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Timothy S.
© Polizei Berlin

Erpressung, Menschenraub, Körperverletzung: Vermisster Student in Berliner Wohnung festgehalten – zweiter Verdächtiger verhaftet

Ein 22-Jähriger soll eine Woche gefangen gehalten worden sein, um Geld zu erpressen. Die beiden Tatverdächtigen sind schon mehrfach polizeilich aufgefallen.

Eine Woche nachdem der zuvor vermisste Student Timothy S. aus einer Wohnung in Berlin befreit wurde, hat die Polizei einen zweiten Tatverdächtigen verhaftet.

Wie die Polizei am späten Montagnachmittag mitteilte, war die Festnahme bereits am vergangenen Freitag erfolgt. Der bis dahin flüchtige Tatverdächtige habe sich Zutritt zu der polizeilich gesicherten Wohnung verschaffen wollen. Dabei konnte er aufgrund eines mittlerweile gegen ihn erlassenen Haftbefehls festgenommen werden, hieß es.

Der 22-jährige Berliner Student Timothy S. war Ende Juli von seiner Familie als vermisst gemeldet worden. Nachdem er den Abend des 29. Juli in einer Bar in Nord-Neukölln verbracht hatte, war er am 30. Juli um 3.14 Uhr zuletzt in einer Sparkassenfiliale in Teltow gesehen worden. Danach fehlte eine Woche lang jede Spur des Studenten. Seine Familie und die Polizei waren zunächst davon ausgegangen, dass S. in der Nacht von Freitag auf Samstag auf eine illegale Techno-Party im Treptower Park gehen wollte und suchte dort mit Spürhunden nach ihm.

Am 10. August meldete die Polizei, dass S. bereits einige Tage zuvor im Rahmen eines Polizeieinsatzes in einer Berliner Wohnung gefunden und in die Obhut seiner Familie übergeben worden sei. Der 22-Jährige sei gegen seinen Willen festgehalten worden. Die Polizei verhaftete einen Tatverdächtigen.

Timothy S. musste unter Drohung Geld abheben

Wie sein mutmaßlicher Mittäter befindet sich auch der jetzt gefasste 20-Jährige inzwischen in Untersuchungshaft. Den beiden wird gemeinschaftlicher erpresserischer Menschenraub in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung und besonders schwerer räuberischer Erpressung zur Last gelegt.

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Beide Männer, die bereits mehrfach polizeilich in Erscheinung getreten sind, sollen den 22-Jährigen zunächst unter Vorhalt einer Waffe zur Herausgabe seines Mobiltelefons und von Geld gebracht und ihn dann unter Drohungen und Anwendung von Gewalt zu Geldabhebungen veranlasst haben.

Vom 30. Juli bis zum 5. August sollen die Tatverdächtigen S. dann in der Wohnung festgehalten haben, um so weitere Zahlungen und Abhebungen mit dessen Karten vorzunehmen. Nun ermittelt die Generalstaatsanwaltschaft Berlin.

Bevor S. von der Polizei aus der Wohnung befreit wurde, hatte seine Schwester über Tage hinweg bei der Suche nach ihrem Bruder geholfen. Sie startete über soziale Medien einen Suchaufruf und wandte sich auch an Zeitungen.

Für Aufsehen sorgte in Berlin in den vergangenen Jahren der Vermisstenfall von Rebecca R.. Im Februar 2019 verschwand die damals 15-jährige Schülerin aus Neukölln. Zunächst hatte die Polizei ihren Schwager verdächtigt und festgenommen, weil sie in der Nacht des Verschwindens im Haus von ihrer Schwester und deren Ehemann geschlafen hatte. Die Polizei durchsuchte über Wochen den Süden Berlins und die Wälder entlang der Autobahn 12 Richtung Frankfurt (Oder). Spürhunde, Hubschrauber und Taucher kamen zum Einsatz.

Doch die Beamten fanden keine Beweise und ließen den Schwager wieder frei. Drei Jahre, nachdem sie das letzte Mal gesehen wurde, fehlt von der Schülerin aus dem Ortsteil Britz weiterhin jede Spur.

Lea Becker, Marvin Wenzel

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