Wissenschaftsstandort Berlin : Nachtigall-Posse beschäftigt nun auch Michael Müller

Die Berliner Umweltverwaltung macht einer FU-Wissenschaftlerin mit Bürokratie das Leben schwer. Nun greift der Regierende Bürgermeister ein.

Nachtigall (Luscinia megarhynchos)
Nachtigall (Luscinia megarhynchos)Foto: IMAGO

Die Affäre Nachtigall hat den Regierenden Bürgermeister erreicht. Bei einer Senatssitzung im Gartensaal der Stiftung Schloss Hardenberg appellierte Michael Müller am Dienstag an die Umweltverwaltung, neben der Gesetzestreue auch den Servicegedanken für eine Verwaltung nicht zu vergessen.

Es geht um den bisher vergeblichen Antrag einer FU-Wissenschaftlerin, im Rahmen eines von der EU mit 1,5 Millionen Euro geförderten Projekts drei freilebende Nachtigallen zum Aufbau einer Zucht einmalig aus einem Berliner Park entnehmen zu dürfen. Wissenschaftsstaatssekretär Krach will nun ein weiteres Gespräch mit seinem Umweltkollegen Tidow zur schnellen Lösung des Problems führen. Der FU droht bei einer längeren Verzögerung der Entzug der Förderung des international beachteten Projekts, das zum besseren Verständnis autistischer Erkrankungen von Kindern führen soll.

"Schwierige ethische Fragen"

Die Umweltverwaltung wirft in einer Stellungnahme der Wissenschaftlerin vor, ihr Antrag und spätere Mails enthielten „einige Ungereimtheiten“. Die Entnahme von freilebenden Nachtigallen für Versuche sei aus rechtlichen Gründen nicht genehmigungsfähig gewesen, später sei eine Frist versäumt worden, zudem habe sich die Forscherin nicht ausreichend um Zuchtvögel bemüht: „Gerade weil es hier um schwierige ethische Fragen geht, ist von allen Beteiligten unter formalen und inhaltlichen Gesichtspunkten ein Mindestmaß an Sorgfalt zu erwarten.“ Die Sachbearbeiterin hatte in einer Mail an die Biologin von einem „selbst gemachten Zeitdruck“ gesprochen und auf einem kompletten Neuantrag bestanden.

Wissenschaftsstaatssekretär Krach kündigte an, das bisherige Vorgehen nicht zu akzeptieren. Die Forschung scheitere hier nicht am Tierschutz, „die formulierten Vorgaben wurden sieben Monate lang immer wieder in Sisyphusarbeit nachgearbeitet und erfüllt“. Anstatt der Wissenschaft beratend zur Seite zu stehen, um dringend notwendige Fortschritte in der Medizin zu ermöglichen, habe die Verwaltung das „ausschließlich häppchenweise verhindert. Das beschädigt den Wissenschaftsstandort Berlin.“

Mehr zum Thema gibt es ab Donnerstag in der neuen Ausgabe der „Zeit“ und auf tagesspiegel.de.

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