Wohnviertel der Zukunft im Süden Berlins : 6000 neue Nachbarn in Lichterfelde-Süd

Die Groth-Gruppe plant mit „Neulichterfelde“ ein Quartier der Zukunft – klimaneutral und naturnah. Ab Ende 2020 sollen hier knapp 2100 neue Wohnungen entstehen.

Vision für Lichterfelde Süd: Auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz der US-Armee soll ein Stadtviertel für 6000 Bewohner entstehen.
Vision für Lichterfelde Süd: Auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz der US-Armee soll ein Stadtviertel für 6000 Bewohner entstehen.Simulation: Groth-Gruppe

Am S-Bahnhof Lichterfelde-Süd entsteht ab Ende 2020 ein neues Wohnviertel: Auf 36 Hektar baut die Groth-Gruppe 420 Reihenhäuser und knapp 2100 Wohnungen, darunter 540 Sozialwohnungen. Außerdem sind eine dreizügige Schule, drei Kitas für etwa 260 Kinder und Gewerbe geplant. Nach Meinung von Bauentwickler und Firmenchef Klaus Groth wird für 900 Millionen Euro nicht eine x-beliebige Siedlung am Stadtrand gebaut. Mit dem Quartier für 6000 Menschen soll eine „Vision für die Stadt der Zukunft“ realisiert werden – „Neulichterfelde“ hat sein Unternehmen das Projekt getauft.

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An der Entwicklung des Viertels sind mehrere „Innovationspartner“ beteiligt: Die Planung und den Betrieb der Mobilitätsdienstleistungen im neuen Quartier übernimmt die Toyota Kreditbank. „Neulichterfelde ist ein fantastisches Beispiel, wie Sie globale Strategien lokal umsetzen können“, schwärmte Toyota-Geschäftsführer Axel Nordieker.

Neulichterfelde soll innovativ sein

Seine Pläne: An Mobility-Spots können Pedelecs und E-Tretroller ausgeliehen werden, am S-Bahnhof ist eine Carsharing-Station vorgesehen. Ein per App rufbares Shuttle, es soll später autonom, also ohne Fahrer manövrieren, holt die Neulichterfelder an der Haustür ab. Zum einen sollen die Bewohner motiviert werden, „den ÖPNV zu nutzen“. Doch sei es nicht das Ziel, Autos „zu eliminieren“, sondern „den Nutzungsgrad der Fahrzeuge zu erhöhen“, so Nordieker. Immerhin stehe ein privates Auto 93 Prozent des Tages nur herum.

Klimaneutral wohnen am Stadtrand

Ähnlich ambitioniert sind die Pläne der Naturstrom AG, die, so Naturstrom-Vorstand Tim Meyer, nicht nur die Energie-, sondern auch die „Wärmewende in die Städte bringen“ wolle. Im schwebt ein dezentrales „Mikrostadtwerk“ vor: Mit Fotovoltaik, gasbetriebenen Blockheizkraftwerken und der Nutzung der „kalten Wärme“ will es Naturstrom ermöglichen, am Stadtrand zukünftig klimaneutral zu wohnen. Als Beispiel für „kalte Wärme“ nannte Meyer das Abwasser: Warum sollte dessen Hitze nicht für die Heizung genutzt werden? Die Reihenhäuser sollen so zu „vollkommen brennstofffreien Wärmepumpenquartieren“ werden. Auch eine Ladestruktur für E-Autos werde Naturstrom bereitstellen.

Weidelandschaft soll zum Landschaftsschutzgebiet werden

Die prognostizierten CO2-Einsparungen sind enorm: Naturstrom rechnet damit, dass ein herkömmlich gebautes Quartier in ähnlicher Größe pro Jahr 6385 Tonnen CO2 verursachen würde; „Neulichterfelde“ käme mit 139 Tonnen im Jahr aus. Auch Toyota rechnet durch das vorgestellte Mobilitätskonzept mit 1200 Tonnen eingespartem CO2. Allerdings: Trotz aller Innovation ist für jede zu bauende Wohnung ein halber und für jedes Reihenhaus ein ganzer Autostellplatz eingeplant. Hinzu kommen 300 Parkplätze auf der Straße.

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Wo später „Neulichterfelde“ stehen soll, befindet sich heute ein einzigartiger Naturraum: die Lichterfelder Weidelandschaft. Das Groth-Grundstück ist 97 Hektar groß, auf 36 soll gebaut werden, die Weidelandschaft schrumpft auf 61 Hektar. Doch diese Fläche müsse unbedingt erhalten werden, es sei ein „Hotspot der Biodiversität“, betonte Andreas Faensen-Thiebes vom Landesvorstand des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschlands.

Der BUND ist ein weiterer Innovationspartner der Groth-Gruppe. Die verspricht für die Zukunft einen Pachtvertrag mit der Umweltorganisation, der im Grundbuch abgesichert sein solle. Die Bürgermeisterin von Steglitz-Zehlendorf, Cerstin Richter-Kotowski (CDU), kündigte an, dass der Bezirk die Weidelandschaft zum Landschaftsschutzgebiet erklären lassen will.

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