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Freiwillig Masken auch im Einzelhandel.

© mauritius images / Alamy / Kzenon

Tagesspiegel Plus

Mehrfachnutzung, Schutz, Funktionsweise: Warum es sinnvoll ist, weiter freiwillig FFP2-Masken zu tragen

Vielerorts entfällt ab heute an zahlreichen Orten die Pflicht, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Trotzdem haben sie nicht ausgedient. Denn sie schützen effektiv vor Aerosolen. Antworten auf die wichtigsten Fragen.

| Update:

Ab dem 1. April fällt an vielen Orten die bisher geltende Pflicht, zum Schutz vor dem Coronavirus eine FFP2-Maske zu tragen, weg. Angesichts der noch immer hohen Ansteckungszahlen plädieren Expertinnen und Experten dafür, den Mund-Nasen-Schutz trotzdem weiterhin freiwillig zu tragen.

Doch wie lange kann man die Masken ohne Pause tragen, ob und wie sind sie wiederverwendbar, wie kann man Hautreizungen durch die Maske vermeiden und woran erkennt man gute Masken? Im Folgenden beantworten wir die wichtigsten Fragen rund um die FFP2-Masken.


Wo muss man in Berlin ab dem 1. April noch eine FFP2-Maske tragen? 

Laut der Neufassung der Berliner Infektionsschutzmaßnahmenverordnung müssen FFP2-Masken vor allem in geschlossenen Räumen getragen werden.

  • Fahrgäste müssen die Masken in öffentlichen Verkehrsmitteln, einschließlich Bahnhöfen, Flughäfen und Fährterminals tragen.
  • Diese Pflicht gilt auch für Patientinnen und Patienten und ihren Begleitpersonen, die Arztpraxen oder andere Gesundheitseinrichtungen aufsuchen.
  • Wer in einem Pflegeheim wohnt oder im Krankenhaus stationär behandelt wird und sein Zimmer verlassen möchte, muss dort ebenso eine FFP2-Maske tragen, wie Menschen, die dort jemanden besuchen.

Diese FFP2-Maskenpflicht gilt nicht für Kinder bis zum vollendeten 6. Lebensjahr sowie für Personen mit einem ärztlichen Attest, das ihnen bescheinigt, dass sie als chronisch Kranke oder aufgrund einer gesundheitlichen Beeinträchtigte oder einer Behinderung keine Maske tragen können. Auch gehörlose und schwerhörige Menschen und Personen, die mit diesen kommunizieren, sowie ihre Begleitpersonen, sind von dieser Pflicht ausgenommen.

Eine weitere Ausnahme gilt laut Senat, wenn „die Erbringung oder Entgegennahme einer medizinischen oder vergleichbaren Behandlung oder einer körpernahen Dienstleistung dem Tragen einer Maske entgegensteht.“


An welchen Orten sollte man zum Schutz auch nach dem Wegfall der Pflicht die Masken tragen? 

Einige Berliner Kultureinrichtungen und Geschäfte halten im Rahmen ihres Hausrechtes an der Maskenpflicht fest, um ihr Personal und ihre Kunden vor einer Infektion zu schützen.

Aber auch ohne eine solche Pflicht sollte man an weiteren Orten die Maske freiwillig aufsetzen, raten Experten. „Ich halte es insbesondere bei Begegnungen in Innenräumen auch weiterhin für ratsam, ein Maske zu tragen“, sagt Christof Asbach, Präsident der Gesellschaft für Aerosolforschung. Denn das Hauptansteckungsrisiko lauere weiterhin in Innenräumen, wie am Arbeitsplatz oder in öffentlichen Verkehrsmitteln.

Auch er selbst werde den Schutz insbesondere in Innenräumen aber auch in größeren Menschenansammlungen im Freien, wie zum Beispiel im Fußballstadion, weiterhin tragen, und zwar am besten eine FFP2-Maske, die  zum Eigenschutz „ungleich effektiver“ sei als eine medizinische Maske. Letztere diene weitgehend dem Fremdschutz.

Experten warnen: Die FFP2-Maske hat zum Schutz vor dem Coronavirus nicht ausgedient.

© Christophe Gateau/dpa

Ähnlich sieht das der Münchner Strömungsforscher Christian J. Kähler: Wer sich selber und andere wirksam schützen wolle, der sollte immer dann eine gute FFP2 Maske tragen, wenn ein Kontakt mit anderen Personen außerhalb des eigenen Haushalts stattfindet, der länger als ein paar Minuten dauere und über geringe Abstände, die kleiner als 1, 50 Meter sind, ablaufe. „Dies gilt ganz besonders für kleine Innenräume, in denen die Luftzirkulation gering ist, kaum Luftaustausch stattfindet und keine maschinelle Luftfilterung durchgeführt wird“, sagt der Leiter des Instituts für Strömungsmechanik und Aerodynamik an der Universität der Bundeswehr München.

FFP2-Masken bieten einen guten Eigen- und Fremdschutz.

Christian J. Kähler, Strömungsforscher

Auch aus medizinischer Sicht spreche einiges dafür, den Selbstschutz mit Maske aufrecht zu erhalten, sagt Torsten Bauer, Chefarzt der Lungenklinik Heckeshorn am Helios Klinikum Emil von Behring. „Dies betrifft insbesondere Patientinnen und Patienten mit schweren Allgemeinerkrankungen und Krebs.“


Warum bieten FFP2-Masken einen größeren Schutz als „Alltagsmasken“ und die medizinischen, sogenannten OP-Masken?

FFP steht für englisch „filtering face piece“, also die Atemluft filternde Gesichtsmaske, deren Filterleistung in drei Stufen eingeteilt wird. Die höchste Stufe ist die dritte. Bei den FFP2- und FFP3-Masken tritt die Atemluft direkt durch das Filtergewebe der Masken nach außen und innen und wird dabei gefiltert.

FFP-Masken sind nicht für den medizinischen Bereich entwickelt worden, sondern für den Arbeitsschutz. Sie sollen bei stark staubenden oder Nebel erzeugenden Arbeiten die Lungen vor möglicherweise gefährlichen Fremdstoffen schützen. Da die Coronaviren per Tröpfcheninfektion übertragen werden, setzt man seit Beginn der Pandemie auch auf die FFP2-Masken, da sie die möglicherweise Viren enthaltenden Aerosolopartikel aus der Luft filtern.

© Grafik: Tagesspiegel/Infografik | Illustrationen: Tagesspiegel/Felix Möller / Quelle: BfArm | Stand: Januar 2022

Durch ihre besondere Form sollen die Masken möglichst luftdicht am Gesicht sitzen, um möglichst viel der ein- oder ausgeatmeten Luft durch das in der mehrlagigen Maske enthaltene Filtervlies zu leiten. „Die Aerosole bleiben beim Ausatmen im Filter hängen und gelangen nicht in die Raumluft“, sagt Christian J. Kähler. Er ist Leiter des Instituts für Strömungsmechanik und Aerodynamik an der Universität der Bundeswehr in München. Das gilt genauso für die eingeatmete Luft, aus der die in der Raumluft möglicherweise vorhandenen Aerosole herausgefiltert werden. „Diese Masken bieten also sowohl einen guten Selbst- wie einen guten Fremdschutz.“

Die meist blauen, gefalteten sogenannten OP-Masken sind zwar für medizinische Anwendungen entwickelt worden, aber sie filtern nur sehr große ballistisch fliegende Tröpfchen aus der Luft und sie werden nicht auf Dichtheit geprüft. „Die Masken werden eingesetzt, um zu verhindern, dass Tröpfchen aus dem Mund des Behandelnden in offene Wunden eines Patienten gelangen“, sagt Kähler. Da der Träger im Wesentlichen nicht durch das Vlies der Maske einatmet, sondern die Atemluft an den Rändern der Maske vorbei angesogen wird, biete die Maske für den Träger in der Regel kaum Schutz gegenüber erregerhalteigen Tröpfchen und Aerosolen.

„Folglich dienen diese Masken also ausschließlich dem Fremdschutz des Patienten, der dem Arzt gegenübersitzt oder der von ihm operiert wird. Diese Masken sitzen nur vergleichsweise locker an der Gesichtshaut, es gelangt also mehr ungefilterte Atemluft in die Umgebung. Allerdings entweicht diese seitlich und wird so vom Gegenüber weggeleitet.


Wie funktionieren die FFP2-Masken?

Die Filterleistung der FFP2-Masken beruht nicht etwa darauf, dass die winzigen Aerosole nicht durch den Stoff hindurchpassen. Dazu müsste das Gewebe sehr dicht sein, was den Widerstand beim Ein- und Ausatmen zu sehr erhöhen würde.

„Den Filtereffekt erreicht man mithilfe der sogenannten Brown’schen Molekularbewegung“, sagt Christof Asbach, Präsident der Gesellschaft für Aerosolforschung. „Die Moleküle bewegen sich ständig in verschiedene Richtungen und stoßen dabei mit den Partikeln zusammen. Die Partikel prallen dadurch mit den Fasern des Filtermaterials zusammen und bleiben dort haften.“ Dadurch könnten selbst kleinste Partikel sehr gut abgeschieden werden.


Woran kann ein Laie erkennen, dass er eine gute FFP2-Maske in den Händen hält?

Mit bloßem Auge und ebenso wenig in der alltäglichen Anwendung ist erkennbar, ob die Masken wie vorgeschrieben Normen für die Filterleistung erfüllt. Dafür ist spezielle Prüftechnik notwendig, über die von der EU benannte Unternehmen verfügen, die im Auftrag der Hersteller die FFP2-Masken mit dem CE-Zeichen zertifizieren.

Das CE-Zeichen muss direkt auf die Maske gedruckt sein. Daneben steht eine vierstellige Nummer, hinter der sich die zertifizierende Institution verbirgt. Die 0158 steht beispielsweise für die Dekra. Die Nummern und die dazugehörigen Institutionen kann man in der sogenannten Nando-Liste der EU-Kommission recherchieren.

FFP2-Masken verraten auf den ersten Blick viele Informationen.

© picture alliance/Fabian Strauch

Hinzu kommt das Kennzeichen „EN 149“. Das ist die Norm, nach der die Funktion des Filtermaterials getestet sein muss.

Zudem sollte die Schutzstufe aufgedruckt sein, also FFP2 oder FFP3. Diese Kennzeichen sagen etwas darüber aus, wie viel Aerosole das Filtermaterial herausfiltert. Die Vorgabe für FFP2 ist, mindestens 94 Prozent der Schwebeteilchen aus der Luft zu filtern, FFP3 muss dies für mindestens 99 Prozent erreichen.

Eine weitere Angabe ist NR oder R. Dese stehen für „nicht wiederwendbar“ (not reusable) und „wiederverwendbar“ (reusable). Allerdings ist diese Angabe auf das Zulassungsverfahren im Arbeitsschutz bezogen. Für den Kampf gegen das Coronavirus wurde untersucht, inwieweit auch die nicht für eine Wiederverwendbarkeit zugelassenen Masken mehr als einmal getragen werden können (siehe „Wie lange kann man die FFP2-Masken nutzen?“).

Und schließlich muss der Hersteller auf jeder Maske aufgedruckt sein.

Es gibt noch andere Kennzeichen für die Filterstufe. „KN 95 ist die Bezeichnung für die FFP2 vergleichbaren Masken aus China“, sagt Experte Kähler. „Die aus den USA stammenden Masken dieser Qualitätsstufe werden mit N 95 bezeichnet.“

Wenn aber nur dieses Kennzeichen auf den Masken zu finden sei, nicht aber weitere Zertifizierungsangaben, dann „sind diese Masken in der Regel nicht nach europäischen Standards zertifiziert“, sagt Kähler.


Wo kann man die Masken kaufen und was kosten sie?

Wenn all diese Kennzeichen und Zertifizierungen vorliegen, spielt es keine Rolle, ob man die Masken beim Apotheker, in der Drogerie oder im Onlineshop kauft.

FFP2-Masken gibt es inzwischen fast überall: in Apotheken, Supermärkten, Drogerien, Online-Shops ...

© Hauke-Christian Dittrich/picture alliance/dpa

Aber gerade in Onlineshops werden Masken angeboten, die auf den ersten Blick als FFP2 bezeichnet werden und wo man erst auf den zweiten, genauen Blick sieht, dass die Zertifizierungen und Normzeichen fehlen.

Die Preise sind seit der ersten Pandemiewelle, als Masken an allen Enden fehlten, deutlich gefallen. Inzwischen werden Großpackungen angeboten, bei denen die Masken je Stück um einen Euro herum kosten. Einzeln verpackte Masken können aber deutlich mehr kosten.


Kann man die FFP2-Masken mehrfach nutzen?

Die Kosten verringern kann man, wenn man die Masken öfter als einmal benutzt. Die Herstellerempfehlungen lauten oft, dass man die Maske für etwas mehr als eine Stunde tragen könne und dann eine halbe Stunde Tragepause machen sollte. Zudem solle man die Masken nicht öfter als dreimal am Tag tragen und dann entsorgen.

Doch ob die von den Herstellern nur für den einmaligen Gebrauch empfohlenen OP- und FFP2-Masken tatsächlich nicht wiederverwendet werden können, darüber streiten Experten. Wissenschaftler der Fachhochschule Münster haben verschiedene Verfahren unter die Lupe genommen, mit denen man die Masken für eine längere Nutzungsdauer aufbereiten kann.

Die Untersuchungen hätten gezeigt, dass bei 80 Grad Celsius – zum Beispiel im Backofen – nach 60 Minuten das Coronavirus vollständig inaktiviert und andere Erreger deutlich reduziert seien. „Die Filterleistung bleibt erhalten; die elastischen Haltebänder können aber an Zugkraft verlieren“, heißt es in der Studie. Die Forscher empfehlen, Ober- und Unterhitze dafür zu nutzen. Aber Vorsicht: Höhere Temperaturen können das Filtermaterial schädigen.

Auch im öffentlichen Nahverkehr schützen FFP2-Masken.

© Alex Halada / AFP

Eine andere Methode ist das Trocknen der Maske an der Luft. Dies aber dauert wesentlich länger als im Backofen. „Unter der Annahme, dass eine Reduktion um über 95 Prozent das mögliche Risiko einer Infektion auf ein vertretbares Maß minimiert, sollten FFP2-Masken frühestens ab dem siebten Tag wieder getragen werden.“ Also benötigt man mindestens sieben Masken für jeden Tag der Woche.

Ein Forscherteam der Hochschule München (HM) ging der Frage nach, ob die Filterwirkung der FFP2-Masken mit der Zeit abnimmt. „Dazu wurden 15 in Deutschland erhältliche FFP2- Maskenmodellen vor und nach einer 22-stündigen Gebrauchssimulation untersucht“, sagt der wissenschaftliche Projektleiter und Professor für Medizintechnik Christian Schwarzbauer. Für die Gebrauchssimulation wurde jede Maske zunächst für zwölf Stunden mit dem Beatmungssimulator „beatmet“ und anschließend für 60 Minuten in einen Trockenofen bei 80 Grad gelegt, teilte die HM mit. Danach sei die Maske noch einmal für zehn Stunden an den Beatmungssimulator angeschlossen und dann einer zweiten Wärmebehandlung im Trockenofen unterzogen worden.

Wird eine FFP2-Maske nur für wenige Stunden am Tag getragen, dann sehe ich kein Problem, wenn diese Maske an mehreren Tagen wiederverwendet wird.

Christian Schwarzbauer, Professor für Medizintechnik

Das Ergebnis: Fast alle der untersuchten FFP2-Masken bieten einen wirksamem Filterschutz auch bei mehrfachem Tragen. „Wird eine FFP2-Maske nur für wenige Stunden am Tag bei moderater körperlicher Aktivität getragen, dann sehe ich hinsichtlich der Schutzwirkung und des Atemkomforts kein Problem, wenn diese Maske an mehreren Tagen wiederverwendet wird,“ sagt Schwarzbauer. „Aus hygienischen Gründen sollte man die Maske nach dem Tragen aber nicht einfach in die Tasche stecken, sondern zum Trocknen aufhängen.“

Anders sehen das Expertinnen und Experten des Instituts für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA). „Die Erhitzungsmethode im Backofen ist aus unserer Sicht insofern nicht verlässlich, als es keinen Nachweis dafür gibt, dass die Anzeige von Backöfen die tatsächlich erreichte Temperatur darstellt“, sagt Ina Neitzner, Referatsleiterin Wissenschaftliche Kooperationen des IFA. Deshalb bestehe die Möglichkeit, dass Masken wahlweise zu schwach oder zu stark erhitzt würden, was entweder zu einer mangelnden Desinfektion oder zu Schäden am Filtermaterial führen könne.

Für den privaten Gebrauch kann eine FFP2-Maske wiederverwendet werden.

© dpa / Boris Roessler

Die meisten Masken seien als Einmalprodukte ausgelegt. „Mit der Wiederverwendung können die Hersteller nicht haftbar gemacht werden“, sagt Neitzner. Daher ist bei Einmalprodukten nur eine eigenverantwortliche Wiederverwendung für den Privatbereich möglich. „Grundsätzlich ist eine unbenutzte Maske immer einer ,aufbereiteten’ Maske vorzuziehen.“

Da aber FFP2-Masken im Privatbereich oft ganz ohne Maßnahmen unmittelbar wiederverwendet würden, sei die Untersuchung der FH Münster trotzdem sinnvoll. „Wir sehen eine solche Handreichung allerdings eher in der Empfehlung, die Maske vor Wiederverwendung zu lüften.“

Grundsätzlich ist eine unbenutzte Maske immer einer ,aufbereiteten‘ Maske vorzuziehen.

Ina Neitzner, Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung

Ähnlich sieht man das bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA). Die für FFP2-Masken mit der Kennzeichnung NR (der Gebrauch ist auf nur eine Schicht beschränkt) geltende maximale Tragedauer von acht Stunden könne man zwar durchaus über mehrere Tage verteilen, sagt Tobias Bleyer, Leiter der Gruppe Grundsatzfragen der Produktsicherheit bei der BAuA. Von einer Aufbereitung im Backofen, um sie noch öfter und länger nutzen zu können, hält der Experte aber wenig. Denn es könne sein, dass durch diese Methoden die Filterleistung stark reduziert werden oder ganz ausfallen könnte. „Verziehen sich aufgrund der Hitze die feinen Kunststofffäden, verkleben oder verklumpen sie, geht ihre elektrostatische Wirkung verloren – und damit die Filterleistung.“


Ist es gesundheitlich bedenklich, wenn man längere Zeit durch einen Filter atmet?

Kritiker der Maskenpflicht führen an, dass die Masken deshalb schadeten, weil man seine eigene Atemluft unter der Maske immer wieder einatme und so der Kohlendioxidgehalt steige. Ist das tatsächlich eine Gefahr? „Nein, das ist kein Problem“, ist die deutliche Antwort von Torsten Bauer, Chefarzt der Lungenklinik Heckeshorn am Helios Klinikum Emil von Behring in Berlin-Zehlendorf.

Man atmet ja nicht in eine luftdichte Plastiktüte.

Torsten Bauer, Lungenarzt

Der Stoff der Masken sei selbst bei den hohen Filterklasse FFP2 und 3 nicht dicht genug, um das Kohlendioxid in der ausgeatmeten Luft zurückzuhalten. Zudem werde die umgebende Luft durch den Stoff hindurch angesogen und reguliere so den Kohlendioxidgehalt hinter der Maske. „Schließlich atmet man ja nicht in eine luftdichte Plastiktüte“, sagt Bauer.

Kinder haben kleinere Lungen als Erwachsene. Sind Masken für sie problematisch? Gerade der Organismus eines gesunden Kindes reagiere auf einen höheren Kohlendioxidgehalt im Blut sehr empfindlich, sagt der Lungenfacharzt Bauer. Selbst bei einem geringen Anstieg des CO₂-Gehalts erhöhe sich die Atemfrequenz, um das auszugleichen. „Das sollten gesunde Kinder problemlos wegstecken können.“


Müssen auch Kinder in Berlin FFP2-Masken tragen?

Laut der Berliner Infektionsschutzmaßnahmenverordnung sind Kinder nur bis zum vollendeten 6. Lebensjahr von der Pflicht, FFP2-Masken zu tragen, ausgenommen. Doch Kinderärzte halten davon nicht viel. Denn Voraussetzung für den höheren Schutz gegenüber den normalen OP-Masken ist es, dass die FFP2-Maske richtig, das heißt möglichst luftdicht, auf dem Gesicht sitzt.

Doch das ist bei Kindern schwierig. „Die Maskengrößen sind nicht standardisiert und auf Erwachsene zugeschnitten“, heißt es in einer Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin.

Es gibt zwar auch kleine Größen im Handel, doch sind diese nicht für Kindergesichter normiert. „Damit dichten sie bei Kindern unter 12 Jahren nicht ausreichend ab und sind in ihrer Wirksamkeit dann nicht anders zu bewerten als eine OP-Maske“, schreibt die Fachgesellschaft der Kinderärzte.


Was müssen Bartträger beachten?

Am besten ist es, wenn sich Bartträger während der Pandemie von ihrer Gesichtszier verabschieden. Denn mit Bart sitzt die Maske nicht mehr ausreichend dicht am Gesicht. Schon ein Drei-Tage-Bart kann dazu führen, dass zu viel Luft ungefiltert an der Maske vorbeikommt.

Mit Bart sank die Filterleistung auf 20 Prozent.

Christof Asbach, Aerosolforscher

Der Aerosolforscher Christof Asbach und sein Team vom Institut für Energie- und Umwelttechnik haben an einer Friseurpuppe im Labor getestet, wie sich ein unpassender Sitz der FFP2-Maske auswirkt. „Dabei zeigte sich, dass Masken bei einem luftdichten Sitz die 94-Prozent-Norm erfüllten, beim alltagstypischen ungenauen Sitz der Maske im Gesicht die Filterleistung aber auf 60 oder 70 Prozent sank“, sagt Asbach. „Und als wir der Puppe auch noch einen künstlichen Bart anlegten, sank die Aerosolpartikel-Abscheidung auf um die 20 Prozent.“


Manche Menschen entwickeln Hautirritationen, wenn sie die Masken langen tragen. Wie kann man das vermeiden?

Mit dem Masketragen können Hautprobleme einhergehen, die unter dem Begriff Maskendermatitis zusammengefasst werden. Laut der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) ist die Zahl von Menschen mit einer Gesichtsdermatitis seit Beginn der Coronapandemie in der Bevölkerung insgesamt angestiegen ist. Die Gesichtshaut reagiere auf die Masken mit Entzündungen oder Juckreiz, vor allem dann, wenn sie regelmäßig und über lange Zeit getragen werden müssen. Unter der Maske sind der Feuchtigkeitsgehalt der Hornschicht und der Verlust von Wasser durch die Haut erhöht. Die Hautbarriere gerät in Mitleidenschaft. Hauttemperatur, Talgproduktion und der pH-Wert steigen an. Durch die mechanische Reibung auf der Gesichtshaut verschlechtere sich das Hautbild vor allem bei bereits bestehenden Hauterkrankungen wie beispielsweise Akne oder Rosazea, so die DDG.


Wie testet man selbst den korrekten Sitz der FFP2-Masken?

Dass die Maske dicht an der Gesichtshaut sitzt, ist essenziell für deren Schutzwirkung. Da es die Masken in verschiedenen Formen und Größen gibt, sollte man ausprobieren, welche Masken am besten sitzen.

Man setzt die Maske auf und drückt den Nasenbügel fest an die Nase. Dann atmet man einmal kräftig aus. „Wenn sich dann die Maske vom Gesicht abhebt oder irgendwo am Maskenrand Luft austritt, dann sitzt die Maske nicht korrekt oder sie ist ungeeignet“, sagt Christian J. Kähler.

Wenn nicht, kann man den Bügel fester andrücken und – falls diese Möglichkeit vorhanden ist – die Halteriemen straffer ziehen. „Wenn das nichts bringt, dann ist es die falsche Maskenform.“


Wie sollte man die Masken auf- und wieder absetzen?

Wenn die FFP2-Maske erneut verwendet werden soll, ist die richtige Handhabung beim Auf- und Absetzen besonders wichtig, um das Infektionsrisiko von auf der Maske haftenden Erregern zu minimieren. Peter Paszkiewicz vom Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung rät: „Setzen Sie die Maske auf und ab, ohne dabei die Innenseite oder den Dichtrand zu berühren.“

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