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Klaus Böger, SPD, Senator für Bildung, Jugend und Sport.
© Mike Wolff

1000 Stellen für Sprachförderung - wenig Effekt: "Wir werden strenger kontrollieren“

Berlins Bildungssenator Klaus Böger (SPD) zu Konsequenzen aus den neuen Pisa-Fakten.

Von Susanne Vieth-Entus

Durch die jüngsten Pisa-Ergebnisse geraten die Lehrer erneut ins Visier: Es heißt, sie könnten bereits bei relativ geringer Ausländerrate das Lernniveau nicht halten.

Klaus Böger: Mit Schuldzuweisungen kommen wir nicht weiter. Wir ermutigen die Lehrer, auch andere Unterrichtsmethoden zu nutzen, wie die pädagogische Schulentwicklung von Heinz Klippert. Dann können sie besser auf unterschiedliche Schüler reagieren. Und natürlich muss man darauf achten, die Lerngeschwindigkeit nicht am schwächsten Schüler zu orientieren.

Wie wollen Sie verhindern, dass Eltern jetzt noch stärker als bisher Kiezschulen mit hoher Ausländerrate meiden?

Das ist eine riesige Herausforderung. Wir müssen Schulen die Möglichkeit geben, zu zeigen, was sie können, damit sie das Vertrauen der Eltern gewinnen. Dies ist möglich, indem man feste Leistungsstandards vorgibt und abprüft.

Wenn 25 Prozent der Schüler Sprachschwierigkeiten haben, müssen sie eigentlich in speziellen Klassen zusammengefasst und zunächst allein gefördert werden. Viele Schulen umgehen diese Vorgabe. Nun erfahren wir durch Pisa, dass bereits bei 20 Prozent Ausländern das Lernniveau aller, also auch der deutschen Schüler, sinkt. Werden Sie künftig stärker auf die Einhaltung der Vorgaben achten?

Wir sind längst dabei, die Vorgaben zu überarbeiten und für das kommende Schuljahr genauer zu fassen. Gemeinsam mit den Schulen werden wir die Förderung der ausländischen Kinder neu konzipieren. Fest steht, dass die 1000 Stellen für die Sprachförderung besser eingesetzt werden müssen, damit sie ihr Ziel erreichen.

Viele Schulen lassen den Sprachunterricht ausfallen, wenn Lehrer krank werden, damit wenigstens der übrige Unterricht stattfindet. Viele Lehrerstunden kommen also gar nicht bei den ausländischen Kindern an.

Es darf nicht passieren, dass diese Personalmittel als Verfügungsmasse angesehen und zweckentfremdet werden. Das werden wir strenger kontrollieren. Wenn Lehrer erkranken, gibt es die Verpflichtung, Vertretungsstunden geben – auch über das eigene Stundendeputat hinaus. Es darf nicht passieren, dass immer gleich die Förderstunden angezapft werden. Und wir müssen uns in den Grundschulen stärker auf die Grundfertigkeiten wie Schreiben und Lesen konzentrieren. Sprache ist der Schlüssel zur Integration.

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