• Wegen Missbrauch einer Sexarbeiterin: Polizist wurde zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt

Wegen Missbrauch einer Sexarbeiterin : Polizist wurde zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt

Der 46-jährige Beamte wurde wegen besonders schwerer Vergewaltigung schuldig gesprochen. Im Prozess hatte Michael B. zu den Vorwürfen geschwiegen.

Justitia.
Justitia.Foto: dpa/Arne Dedert

Der Hauptkommissar der Berliner Polizei wollte an einer Sexarbeiterin „offenbar seinen Frust auslassen“ – das stand für das Landgericht Berlin nach rund achtmonatigem Prozess fest. Sechseinhalb Jahre Gefängnis ergingen am Dienstag gegen Michael B. Der 46-jährige habe sich der besonders schweren Vergewaltigung sowie des Vortäuschens einer Straftat schuldig gemacht, begründete das Gericht am Dienstag.

Der Beamte aus einer Stabsstelle des Landeskriminalamtes habe in der Nacht zum 14. Dezember 2018 auf dem Straßenstrich an der Kurfürstenstraße eine Prostituierte angesprochen, urteilte das Gericht. Er habe zuvor mit einem Bekannten Alkohol getrunken und sich dann einen Mietwagen genommen. B. sei damals wegen einer Affäre seiner Ehefrau „sehr verletzt gewesen“.

Er hatte laut Urteil einer damals 24 Jahre alten Ungarin 50 Euro gegeben. Sie hätten Sex für maximal 20 Minuten und mit Kondom vereinbart. Im Auto aber habe er plötzlich die Prostituierte angegriffen. „Er schlug mit der Hand, mit der Faust, würgte sie.“ Sie habe sich nach Kräften gewehrt. Er habe besonders erniedrigende sexuelle Handlungen vorgenommen. „Sie hatte Todesangst, war vielfachen Übergriffen ausgesetzt und wurde massiv verletzt.“ Über eine Zeit von einer Stunde und 45 Minuten.

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Der Hauptkommissar habe erst von der Frau abgelassen, als ihr besorgter Freund auftauchte und eine Autoscheibe einschlug. Um 3.08 Uhr habe sich der Beamte dann beim Notruf der Polizei gemeldet und behauptet, ein „südländischer Mann“ habe auf ihn eingeprügelt. Eine Woche später wurde der Familienvater festgenommen und befindet sich seitdem in Untersuchungshaft.

B. hatte im Prozess zu den Vorwürfen geschwiegen. Auf Freispruch hatten seine beiden Verteidigerinnen plädiert. Das Gericht folgte im Wesentlichen der Staatsanwältin, die acht Jahre Gefängnis verlangt hatte. So würden die Spuren im Auto und die Verletzungen der Sexarbeiterin zu ihren Angaben passen.

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