Verkehr in Berlin : S-Bahn darf nur Tempo 80 fahren

100 Stundenkilometer sind für die Berliner S-Bahn weiterhin nicht drin. Dennoch soll sie auf einigen Strecken schneller werden – etwa durch mehr Gleise.

Bisher sind nur die Bahnsteige der Berliner S-Bahn videoüberwacht.
Bisher sind nur die Bahnsteige der Berliner S-Bahn videoüberwacht.Foto: Kay Nietfeld/dpa

Die meisten Züge der S-Bahn können weiterhin kein Tempo machen. Seit einem Unfall 2009 dürfen die 500 Doppelwagen – intern Viertelzug genannt – der Baureihe 481 nur auf 80 Stundenkilometer beschleunigen, statt mit dem technisch möglichen Tempo 100 zu fahren. 

Von drei Problemen seien zwar zwei gelöst, sagte S-Bahn-Chef Peter Buchner am Donnerstagabend beim Fahrgastsprechtag des Fahrgastverbandes Igeb, bei einem weiteren Punkt müssten aber Tests fortgesetzt werden.

Rad und Schiene - da gibt es noch ein Problem

Im Griff habe man die Bremsanlage, sagte der S-Bahn-Chef. Und die Probleme bei der alten mechanischen Signaltechnik würden durch das Umstellen auf ein modernes elektronisches System beseitigt. Das dritte Problem, das exakte Zusammenspiel von Rad und Gleis, sei aber noch nicht gelöst. Hier müsse es weitere Tests mit dem geänderten Radprofil geben.

Am Fahrplan würde auch Tempo 100, das ohnehin nur auf einem Teil des Netzes möglich ist, nichts ändern, machte Buchner klar. Nur Verspätungen könnten leichter aufgefangen werden. Aber auch bei Tempo 80 sind Fahrplanverbesserungen möglich – durch Änderungen an der Infrastruktur.

Zwischen Ostkreuz und Ostbahnhof wird es schneller

Zum Fahrplanwechsel am 9. Dezember kann die S-Bahn zwischen Ostkreuz und Ostbahnhof wieder vier Gleise statt wie jetzt nur zwei nutzen. Die Bauarbeiten sind dann beendet. Dadurch verkürzt sich die Fahrzeit der Linie S 9 vom Flughafen Schönefeld Richtung Spandau um zwei Minuten, der lange Aufenthalt im Bahnhof Treptower Park entfällt. Die S 75 fährt dann von Wartenberg bis Ostbahnhof, die Verstärker der S 5 von Mahlsdorf zur Warschauer Straße. Die S 3 und S 9 fahren ab Ostbahnhof exakt im Abstand von zehn Minuten nach Spandau.

Durch die Inbetriebnahme eines zweiten Gleises im Abschnitt Potsdam Hauptbahnhof–Babelsberg verkürzt sich die Reisezeit zwischen Wannsee und Potsdam um bis zu drei Minuten.

Auf dem Ring fahren die Züge der S 46 an Wochenenden zwischen 13 Uhr und 20 Uhr von Westend weiter bis Gesundbrunnen. Zudem wird der Takt so verändert, dass sich die Reisezeit um zwei Minuten verkürzt. Schneller wird – bereits ab 1. Oktober – an Wochenenden auch die S 47, und auf der S 85 verlängert sich im Dezember an Wochenenden die Betriebszeit um 80 Minuten.

Die alten Wagen werden saniert

Verbesserungen gibt es auch im Fahrzeugpark. Das Sanierungsprogramm der 70 Doppelwagen der Reihe 480 ist abgeschlossen, die Arbeiten an den 80 Doppelwagen der Reihe 485 sollen im nächsten Jahr beendet werden. Länger dauert der Umbau bei den 500 Einheiten der Reihe 481. Für die drei unterschiedlichen Serien stellt die S-Bahn zunächst drei Musterfahrzeuge her, die unter anderem neue Sitze erhalten. Erstmals bei der S-Bahn überwachen auch Kameras den Innenraum. 4000 Geräte werden insgesamt eingebaut.

Farblich passt die S-Bahn die umgebauten Zügen ihren Neubaufahrzeugen an, von denen derzeit die ersten produziert werden. Die Farben werden heller, der Gelbbereich nimmt zu. Und die Türen werden schwarz.

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