• Untersuchung zum Wohnungsmarkt: Mieten in Berlin steigen in fünf Jahren um 44 Prozent
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Untersuchung zum Wohnungsmarkt : Mieten in Berlin steigen in fünf Jahren um 44 Prozent

Von durchschnittlich 8,50 Euro pro Quadratmeter in 2015 stiegen die Mieten in Berlin auf 12,20 Euro in 2020. Auch in anderen Städten gingen die Preise hoch.

Die Mieten steigen auch, weil immer mehr Wohnungen zum Kauf angeboten werden.
Die Mieten steigen auch, weil immer mehr Wohnungen zum Kauf angeboten werden.Foto: Christoph Soeder/dpa

Die Mietpreisbremse des Bundes zur Begrenzung von Mieterhöhungen verfehlt ihre Wirkung: Die Mieten steigen unverändert kräftig. Dies geht aus einer Untersuchung von „Immowelt“ hervor, eines Online-Vermittlers von Wohnungen.

Wie die Firma mitteilt, konnte der Anstieg der Preise in den vergangenen fünf Jahren nicht gestoppt werden; allen voran nicht in Berlin mit einem Plus von 44 Prozent – aber auch nicht in München (+30 Prozent), Stuttgart und Düsseldorf (je +24 Prozent). Insgesamt seien die Mieten in 39 Städten seit 2015 gestiegen, in 37 mit zweistelligem Wachstum.

Zuletzt waren anderen Studien zufolge - darunter vom Immobilien-Spitzenverband ZIA - in Berlin allerdings die Mieten nicht mehr gestiegen, sondern sogar geringfügig gesunken.

Dazu trägt nach Auffassung von Marktbeobachtern auch die Einführung des Mietendeckels bei. Dies steht nicht im Widerspruch zur „Immowelt“-Erhebung, da diese den Durchschnittswert der vergangenen fünf Jahre ermittelt hat.

Der Mietendeckel des Landes Berlins legt staatliche Obergrenzen für die Mieten aller Wohnungen fest und orientiert sich an den Durchschnittsmieten aus dem Jahr 2013.

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Die Mietpreisbremse hat der Bund eingeführt und begrenzt die Mieten auf das vor Ort übliche plus zehn Prozent. Grundlage für die ortsübliche Miete ist der Mietspiegel aus dem Jahr 2019.

Vor fünf Jahren lag die Miete noch bei 8,50 Euro

In Berlin stieg die Miete laut Immowelt von 5,90 Euro je Quadratmeter im Jahr 2010 auf 12,20 Euro im ersten Halbjahr dieses Jahres. Das Plus von 44 Prozent ergibt sich mit Bezug auf den durchschnittlichen Mietpreis von vor fünf Jahren (8,50 Euro).

Dabei handelt es sich um „Angebotsmieten“ für freie Wohnungen, die auf den Portalen angeboten werden. Anders als im Bestand dürfte der Anteil der neu gebauten und sanierten Immobilien groß sein.

„In Städten mit Zuzug und folglich einer steigenden Nachfrage können die Mietanstiege nur durch gezielte Neubaumaßnahmen gebremst werden“, sagt der Verfasser der Studie Cai Nicolas Ziegler.

Die alleinige Erhöhung des Angebots reiche aufgrund der hohen Baukosten aber nicht aus. Vielmehr sei es die Aufgabe der Städte, mehr Sozialwohnungen mit Preisbindung zu schaffen. 

IG Bau fordert Neubau und verteidigt Mietendeckel

Die Berliner Industriegewerkschaft Bau sprach sich am Mittwoch erneut zugunsten des Mietendeckels aus, der von CDU und FDP attackiert wurde und zur Prüfung dessen Verfassungsmäßigkeit dem Bundesverfassungsgericht vorliegt.

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"Der Mietendeckel verhindert, dass Vermieter den Mangel zur Steigerung der Mieten ins Unermessliche nutzen können. Wir fordern, dass das Einfrieren der Mieten erhalten bleibt, bis der Leerstand von Wohnraum wieder den gesunden Grenzwert von drei Prozent erreicht."

Die Gewerkschaft bezweifelt, dass infolge der staatlichen Mieten Arbeitsplätze auf dem Bau verloren gehen. Berlin brauche aber auch "dringend mehr Wohnungen, besonders bezahlbare", hieß es weiter. Die Berliner IG Bau fordere deshalb "Neubau und Umwandlung leerstehender öffentlicher Gebäude in Wohnraum".

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