Tempo 30 in der Invalidenstraße? : Petition nach SUV-Unfall mit großem Zuspruch

Julian Kopmann lebt in der Nähe der Invalidenstraße. Er will, dass die Gegend verkehrsberuhigt wird. Mehr als 7000 Menschen haben schon unterschrieben.

Julian Kopmann auf dem Fahrrad. Im Korb sitzen zwei seiner drei Kinder.
Julian Kopmann auf dem Fahrrad. Im Korb sitzen zwei seiner drei Kinder.Julian Kopmann

Blumen liegen an der Kreuzung Invalidenstraße/Ackerstraße, dazwischen stehen Kerzen. Auch eine Woche nach dem schrecklichen SUV-Unfall in Mitte halten Trauer und Entsetzen an.

Wie sehr der Unfall die Stadt bewegt, der am vergangenen Freitag vier Menschen ihr Leben kostete, zeigt der Erfolg einer Anwohnerpetition. Der dreifache Vater Julian Kopmann fordert Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) darin unter anderem auf, in der Invalidenstraße zwischen Brunnen- und Torstraße Tempo 30 einzuführen.

Nach nicht einmal 24 Stunden erreichte die Petition mehr als 5000 Menschen, bis Freitagabend hatten deutlich mehr als 7000 unterschrieben.

Seit fünf Jahren, schreibt Kopmann, wohne er in der Nähe der Unfallstelle, mit seinen drei Kindern quert er täglich die Kreuzung. Jahrelang habe er sich mit der Situation abgefunden: „die schlechte Luft, die uns morgens husten lässt, der Lärmpegel, der unsere Unterhaltungen oft in ein Schreikonzert verwandelt“. Nach dem Unfall habe er seine Meinung geändert. Kopmann: „Ich möchte nicht mehr tatenlos zusehen, sondern gemeinsam mit allen Betroffenen an einer Verbesserung der Lage arbeiten.“

Durchgangsverkehr in der Gegend nimmt zu

Er kritisiert, dass der Durchgangsverkehr in der Gegend stark zugenommen habe. Dieser treffe auf drei Tramlinien, zwei U-Bahnstationen und den S-Bahnhof in der Nähe. Gleichzeitig gingen dort jeden Morgen mehr als 1000 Kinder zur Schule oder in die Kita.

Neben Tempo 30 fordert Kopmann, dass Zebrastreifen eingerichtet werden, eine vollwertige Ampelanlage sowie mehr Fahrradwege in der Gegend, um den Autoverkehr zurückzudrängen. Aus der Senatsverwaltung hieß es zuvor, die Kreuzung sei statistisch kein „prioritärer Unfallschwerpunkt“.

In der vergangenen Woche hatte es nach dem Unfall eine emotional geführte Debatte um SUV wie den Unfallwagen gegeben. Mittes Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel (Grüne) sprach sich für ein Verbot der Fahrzeuge in der Innenstadt aus. Kopmann bemüht sich in seiner Petition um einen sachlicheren Ton: Sie richte sich ausdrücklich nicht gegen „Fahrer großer Autos im Speziellen“, schreibt der Familienvater.

Am Freitagabend um 19 Uhr fand in der St. Elisabeth-Kirche direkt am Unfallort eine erneute Andacht für die Opfer statt. Polizei und Staatsanwaltschaft vernehmen nach wie vor Zeugen, um die Unfallursache zu ermitteln. Der Fahrer schweigt.

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