Verkehrsunfälle in Berlin : Weniger Radfahrer sind verunglückt

Die Zahl der verunglückten Radfahrer ist 2017 gesunken – mit einer bedenklichen Ausnahme. Und die Statistik der Polizei hat Schwächen.

Im Schilderwald. Wo seit 2014 die Fahrradstaffel patrouilliert, sank die Zahl der schweren Radunfälle deutlich.
Im Schilderwald. Wo seit 2014 die Fahrradstaffel patrouilliert, sank die Zahl der schweren Radunfälle deutlich.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Erstmals seit Jahren ist die Zahl der Radverkehrsunfälle 2017 in Berlin gesunken. Wie die Innenverwaltung auf Anfrage des Grünen-Abgeordneten Stefan Taschner mitteilte, wurden 7111 Unfälle mit Beteiligung von Radfahrern registriert. In den Jahren davor waren es jeweils mehr als 7500. Die Zahl der Personenschäden sank in ähnlichem Verhältnis auf 5175. Mehr als 80 Prozent der Betroffenen wurden leicht verletzt; zehn starben.

Auffällig ist, dass die Zahl der Verunglückten in fast allen Altersgruppen zurückging, jedoch mit einer Ausnahme: 404 verunglückte Kinder (bis 14 Jahre) bedeuten einen geringfügigen Anstieg gegenüber den Vorjahren. Dieser Trend fällt umso mehr auf, als auch die Senioren – deren Anteil an den Verkehrsopfern insgesamt seit Jahren deutlich steigt – statistisch sicherer auf dem Fahrrad unterwegs waren: 480 von ihnen verunglückten 2017; in den Jahren davor waren es 550 beziehungsweise 585.

"Dooring-Unfälle" werden nicht gesondert registriert

Die Zahl der besonders gefährlichen Kollisionen zwischen Lastwagen und Fahrrädern sank um etwa fünf Prozent auf 402 Fälle. Als Hauptursache von Radverkehrsunfällen insgesamt dominieren nach wie vor Zusammenstöße mit abbiegenden Fahrzeugen: 3432 Mal krachte es deswegen (Vorjahr: 3752). Zur Verursacherfrage wurden aktuell keine Angaben gemacht; erfahrungsgemäß sind Radfahrer nur an einem sehr geringen Anteil der Abbiegeunfälle schuld. Sie verursachen selbst eher Unfälle durch „Benutzung der falschen Fahrbahn“, also von Gehwegen oder in falscher Richtung.

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1 von 606Foto: Bernhard Albers
18.10.2018 09:48"Sind das die neuen Parkstreifen in Friedrichshain?" So witzelt Bernhard Albers über die grüne Markierung an der Proskauer Straße....

Die aktuelle Auswertung zeigt auch, dass die Polizeistatistik Lücken hat und teilweise ungenau ist: So sind sogenannte Dooring-Unfälle, bei denen Radfahrer gegen achtlos aufgerissene Autotüren prallen, gar nicht als eigene Kategorie erfasst – obwohl es dadurch im vergangenen Jahr mehrere katastrophale Unfälle gegeben hatte. Bei anderen Unfallarten sind die 2016er-Zahlen seit Erscheinen der offiziellen Statistik vor ziemlich genau einem Jahr zwischenzeitlich korrigiert worden.

Die rückläufige Unfallzahl ist bemerkenswert, da die Gesamtzahl der Verkehrsunfälle in Berlin seit Jahren steigt. Möglicherweise ist 2017 wegen des sehr verregneten Sommers allerdings auch weniger Rad gefahren worden als in den Jahren davor. Ein Indiz sind die Daten, die die 17 automatischen Zählstellen im Straßennetz erfasst haben. Pro Tag und Ort wurden im Mittel 3165 Radfahrer registriert. Im Jahr davor waren es 3424. Die meisten Radfahrer wurden an der Oberbaumbrücke registriert: 3,23 Millionen im vergangenen Jahr, gefolgt von der Jannowitzbrücke die 2,66 Millionen Radler passierten. Die Sensoren in der Fahrbahn können Fahrräder von anderen Fahrzeugen unterscheiden.

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