“ und fordert darin den Abriss der Poller am Dahlemer Weg in Zehlendorf. Dort ist einer der drei abgepollerten Radwege entstanden in den drei Jahren Rotrotgrün.

Die ersten Sternfahrt-Radler hatten sich schon am Vorabend in Stettin auf den Weg gemacht, 40 weitere starteten kurz nach Mitternacht in Leipzig, sie schlossen sich den 130 in Werder an. Letztlich waren es nach interner Zählung der Polizei 23.000, nach Angaben des ADFC 90.000. Deshalb hatte der Tagesspiegel vor zwei Jahren einmal selbst gezählt - und kam auf etwa 30.000, was die Angaben der Polizei bestätigt. Diese Diskrepanz war früher noch deutlich größer, weil der ADFC selbst bei Regen immer "250.000" meldete.

"Das Passwort fürs Leben heißt Fahrrad" mit diesem Rad startete ein Mädchen in Werder (Havel).
"Das Passwort fürs Leben heißt Fahrrad" mit diesem Rad startete ein Mädchen in Werder (Havel).Foto: Jörn Hasselmann

Ziel für alle war der Große Stern um die Siegessäule im Tiergarten, auf der Straße des 17. Juni fand das traditionelle Umweltfestival Tor statt, auf dem sich unter anderem Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne) den Fragen der Radfahrer stellte. Eines war in diesem Jahr neu auf der Sternfahrt, das Thema Klimaschutz, Stichwort Fridays for Future, radelte an vielen Stellen mit. Ein etwa zehn Jahre altes Mädchen hatte sich eine Pappe ans Rad geklebt mit dem Spruch: „Das Passwort fürs Leben heißt: Fahrrad.“

130 Radfahrer waren morgens in Werder (Havel) gestartet - am Ende des Tages zählte die Polizei insgesamt 23.000 Teilnehmer.
130 Radfahrer waren morgens in Werder (Havel) gestartet - am Ende des Tages zählte die Polizei insgesamt 23.000 Teilnehmer.Foto: Jörn Hasselmann

Die ADFC-Landesvorsitzende Eva-Maria Scheel nannte die hohe Beteiligung "ein deutliches Signal an Politik und Verwaltung: Die Menschen wünschen sich ein fahrradfreundliches, lebenswertes Berlin statt einer Stau-Hauptstadt."

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