
© dpa (Symbolbild)
„Dann laufe ich einfach auf der Straße“: Tagesspiegel-Community zwischen Warnfrust, Glätte und Eigeninitiative
Eisregen und überfrierende Nässe machen Berlin seit Tagen gefährlich glatt. Trotz Warnungen fühlen sich viele Nutzer:innen unzureichend informiert oder allein gelassen – und streiten über Verantwortung und Eigeninitiative.
Stand:
Glatteis hat Berlin in den vergangenen Tagen fest im Griff. Der Deutsche Wetterdienst warnte wiederholt vor Eisregen und spiegelglatten Straßen, auch Verkehrsminister Patrick Schnieder mahnte zur Vorsicht. Die Gefahr sei noch nicht vorbei, hieß es in aktuellen Einschätzungen – besonders in den frühen Morgenstunden und in Nebenstraßen drohten Stürze und Unfälle. Gleichzeitig berichten viele Nutzerinnen und Nutzer von ungeräumten Gehwegen, Bahnsteigen und Haltestellen, während Hauptstraßen oft frei sind.
Unsere Community reagiert mit Ärger, Ungeduld, aber auch Pragmatismus und Appellen an die Eigenverantwortung. Sie stellen Fragen nach Zuständigkeiten, kritisieren Warnsysteme, fordern Konsequenzen – und schlagen Lösungen vor, wie man mit Glatteis im Alltag besser umgehen könnte.
Lesen Sie hier eine redaktionelle Auswahl von Stimmen aus der Tagesspiegel-Community.
Dinsdale
Am Freitag warnen alle wie verrückt, heute habe ich weder von NINA noch anderen Diensten irgendeine signifikante Warnung erhalten. Und hier war alles komplett gefrostet. Was auch bei -12 °C am Vortag und dem Dauerregen in der Nacht wohl nicht überraschend war. Hat irgendeiner der Wetterleute auch mal aus dem Fenster geschaut in der Nacht? Was soll dieser Warnunsinn, wenn es bei echten Gefahren unterbleibt!
DSiv
Alle, die hier zu Recht / teils Unrecht auf Winterdiensten rumhacken, sei gesagt: Sie können ab einem Punkt X schrubben und räumen, wie Sie wollen – völlig gefahrlos bekommen sie die Wege nicht.
Berlin ist einfach viel zu groß, um das Personal überall gleichzeitig einzusetzen.
Meint Tagesspiel_Nutzer DSiv
Zu glauben, dass bei den ersten Flocken in jeder Nebenstraße in jedem Wohnblock jemand vom Räumdienst unterwegs ist, ist reichlich verblendet: a) müssen auch diese erst mal zum Einsatzort kommen – oft unter widrigsten Bedingungen – und b) ist Berlin einfach viel zu groß, um das Personal überall gleichzeitig einzusetzen. Im Meckern und Aufregen sind wir Menschen echt spitze.
Bluemchen
Statt nur immer rumzujammern, dass Wege und Straßen nicht perfekt geräumt sind und die Verantwortung für das eigene Wohlergehen auf andere abzuwälzen: Wie wäre es, mal Eigeninitiative zu entwickeln und sich Schuhwerk zuzulegen, das geeignet ist? Eigenverantwortung! Das ist das Zauberwort!
Winterschuhe mit Spikes in der Sohle bekommt man schon für weniger als 50 Euro. Eine gute und langfristig nutzbare Investition – bedenkt man, dass solche „Extrembedingungen“ nur wenige Tage im Jahr herrschen, können die Schuhe jahrzehntelang genutzt werden.
Kuechenschabe
Seit Samstag war ich gestern das erste Mal draußen, ich bin fast 70, und benötigte einfach Lebensmittel. Heute muß ich noch Eier und Brot kaufen, mir grauts, weil ich, trotz Bergschuhe, Angst vor dem Fallen habe.
Ich gehe sehr vorsichtig, muß aber auch anmerken, daß der geneigte Berliner, der gerne hinter mir auf dem Gehweg drängelt, weil ich so langsam bin, mich auch ängstigt. Es sind immer wieder mal längere Abschnitte weder gestreut noch richtig geräumt.
MacMuc
Als Überschrift wäre besser: Räumpflichtige, macht euren Job! Seit einer Woche gibt es eine Eisplatte auf dem S-Bahnsteig Jungfernheide auf der Seite Richtung Gesundbrunnen in Höhe der Infotafel vor der Treppe, bis heute 8 Uhr nicht entfernt.
Der Weg Bahnhof Jungfernheide am Parkplatz entlang zur Bushaltestelle: seit einer Woche eine Eisplatte. Bahnhof Südkreuz, Hildegard-Knef-Platz, Bushaltestelle Linie M46/106/206: etwa 30 cm zwischen Bordsteinkante und bis zum Blindenleitstreifen geräumt, der Rest des Vorplatzes seit einer Woche Eisplatte.
Das könnte ich jetzt noch unendlich so weitermachen. Es ist einfache Physik, was passiert, wenn auf eine Eisschicht Wasser aufgebracht wird – es wird verdammt glatt. Daher sollte man solche Eispanzer schnellstmöglich beseitigen, dann hat man es auch bei Eisregen einfacher.
Hana13
Wie heftig (zahlreiche) Einzelne sich weigern, Winterbedingungen auch nur zur Kenntnis zu nehmen und das eigene Verhalten anzupassen. Von angemessener Kleidung über passendes Tempo bis schlicht mal Hinschauen, wo glatte Stellen sein könnten.
Nö, man muss mit hochhackigen Schuhen oder glatter Ledersohle (wie immer zu spät dran?) eilig herumlaufen und dabei aufs Handy statt auf den Weg schauen. Wenn man nicht so tun kann, als wäre schönstes Juniwetter, muss doch jemand schuld sein, wenn es einen hinhaut. Nie man selbst.
Weder Wetter noch Klima kann man ausschalten oder am Thermostat regeln.
Meint Tagesspiegel-Nutzerin Hana13
Und wenn die Bezirke einfach nicht garantieren wollen, dass man auf ungleichmäßig gefrorenen Naturgewässern nicht gefahrlos herumhampeln kann (siehe anderer Artikel und entsprechende Kommentare), ist das auch nicht recht. Leute, weder Wetter noch Klima kann man ausschalten oder am Thermostat regeln.
Jedermann25
Hier in der Ecke Wilmersdorf/Steglitz ist null geräumt oder gestreut in den Nebenstraßen. Komplette Eisdecke, null Grip. Mal sehen, wie das Fahren ohne zu bremsen wird heute Nacht. Denn wer bremst, hat verloren.
TingeltangelMelanie
Wenn die es nicht bald hinkriegen, die Gehwege in Neukölln zu räumen, dann laufe ich einfach auf der Straße. Die ist nämlich auf wundersame Weise schnee- und eisfrei.
Diogenes
Für mich als Radler gilt zu beachten, dass ich auf der Straße fahren muss, die geräumt und gestreut ist, während das Räummaterial auf den Rad- und Gehweg geschoben wird. Und zu Fuß, dass ich über Eis und Räummaterial tänzeln muss. Wie jedes Jahr.
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