• Unterricht nur für „wenige Jahrgänge“: Nicht alle Klassen können in die Schulen zurückkehren
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Unterricht nur für „wenige Jahrgänge“ : Nicht alle Klassen können in die Schulen zurückkehren

Lehrer sollen die Ressourcen auf Prüfungen fokussieren, Eltern lehnen das für den MSA ab. NRW verzichtet auf zentrale Zehntklässlerprüfungen.

Viele Klassenräume dürften trotz Lockerungen leer bleiben, wenn nur wenige Jahrgänge die Schule wieder besuchen dürfen.
Viele Klassenräume dürften trotz Lockerungen leer bleiben, wenn nur wenige Jahrgänge die Schule wieder besuchen dürfen.Foto: Uwe Anspach/dpa

An den Schulen wachsen die Zweifel, ob bis zum Sommer alle Jahrgänge zurückkommen. Denn sie sollen ihre Planungen auf eine „möglichst optimale Vorbereitung der Schüler auf die bevorstehenden Prüfungen und die Aufnahme des Unterrichts für wenige weitere Jahrgänge fokussieren“, heißt es in einem Schreiben der Verwaltung an alle allgemeinbildenden Schulen, das dem Tagesspiegel vorliegt.
Zwar schob die Verwaltung auf Anfrage hinterher, dass „grundsätzlich“ an alle Jahrgänge gedacht werde. Dennoch reagierten Schulleiter am Freitag alarmiert auf das Schreiben.

„Was wird aus unseren siebten und achten Klassen?“, fragte ein Gymnasialleiter und verwies auf besorgte Reaktionen seiner Kollegen. Die jungen Schüler brauchten den direkten Kontakt zu den Lehrern. Man sei sich im Kollegium darin einig, „dass Unterricht wichtiger ist als Prüfungen“.

Diese Ansicht wird seit langem von allen großen Schulleitervereinigungen vertreten sowie von Schülern und Eltern. Dass beides - Unterricht und Prüfungen - angesichts der frühen Sommerferien nicht mehr funktionieren kann, zeigt ein Blick in den Kalender:

Etwa 30 Schultage bleiben - an rund 20 wird nebenbei geprüft

Zunächst beginnt die Schule nur für Prüfungen (ab 20. April) und für Prüfungsvorbereitungen (ab 27. April), erst am 4. Mai für den Unterricht in wenigen Klassenstufen. Ab dann bleiben bis zum Beginn der Sommerferien am 25. Juni etwas über 30 Schultage, von denen rund 20 für Prüfungen zum Mittleren Schulabschluss oder zum Abitur vorgesehen sind.

Sollte das Abstandsgebot dann noch gelten, wird an etlichen Tagen ein Großteil der Schulräume für Prüfungen belegt, weil nur acht bis zehn Schüler pro Raum sitzen dürfen. Da die regulären Klassen geteilt werden müssten, könnten gar nicht alle Jahrgangsstufen Platz finden - Räume und Lehrer würden fehlen. Besonders eng wird es an den großen Oberschulen, die an manchen Tagen rund 250 Prüflinge auf einmal haben.

Berlins Eltern wollen jetzt den Wegfall der MSA-Prüfungen für alle Schüler

Am Freitag wandten sich die Landesausschüsse beider Gruppen mit einem gemeinsamen Appell an die Öffentlichkeit. Erstmals forderten darin auch die Eltern, dass die Prüfungen zum Mittleren Schulabschluss (MSA) in den zehnten Klassen vollständig entfallen sollten.

Bisher hatte diese Forderung nur für die Zehntklässler gegolten, die zum Abitur weitergehen. Jetzt wurde die Forderung auf alle Zehntklässler ausgedehnt, da die Kultusministerkonferenz diese Prüfungen den Bundesländern freigestellt hat. Am Donnerstag hatte Nordrhein-Westfalen die zentralen Prüfungen der Zehntklässler, die dort "ZP 10-Prüfungen" heißen, abgesagt.

NRW hat die zentralen Zehntklässlerprüfungen abgesagt

Zur Begründung wurde in NRW auf die "unterschiedlich weit gediehenen Vorbereitungen der Schülerinnen und Schüler" verwiesen: "Daher wollen wir in diesem Jahr auf eine Prüfung mit landeseinheitlich gestellten Aufgaben verzichten", heißt es auf der Seite des Schulministeriums von Yvonne Gebauer (FDP).

In diese Richtung müsse es auch in Berlin gehen, wünschen sich Landesschüler- und Landeselternausschuss. „Wir sehen aktuell keine Notwendigkeit am Festhalten an den Prüfungen. Hierfür werden unnötig personelle Ressourcen gebunden, die für den Präsenz- und Fernunterricht dringend notwendig sind“, heißt es in dem Papier. Der MSA könne auf Basis der vorhandenen Noten erteilt werden. Eine freiwillige, reduzierte Prüfung solle aber ermöglicht werden, damit Leistungen für den Abschluss verbessert werden könnten.

Eltern fordern Unterricht für Lernanfänger in der Schule

Bezogen auf die anstehenden Abitur-Prüfungen fordern die Gremien der Eltern und Schüler eine „Gefährdungsbeurteilung und Machbarkeitsanalyse“, eine Regelung für Schüler mit Familienangehörigen in Risikogruppen, eine Flexibilisierung bei der Prüfungsteilnahme sowie eine Regelung bei einer sichtbaren Verschlechterung der Ergebnisse im Vergleich zu den Vorjahren. Die Schüler lehnen die Abiturprüfungen ohnehin ab.

Zudem kritisieren die Eltern- und Schülervertreter die Entscheidung des Berliner Senats, die sechsten Klassen an den Grundschulen als erste wieder zu beschulen. Die Förderprognosen für diese Schüler seien erteilt und die Anmeldung an den Oberschulen längst erfolgt.

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Wenn es um die zu erstellende Förderprognose für den Übergang auf die Oberschule im nächsten Jahr gehen sollte, sei es eher sinnvoll, statt der sechsten die fünften Klassen wieder in die Schule gehen zu lassen.

Am wichtigsten sei aber vor allem die Beschulung der Lernanfänger bis Klasse 3, da es hier um die Erstwissensvermittlung von Lesen, Schreiben und Rechnen gehe. Diese Wissensvermittlung sei als Fernunterricht nicht möglich.

Schweden hält seit Beginn der Pandemie an der Beschulung von Grundschülern fest.

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