Urlaub ohne Barrieren : Wie Berlinern mit Behinderung beim Verreisen geholfen wird

Der Verein Reisemaulwurf hilft Urlaubern mit einer Behinderung oder einem Pflegebedarf mit kostenlosen Beratungen. Ein Ziel bietet etwa die Pflegepension Haffblick an der Ostsee.

Julia Heine
Ein Rollstuhl steht am barrierefreien Zugang eines Ostseestrandes (Symbolbild).
Ein Rollstuhl steht am barrierefreien Zugang eines Ostseestrandes (Symbolbild).Foto: Bernd Wüstneck/dpa

Für Menschen mit einem Hilfs- oder Pflegebedarf scheint eine Urlaubsreise zurzeit wegen der Corona-Pandemie besonders schwierig. Oft gehören sie zu den Risikopatienten, bei denen ein schwerer Verlauf einer Infektion mit SARS-CoV-2 wahrscheinlicher ist als bei anderen. Dabei ist es gerade für sie essentiell, eine Auszeit vom Alltag zu bekommen, der derzeit oft ziemlich eingeschränkt ist.

André Scholz, Pflegeberater und Gründer des gemeinnützigen Vereins Reisemaulwurf, hilft Reiselustigen mit einer Behinderung oder einem Pflegebedarf weiter: Bei einer einer kostenlosen Reiseberatung ermittelt er den individuellen Bedarf: „Viele Berliner wollen an die Ostsee. Dann schauen wir, was möglich ist. Eine Bordsteinkante vor dem Hoteleingang kann aber den ganzen Urlaub zu Nichte machen“, so der ehrenamtliche Reiseberater.

Viele Orte, die er empfiehlt, hat Scholz selbst besucht. So sei es etwa wichtig, dass das Rohr unter dem Waschbecken in der Wand verschwindet, etwas auf das Nicht-Betroffene selten achten, sagt Scholz, der selbst pflegender Angehöriger ist. Das sei wichtig, „damit man sich abends mal alleine waschen und mit dem Rollstuhl dicht ans Waschbecken fahren kann.“

Ein Ziel für eine barrierefreie Reise an die Ostsee bietet etwa die Pflegepension Haffblick in Rakow in der Gemeinde Am Salzhaff. Acht Pflegekräfte kümmern sich dort um maximal zwölf Gäste, die in Ein- und Zwei-Raum- Wohnungen Platz finden.

Zeitdruck wie auf einer Pflegestation gibt es dort nicht. Wenn ein Urlaubsgast mal bis über den Feierabend von Inhaberin Karin Groth-Lasner oder ihre Kollegen hinaus von seinem aufregenden Tag erzählt, dann „drängelt auch keiner, weil er Feierabend machen will“, sagt die gelernte Altenpflegerin.

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Die Urlauber schätzten an der Pflegepension die Barrierefreiheit und die individuelle Abstimmung der Bedürfnisse auf die Pflege. „Denn das sind Gründe, aus denen viele vor einer Reise zurückschrecken“, sagt Groth-Lasner.

Vorab gibt es einen Pflegefragebogen

Viele fürchteten, vor Ort nicht ausreichend versorgt werden zu können oder auf unerwartete Hindernisse zu treffen. Doch dafür gibt es vorab einen Pflegefragebogen, der den Bedarf genau ausweist.

Eine Woche in einer Zwei-Raum-Wohnung der Pflegepension Haffblick liegt für einen Urlauber und seinen pflegenden Angehörigen inklusive Vollpension sowie täglicher Pflegeleistung bei rund 1600 Euro.

Wer gern selber kocht, kann dafür nicht nur die in den Wohnungen integrierte Kochnische nutzen, sondern auch gemeinsam mit den anderen Urlaubern und den Betreuern das Abendessen zubereiten.

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Die Urlaubskasse muss nicht vollständig von den Pflegebedürftigen oder deren Verwandten aufgebracht werden. Ab Pflegegrad 2 kann die Pflegekasse die Kosten von bis zu 1612 Euro jährlich für die Verhinderungspflege für bis zu sechs Wochen übernehmen.

Die Pflegekosten liegen in unserem Beispiel bei rund 690 Euro, womit noch 910 Euro aus eigener Tasche zu zahlen wären. Zwar ist die Pension bereits bis September ausgebucht, allerdings werde immer wieder ein Plätzchen zwischendurch frei, sagt die Betreiberin.

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