• Zwei Suizide in Berliner Gefängnissen: Tote Häftlinge in der JVA Tegel und im Frauengefängnis
Update

Zwei Suizide in Berliner Gefängnissen : Tote Häftlinge in der JVA Tegel und im Frauengefängnis

In der JVA Tegel ist am Samstag ein toter Häftling gefunden worden. Am Freitag nahm sich eine 73-Jährige in der JVA für Frauen das Leben.

In der JVA Tegel hat sich ein Insasse das Leben genommen.
In der JVA Tegel hat sich ein Insasse das Leben genommen.Foto: Thilo Rückeis

In der Justizvollzugsanstalt Tegel hat sich ein junger Mann das Leben genommen. Die Polizei bestätigte entsprechende Tagesspiegel-Informationen. Wie berichtet, informiert die Justiz nicht mehr von sich aus über Todesfälle in Gefängnissen. Die Leiche des Mannes wurde um 9 Uhr bei der routinemäßigen „Lebendkontrolle“ am Morgen gefunden.

Nach Angaben der Polizei gibt es keine Hinweise auf ein Fremdverschulden, die Zelle war in der Nacht verschlossen, Mohamed S. alleine dort. S. wurde in Mogadischu geboren, der Hauptstadt von Somalia. Die Polizei hat ein Todesermittlungsverfahren eingeleitet, die Leiche soll obduziert werden. Justizsprecher Sebastian Brux wollte keine weiteren Informationen geben.

Seit wann der 26-Jährige in Haft saß und wegen welcher Straftat blieb deshalb unklar. Allerdings teilte Brux von sich aus mit, dass es bereits am Freitag einen Suizid gegeben habe, und zwar in der JVA für Frauen. Dort nahm sich eine 73-jährige Deutsche das Leben. Auch dazu machte Brux keine weiteren Angaben.

Über beide Fälle werde Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) am Mittwoch den Rechtsausschuss des Abgeordnetenhauses informieren, sagte Brux. Insgesamt gab es damit bereits drei Tote durch Suizid in Gefängnissen in diesem Jahr, im Vorjahr hatte es keinen einzigen Fall gegeben. Die 73-Jährige ist erst die zweite Frau in 20 Jahren, die sich hinter Gittern tötete.

Haben Sie dunkle Gedanken? Wenn es Ihnen nicht gut geht oder Sie daran denken, sich das Leben zu nehmen, versuchen Sie, mit anderen Menschen darüber zu sprechen. Das können Freunde oder Verwandte sein. Es gibt aber auch eine Vielzahl von Hilfsangeboten, bei denen Sie sich melden können. Der Berliner Krisendienst ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr erreichbar. Die Telefonnummern variieren nach Bezirk, die richtige Durchwahl für Ihren Bezirk finden Sie hier.

Weiterhin gibt es von der Telefonseelsorge das Angebot eines Hilfe-Chats. Außerdem gibt es die Möglichkeit einer E-Mail-Beratung. Die Anmeldung erfolgt – ebenfalls anonym und kostenlos – auf der Webseite. Informationen finden Sie unter: www.telefonseelsorge.de

Schlechte Haftbedingungen in Tegel

Mohamed S. war in Tegel in der Teilanstalt 2 (TA2) untergebracht, dem wegen der schlechten Haftbedingungen und den winzigen Zellen verrufenen Uralt-Bau von Tegel. Hier hatte es in der Vergangenheit die meisten Suizide gegeben. 2017 hatte Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) von einer „besorgniserregenden Häufung“ gesprochen. Zuvor hatte es drei Suizide nacheinander in der TA2 gegeben.

Seit dem Jahr 2000 bis Ende 2019 hat es in Berliner Gefängnissen 112 Tote gegeben, die meisten starben durch Suizid, einige durch Unfälle. Dies hatte die Justizverwaltung auf eine Anfrage des CDU-Abgeordneten Maik Penn mitgeteilt. Mehrfach hatte die Justiz in diesen 20 Jahren angekündigt, die Suizidprophylaxe in den Gefängnissen zu verbessern. 2006 hatte die damalige SPD-Justizsenatorin Gisela von der Aue beschlossen, Suizide und Todesfälle im Gefängnis nicht mehr zu veröffentlichen. Mehrfach hatte der grüne Abgeordnete Dirk Behrendt dies kritisiert. Als Justizsenator hat er die interne Anweisung zum Verschweigen allerdings beibehalten. Der Tagesspiegel hat zahlreiche Selbstmorde nach Hinweisen von Mitgefangenen bekannt gemacht. Brux verwies darauf, dass die aktuelle Zahl der Suizide auf dieser Internetseite abrufbar sei, aktualisiert werde die Zahl jedoch erst nach Ablauf einer Frist von zwei Wochen.

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!