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der demolierte Schlaeger von Albert Montanes (ESP) Tennis German Tennis Championships 2015

© imago/DeFodi

„Das Problem ist nicht Tennis, sondern die Unwahrheit”: Tagesspiegel-Community zu Wegners Widersprüchen

Berlins Regierender Bürgermeister spielt während des Blackouts Tennis. Auch wegen widersprüchlicher Aussagen hagelt es Kritik. Unsere Community diskutiert über Führung, Ehrlichkeit und Prioritäten in der Krise.

Stand:

Während eines großflächigen Stromausfalls im Südwesten Berlins, der zehntausende Haushalte über Tage ohne Strom, Wärme und Licht ließ, spielte Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner eine Stunde Tennis – und gab zunächst an, er habe sich den Tag „in seinem Büro eingeschlossen“.

Recherchen zeigen jedoch, dass er zwischen 13 und 14 Uhr auf dem Tennisplatz war, auch wenn er erreichbar gewesen sein will. Diese widersprüchlichen Angaben haben eine Debatte über Führungsstil, Vertrauen und politische Verantwortung entfacht.

Die überwiegende Stimmung in der Community ist klar kritisch bis empört: Weniger das Tennisspielen selbst, sondern vor allem der Vorwurf der Unwahrheit bzw. bewussten Täuschung in einer Krisensituation dominiert die Debatte.

Viele Nutzerinnen und Nutzer verbinden das mit mangelnder Führungsstärke, Glaubwürdigkeitsverlust und teils Rücktrittsforderungen. Emotionen wie Ärger, Enttäuschung und Zynismus überwiegen deutlich. Eine kleinere, aber hörbare Minderheit relativiert die Aufregung, kritisiert Medien-Bashing und hält Auszeiten sowie Delegation an Fachleute für legitim.

Lesen Sie hier eine redaktionelle Auswahl von Stimmen aus der Tagesspiegel-Community.


Haddock
Ich finde, es gibt Stunden und Tage, da verschiebt man das Tennistraining als Bürgermeister besser. Insbesondere, wenn man zum Durchhalten bis Donnerstag appelliert, sollte man es auch selbst schaffen. Das macht die behauptete Empathie auch gleich glaubwürdiger.


Rikki
Ich bin echt kein Fan von Wegner, und natürlich hätte er nicht lügen dürfen. Aber dass er ne Stunde Tennis spielt oder nicht permanent in Zehlendorf rumhängt, finde ich kein Problem. Dafür gibt es die fachlich zuständigen Senatorinnen, einen Krisenstab, die zuständigen Dienste etc.


TS@L
Nein, ich erwarte keine Präsenz auf der Baustelle, auch nicht in der Notunterkunft – wo er ja war – dafür aber im Krisenstab. Dort gibt‘s genug Arbeit, die Aufmerksamkeit der (auch obersten) Leitung erfordert.

Wenn ich als Chef meine Jungs und Mädels alle spontan in den Drei-Schicht-Betrieb rufe, dann kann ich doch im nächsten Moment nicht mit der Tennistasche vom Hof schlendern!

Tagesspiegel-Nutzer TS@L

Und an die Wegner-Fans, die sich hier für Ausgleich und Work-Life-Balance stark machen – vermutlich sind es CDU-Wähler, die bei diesem Begriff sonst die Nase rümpfen: Wenn ich als Chef meine Jungs und Mädels (von der Feuerwehr, von der Polizei, von …) aus dem Feierabend hole und alle spontan in den Drei-Schicht-Betrieb rufe, dann kann ich doch im nächsten Moment nicht mit der Tennistasche vom Hof schlendern! Meint Ihr das ernst? Also falls ja: Dann habt Ihr das Arbeiten nicht erfunden…

Damit verliere ich bei meinen Mitarbeitern Glaubwürdigkeit und Sympathie. Führung geht durch Vorleben! Etwas anderes kann sich nur leisten, wessen Mitarbeiter keine Wahl haben.

Und die Betroffenen – ich gehöre dazu – erinnern sich vielleicht noch, dass koordinierte Hilfe ewig dauerte und die ehrenamtliche Zivilgesellschaft (mit ihren Vereinen und Kirchen) viel schneller reagiert hat, als die Leute von der Stadt, die das hauptberuflich machen. Ein dickes Danke und: Glücklich das Land das Helden hat! Aber um mit Brecht zu antworten: Traurig das Land, das Helden nötig hat…



Klappleiter
Ich finde ehrlich gesagt die Vorstellung naiv, daß sich der Bürgermeister persönlich um solche Dinge kümmern würde. Solches Mikromanagement wäre eher schädlich.

Da gibt es Fachleute dafür, die das besser können.

Tagesspiegel-Nutzer Klappleiter

Da gibt es Fachleute dafür, die das besser können. Der Bürgermeister muß lediglich Vollmachten erteilen. Und wenn Politiker Katastrophenorte aufsuchen, dann stört das doch meistens mehr als es nützt …


UrmelaufdemEis
Warum muss die Presse immer den Appetit der Empörungsbürger füttern? Schade! Ich finde, Kai Wegner hat das sehr gut für uns geregelt!

Um unter Druck zu funktionieren braucht es eine kleine Auszeit

Tagesspiegel-Nutzer UrmelaufdemEis

Und um unter Druck zu funktionieren braucht es eine kleine Auszeit, um mit Kraft weiterzumachen. Das hat er getan und nicht nur er. Die Hilfsbereitschaft von so vielen war überwältigend. Vielleicht bleibt Ihr, liebe Journalisten mal auch darauf fokussiert. Man hat das Gefühl, es geht vor allem um die nächste Sensation, anstatt auch den Blick für das Gute zu wahren.


Whychoosethelesserevil
Als er seine Sportpause gemacht hat, war er den halben Tag im Dienst, hat vermutlich schon das Frühstück beim Arbeiten nebenbei gegessen. Wenn er alles, was um 13 Uhr aktuell zu regeln war, geregelt hat, dann soll er auch mal kurz abschalten dürfen. Vor allem wenn klar ist, dass der Tag open end sein wird.


Humbug
Also, wenn man weiß, was es heißt, in einer komplexen Situation in der Verantwortung zu stehen, dann will man alles, aber nur nicht „den Kopf freibekommen“.

..alles, aber nur nicht ‘den Kopf freibekommen’.

Tagesspiegel-Nutzer Humbug

Man ist dann bei der Sache, bis diese erledigt ist. Gerade, wenn diese erst noch am Anfang ist und es sich um eine Notlage für so viele Menschen handelt.


Diogenes
Okay… das Problem ist nicht Tennis, sondern die Unwahrheit. Vertrauen verspielt man schneller, als man den Schläger schwingt.

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