zum Hauptinhalt

© Annegret Hilse / Reuters

Tagesspiegel Plus Exklusiv

Vor Produktionsstart in Brandenburg: Tesla-Gigafabrik hat bereits 2500 Mitarbeiter

Noch rollen in Grünheide keine E-Autos vom Band, doch schon jetzt ist der US-Konzern unter den Top-Five der Industrie-Unternehmen in Brandenburg.

Teslas Gigafactory in Grünheide ist nicht eröffnet und noch nicht endgültig genehmigt: Trotzdem hat sich der von Elon Musk geführte US-Elektroautobauer bereits in die Spitzengruppe der Industrie-Arbeitgeber Brandenburg katapultiert – mit einer aktuellen Belegschaft von bereits 2500 Mitarbeitern. Die Zahl ist verbürgt, sie wurde nach Tagesspiegel-Informationen in der vergangenen Woche in der „Task Force Tesla“ bei Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) offiziell festgehalten. Dort beraten Woidke, zuständige Minister seiner rot-schwarz-grünen Regierung, Vertreter von Tesla, des Landkreises Oder-Spree und Grünheides Bürgermeister Arne Christiani regelmäßig den Stand und die Probleme.

Die erst Ende 2019 gestartete Ansiedlung beeinflusst ungeachtet der Begleitkonflikte wie um das Wasser bereits signifikant die Wirtschaftsstruktur des Landes Brandenburg, für das eine überschaubaren Zahl industrieller Leuchttürme typisch ist. Mit 2500 Mitarbeitern ist Tesla inzwischen einer der großen privaten Arbeitgeber und hat es nach Tagesspiegel-Recherchen bei der Zahl der Beschäftigen klar unter die Top fünf der Industriebetriebe geschafft.

Eine offizielle Liste der größten Arbeitgeber der Mark gibt es nicht, nicht einmal im Ministerium für Wirtschaft und Arbeit. Im Ministerium werde „keine Übersicht der größten Arbeitgeber sowie der größten Industriearbeitgeber geführt“, hieß es auf Anfrage. Verwiesen wurde auf verschiedene Drittquellen. Klar ist, dass größter Industriearbeitgeber nach wie vor die LEAG mit rund 7000 Mitarbeitern in den Lausitzer Tagebauen und Kraftwerken ist. Das dürfte aber mit dem Kohleausstieg nicht zu halten sein. Erreicht Tesla die angekündigten 12.000 Jobs in der ersten Ausbaustufe, wird Elon Musk der größte private Arbeitgeber der Hauptstadtregion sein. Nirgendwo ist derzeit ein so dynamisches Wachstum in Sicht wie in der künftig drittgrößten Autofabrik in Deutschland.

Nach Tagesspiegel-Recherchen zu Brandenburgs Top-Ten der Industriefirmen liegt Tesla – nach der LEAG – in der Spitzengruppe, gleichauf mit dem Stahlwerk von ArcelorMitall in Eisenhüttenstadt und dem britischen Turbinenhersteller Rolls Royce in Dahlewitz, die beide nach eigenen Angaben jeweils 2500 Menschen beschäftigen. Es folgen das Autowerk von Mercedes-Benz in Ludwigsfelde mit 2000 Mitarbeitern, in dem die offenen Sprinter-Modelle produziert werden und ab 2023 den neuen vollelektronischen eSprinter. Auch BASF in Schwarzheide, das aktuell mit einem Werk für Batteriechemikalien expandiert, hat derzeit 2000 Beschäftigte.

Mit Abstand schließt sich ein Tausender-Bereich an. Die Raffinerie des PCK Schwedt, die der russische Energiekonzern Rosneft übernommen hat, gibt 1100 Mitarbeiter an. Der Papierhersteller Leipa in Schwedt zählt nach eigenen Angaben „über 1000 Mitarbeiter“. Das Riva-Stahlwerk in Brandenburg/Havel beschäftigt 850 Mitarbeiter.

Und mit den 2500 Mitarbeitern steht Tesla in Grünheide am Beginn. Anfang Februar sollen es dem Vernehmen nach bereits 2600 sein, viele offene Stellen sind ausgeschrieben. Die Tesla-Belegschaft soll schnell wachsen, damit im Werk künftig jede Minute ein Modell Y im Dreischichtsystem vom Band rollen kann. Man sei mit dem Einstellungsprozess zufrieden, hieß es nun auch in der „Task Force Tesla“ von Regierungschef Woidke. Weder von Tesla noch von der öffentlichen Hand wurden gravierende Probleme angesprochen, die den Start und das Projekt gefährden könnten. Der Verhandlung am 11. Februar am Verwaltungsgericht Frankfurt (Oder) um eine Fördergenehmigung des Wasserverbandes Strausberg- Erkner (WSE), der auch Tesla beliefert, spielte dem Vernehmen nach keine Rolle.

Berichtet wurde jüngst auch, dass Tesla das auf dem Gelände befindliche Gleis der Regionaleisenbahn gekauft hat, das für einen Shuttle-Zug von Erkner und einen eigenen Güterbahnhof benötigt wird. Grünheide wird weltweit die erste Tesla-Fabrik mit Gleisanschluss sein.

Die Hauptgenehmigung für „Giga Berlin“ in Brandenburg, die Tesla über Vorabzulassungen auf eigenes Risiko errichtete und für Testzwecke 2000 Fahrzeuge herstellen darf, dürfte in den nächsten zwei Wochen erteilt werden. Für Mitte Februar hat Elon Musk via Twitter seinen nächsten Besuch angekündigt. Tesla will erste Fahrzeuge „Made in Grünheide“ ab März ausliefern.

Zur Startseite

showPaywall:
false
isSubscriber:
true
isPaid:
true
showPaywallPiano:
false