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Terror-Ausbildung im Libanon?: Berliner Angeklagter bestreitet Mitgliedschaft in Hisbollah-Miliz
Er soll in den Libanon gereist sein, um sich von der Miliz an Kriegswaffen ausbilden zu lassen. Auch an Gefechten soll der Mann aus der Großfamilie C. teilgenommen haben. Er liefert eine andere Erklärung.
Stand:
Der Mann aus der Großfamilie C. ist erfahren, wenn es um Strafprozesse geht. Der 30-Jährige ist mehrmals verurteilt worden. Es ging um Raub, Beleidigung, Betrug, er erhielt Haftstrafen. Vor neun Monaten wurde er wegen Terrorverdachts verhaftet. Er soll in den Libanon gereist sein, um sich von der Hisbollah an Schuss- und Kriegswaffen ausbilden zu lassen. Die Anklage lautet unter anderem Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung im Ausland. Über seinen Verteidiger wies er die Vorwürfe nun zurück.
Der 30-Jährige habe der Miliz nicht angehört und sei nicht in Strukturen eingegliedert gewesen, erklärte der Anwalt zu Beginn des Prozesses vor dem Berliner Kammergericht. Sein Mandant habe nie Befehle entgegengenommen und sei nie an Gefechten beteiligt gewesen.
Wenn er in Beirut war, dann aus privaten Belangen. Die Auswertung von Chats und Fotos werde belegen: Cousin getroffen, Friseur besucht, zum Bowlen, in den Zoo oder auf den Rummel gegangen, mal Joints geraucht. Auch Besuche an einem Schießstand seien „reine Freizeitveranstaltungen“ gewesen.
Hisbollah in sozialen Netzwerken verherrlicht
Die Generalstaatsanwaltschaft Berlin geht davon aus, dass der 30-Jährige zwischen Dezember 2023 und April 2025 als Mitglied der Hisbollah agiert habe. Der Deutsche sei in den Libanon ausgereist, um sich dort von der Miliz an Waffen ausbilden zu lassen. Nach der Ausbildung an verschiedenen Kriegswaffen und der Unterweisung in islamistischer Ideologie habe er als Angehöriger einer Kampfeinheit gewirkt und unter anderem an Gefechten im Grenzgebiet zu Syrien und Israel teilgenommen.
Als der Mann aus der C-Großfamilie, die im Libanon sehr gut vernetzt sein soll, nach einigen Monaten zurückkehrte, soll er ab Oktober 2024 von Berlin aus in sozialen Netzwerken die Hisbollah verherrlicht und deren Ziele unterstützt haben. Zudem soll er in Videotelefonaten Mitglieder seiner Kampfeinheit vor einer bewaffneten Aktion angespornt haben.
Der Mann aus der bekannten arabischen Großfamilie, der schon als Jugendlicher bei Polizei und Justiz aufgefallen war, soll sich zunehmend radikalisiert haben. Nach dem Terrorangriff der islamistischen Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 habe er beschlossen, sich auf der Seite der Hisbollah-Miliz an dem Konflikt zu beteiligen.
Am 15. April wurde er bei einer Razzia in einer Neuköllner Wohnung festgenommen. Seitdem befindet er sich in Untersuchungshaft. Für den Prozess sind zwölf weitere Tage bis zum 10. März geplant. Der Prozess soll am 23. Januar mit der Befragung von Zeugen fortgesetzt werden.
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