• Wasserknappheit in Brandenburg: „Man muss ja nicht dreimal am Tag duschen oder den Pool neu füllen.“

Wasserknappheit in Brandenburg : „Man muss ja nicht dreimal am Tag duschen oder den Pool neu füllen.“

Wegen der Trockenheit wird in Brandenburg das Wasser knapp. Pumpen an Flüssen und Seen werden verboten. In Berlin gibt es noch keine Einschränkungen.

Damit das Wasser in Brandenburg nicht knapp wird, werden nun erste Maßnahmen ergriffen.
Damit das Wasser in Brandenburg nicht knapp wird, werden nun erste Maßnahmen ergriffen.Foto: Roland Weihrauch/dpa

Lübbenau/Potsdam/Cottbus - „Wir sind das doch schon gewöhnt...“, sagt ein Fährmann im Lübbenauer Hafen: „...und außerdem so was von flexibel.“ Gerade hat ihn ein Besucher gefragt, ob das Wasser auch im Spreewald knapp werde. Er habe im Radio gehört, dass dies in einigen Teilen Brandenburgs so sei. „Diese Hiobsbotschaft erreicht uns jedes Jahr, sagt der Fährmann. „Da aber unsere Wasserwege zwischen 30 Zentimetern und mehreren Metern tief sind, müssen die Touristen nicht auf eine gemütliche Kahnfahrt verzichten.“

Dafür dürfen beispielsweise Kleingärtner in Cottbus ab kommenden Sonntag kein Wasser mehr aus der Spree oder anderen Gewässern entnehmen. Denn tatsächlich werde die Situation – auch beim Grundwasser – besonders im Süden des Landes immer angespannter, sagte der Leiter der Abteilung Wasser und Boden im Brandenburger Umweltministerium, Kurt Augustin, am Mittwoch dem Tagesspiegel: „Weil es im vergangenen Jahr schon so trocken war und auch im Winter nicht viel Niederschlag fiel, fehlen uns im Speicherbereich Lausitz etwa 30 Millionen Kubikmeter Wasser. Wenn es weiter nicht regnet und heiß bleibt, könnte das kritisch werden.“

Brandenburgs Umweltministerium habe deshalb den Wasserbehörden der Kreise und kreisfreien Städte empfohlen, entsprechende Anweisungen – also Verbote – zu erlassen. „Wir müssen Prioritäten setzen“, sagte Augustin: „Und die höchste hat natürlich die Sicherung der Trinkwasserversorgung, die bislang nicht gefährdet ist.“

Damit das auch so bleibt, hat die Stadt Cottbus inzwischen reagiert und ab dem kommenden Sonntag ein Entnahmeverbot aus Flüssen, Seen oder Gräben in der Zeit von 6 bis 21 Uhr erlassen. Wer dagegen verstößt, muss mit Strafen bis zu mehreren tausend Euro rechnen.

Appell an die Sparsamkeit

Die Landkreise Oberspreewald-Lausitz, Dahme-Spreewald und Spree-Neiße wollen dem Cottbuser Beispiel folgen, der Elbe-Elster-Kreis allerdings nicht. Kurt Augustin kann darüber nur den Kopf schütteln: „Ausgerechnet dort haben wir große Probleme mit der Schwarzen Elster, wo einige Flussarme bereits kein Wasser mehr führen“, sagt er, und appelliert an alle Bürger, sparsam mit dem kostbaren Nass umzugehen: „Man muss ja nicht dreimal am Tag duschen oder den Pool neu füllen.“

Wenn es nach ihm ginge, müsste auch der Verbrauch von Leitungswasser eingeschränkt werden. Das aber halten die meisten Behörden nicht für nötig. So heißt es in der Stadtverwaltung Cottbus, dieses Wasser komme aus einer Tiefe von 70 Metern, wo es bislang keine Probleme gebe.

Der Niederbarnimer Wasser- und Abwasserverband (NWA) hat hingegen bereits Ende Juni seinen Kunden in der Zeit von sieben bis 21 Uhr untersagt, Trinkwasser für Bewässerungszwecke zu entnehmen. Grund ist der überdurchschnittliche Verbrauch an Trinkwasser durch die verstärkte Beregnung von Gärten beziehungsweise das Befüllen von Pools. Das führe besonders in den frühen Abendstunden zu „drastischen Druckmangelerscheinungen“ in den Ortsteilen Basdorf, Wandlitz, Stolzenhagen, Schmachtenhagen, Wensickendorf, Zehlendorf und Zühlsdorf, hieß es.

Bisher keine Einschränkungen in Berlin

Die Insel der Glückseligen ist wieder einmal Berlin. Hier seien bislang überhaupt keine Einschränkungen notwendig, sagte der Sprecher der Berliner Wasserbetriebe, Stephan Natz. Schließlich gewinne man das Nutzwasser mit der speziellen Methode der Uferfiltration, was nicht nur der Qualität sondern auch der Quantität zugute komme. Auch dass die Spree weniger Wasser führe, ändere daran nichts, sagte Natz.

Die Kahnfährleute im Spreewald sind davon weitaus früher betroffen. Deshalb begrüßen sie die Verbote. „Die können helfen, dass wir auch weiterhin genug Wasser unterm Kiel haben“, sagte eine Sprecherin aus Burg: „Das dürfte viele Menschen, die gerade jetzt den schattigen Spreewald besuchen, sehr freuen.“

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