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Tagesspiegel Plus

Vierte Welle und dann kein W-Lan: Zahl der infizierten Schüler in Berlin in einer Woche verdoppelt

Fast 3000 Schüler sind positiv getestet, 120 Klassen in Quarantäne. Doch was das Distanzlernen erschwert: Der Netzwerk-Ausbau kommt nur schleppend voran.

Die Zahl der festgestellten Infektionen bei Berliner Schülerinnen und Schülern ist deutlich gestiegen. Sie lag bei der wöchentlichen Auswertung am Freitag an den allgemeinbildenden öffentlichen Schulen bei 2797. Das ist eine Verdopplung gegenüber der Vorwoche (1348). 120 Lerngruppen sind geschlossen gegenüber 59 in der Vorwoche. In 317 Fällen wurden Infektionen bei Beschäftigten festgestellt, hinzu kommen 17 Infektionen bei Berufsschulkräften. An den beruflichen Schulen wurden 180 Schüler positiv auf Corona getestet (Vorwoche 81).

Zudem wurden zwei weitere Schulen in den Wechselunterricht geschickt, darunter eine Schule in freier Trägerschaft. Zwei befanden sich bereits im Wechselunterricht – und neu dabei sind hier nun auch die Reinhardswald-Grundschule in Kreuzberg sowie die Ecole Voltaire, eine Grundschule in freier Trägerschaft in Tiergarten. Bereits seit vergangener Woche gilt der Wechselunterricht für die Kreuzberger Galilei-Grundschule sowie für die Pankower Jeanne-Barez-Schule. In diesen vier Schulen sind die Lerngruppen also geteilt, um das Ansteckungsrisiko zu verringern. Jeweils eine Hälfte lernt zu Hause. In der Friedrichshainer Hausburg-Grundschule gibt es zwar sehr viele Infizierte, aber keinen Wechselunterricht.

Die Jüdische Sekundarschule und das Jüdische Gymnasium Moses-Mendelssohn in Mitte stellte es den Eltern ab Montag „im Einvernehmen mit der Schulaufsicht“ frei, ob ihr Kind am Unterricht in der Schule oder am Fernunterricht teilnimmt. Getestet wird dort ab Montag täglich. Die Schulen sind in Trägerschaft der Jüdischen Gemeinde zu Berlin.

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In Brandenburg ist die Lage ähnlich: Auch hier sind vier Schulen im Wechselunterricht, allerdings sind mehr Lerngruppen geschlossen als in Berlin – 249. Rund 2900 Schüler sowie 240 Lehrkräfte sind infiziert. Anders als Berlin nennt Brandenburg die Quarantänezahlen. Davon betroffen sind 11.259 Schülerinnen und Schüler. In der Vorwoche waren es 5431.

Angesichts der Tatsache, dass die Schulen wegen der abermals fortschreitenden Pandemie längerfristig auf eine Verzahnung von schulischem Lernen und Distanzlernen vorbereitet sein müssten, wächst die Irritation über die schleppende Umsetzung des Digitalpaktes. Dazu gibt es eine neue Bestandsaufnahme, die der CDU-Abgeordnete Roman Simon erfragt hat. Simon wollte wissen, in wie vielen Schulen bereits ein vollständiger Ausbau der lokalen Netzwerke (Lan) und der drahtlosen lokalen Netzwerke (W-Lan) erfolgt sei.

W-Lan: In Spandau sind erst drei Schulen komplett versorgt

So stellte sich am Freitag heraus, dass an einen vollständigen Ausbau noch nicht zu denken ist. In Mitte etwa haben 14 der rund 50 Schulen eine abgeschlossene Anbindung. In Spandau sind nur drei Schulen vollständig ausgebaut. Für Steglitz-Zehlendorf heißt es, der Ausbau sei für keine Schule abgeschlossen, aber der LAN-Ausbau an 25 Standorten in Arbeit, „der WLAN-Ausbau noch nicht begonnen, da nachgeordnete Förderpriorität“. In Marzahn-Hellersdorf sind acht Schulen fertig. Ähnlich bruchstückhaft verhält es sich in den anderen Bezirken auch, wobei ein Vergleich schwierig ist, weil die Bezirke offenbar unterschiedliche Strategien verfolgen. So berichtet Neukölln, dass die „Ausbaustrategie erst nach Vorliegen aller Netzwerkdokumentationen erstellt wird“.

Hier gibt’s die Anfrage zum Digitalpakt mit Angaben aus allen Bezirken als PDF.

Erschwert wird der Fortschritt dadurch, dass der Rahmenvertrag zum Netzwerkausbau ausgeschöpft ist. Dies hatten die Bezirke im Oktober überraschend von der Bildungsverwaltung erfahren, die wiederum auf das IT-Dienstleistungszentrum (ITDZ) verweist. Demnach war der Rahmenvertrag mit nur einer Firma für alle rund 800 Schulen geschlossen worden. Wie es dazu kommen konnte, ließ sich am Freitag nicht klären. Die Bildungsverwaltung teilte dem Abgeordneten mit, die Einschätzung der Leistungsfähigkeit der Firma „liege in der Verantwortung des Rahmenvertragshalters“, also des ITDZ.

Die Senatsverwaltung hätte bereits zu Beginn des Digitalpakts ein übergreifendes Projektmanagement aufbauen müssen.

Bildungsstadtrat Torsten Kühne (CDU) zu Versäumnissen des Landes

„Es kann nicht sein, dass auf dem neuen Höhepunkt der Pandemie der W-Lan-Ausbau an unseren Schulen nicht vorankommt“, sagte Simon am Freitag. Die SPD-Bildungsverwaltung habe es versäumt, sich rechtzeitig um entsprechende Verträge mit IT-Dienstleistern zu kümmern. Ein monatelanger Stillstand, bis ein neuer Rahmenvertrag in Kraft treten könne, sei „ärgerlich und inakzeptabel“.

Die FDP meinte, dass „die Schulverwaltung wieder einmal kläglich an grundlegenden Aufgaben scheitert“. Berlin brauche eine landeseigenen Infrastrukturgesellschaft Schule, „die Aufgaben bündelt und über Bezirksgrenzen hinweg Kompetenzen aufbaut“.

„Die Senatsverwaltung für Bildung hätte bereits zu Beginn des Digitalpakts ein übergreifendes Projektmanagement aufbauen müssen“, sagte Torsten Kühne (CDU), bisher Bildungsstadtrat in Pankow und soeben in Marzahn-Hellersdorf ins das gleiche Amt gewählt. Dafür hätte sie alle Bezirke, Schulen sowie die Berliner Immobilienmanagement GmbH und das ITDZ einbeziehen sollen. Diese Strukturen müssten nun in der laufenden Umsetzung nachträglich aufgebaut werden – daraus resultierten die Probleme.

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