Berliner Schnauzen: Senegaltrappen : Sehr scheu und sehr selten zu sehen

Karge Steppenlandschaften sind ihre Heimat. In deutschen Zoos sind Senegaltrappen dagegen eher rar. Warum wohl?

Ab ins Grüne. Der Tagesablauf von Senegaltrappen besteht größtenteils aus Hocken, Beobachten und Nahrungspicken.
Ab ins Grüne. Der Tagesablauf von Senegaltrappen besteht größtenteils aus Hocken, Beobachten und Nahrungspicken.Foto: imago/imagebroker

Senegaltrappen sind namentlich Betrüger. Denn Afrikas Westküste, wo sich der Senegal befindet, kennen die Tiere gar nicht, nicht mal durch Urlaubsflüge. Die Trappe im Zoo hat es ohnehin warm in ihrer Voliere, und ihre Verwandtschaft lebt in Zentralafrika, da ist es naturgemäß mollig warm bis brütend heiß. Wenn man vor dem Berliner Käfig die Augen verschließt, kann man sich dorthin versetzen, mitten hinein in eine karge Steppenlandschaft. Das ist der Trappen Heimat – auch wenn schon Exemplare gesichtet wurden, die hoch hinaus wollten, bis auf 2000 Meter.

Bedroht ist die Trappe nicht, weder im Gebirge und erst recht nicht am Boden. Der Mensch will dort nicht siedeln, und als Beute für Raubtiere taugen Trappen nicht. Mit ihren maximal 1000 Gramm verteilt auf 50 Zentimeter sind sie nicht mal was für den hohlen Zahn. Frau Trappe ist sogar noch kleiner und leichter als die Männchen. Allenfalls Greifvögel könnten sie mal als Appetizer in Betracht ziehen.

So leben die Trappen des Zoos und die Afrikas gleichermaßen entspannt vor sich hin, stelzen durch die Gegend, beobachten aus sicherer Entfernung (sie sind nämlich sehr scheu), was ihnen die Welt zu bieten hat. Hässlich sind sie nicht, gräulich das Gefieder, gräulich sind auch die Flügel. Dafür ist der Bauch weiß, mitunter sogar cremefarben, was ihnen im Zusammenspiel mit dem leicht bläulichen Hals Eleganz verleiht. Nur der Kopf mit dem kleinen spitzen Schnabel wirkt ein wenig befremdlich. Gerade so, als habe ihn jemand nachträglich angebaut, als er merkte, dass da noch irgendetwas fehlt.

Eine Laune der Evolution

Auch Trappen wollen leben, und dazu müssen sie in ihrer bescheidenen Welt mühsam Nahrung picken. Im Zoo sieht die Sache ganz anders aus: Hier versorgen freundliche Pfleger die Vögel in der Früh mit Beeren und Samen, mitunter gibt es kleine Insekten und Reptilien, Schlangen, Jungvögel, Heuschrecken, Termiten, Käfer, Spinnen, Skorpione, Schnecken und Echsen – oder sogar kleinere Säugetiere, natürlich alle nicht mehr munter; es ist verboten, lebendes Getier zu verfüttern. Man kann bei diesem Speiseplan sagen, dass die Freundlichkeit und Zurückhaltung der Welt den Trappen gegenüber nicht unbedingt erwidert wird. Aber nun gut, Tier frisst Tier, und immerhin hält sich der Bedarf der Trappe bei ihrer Größe in Grenzen.

Die Brutdauer bei Trappens beträgt lediglich 28 Tage, und mit der Aufzucht haben die Eltern auch nicht viel zu tun, nach vier Wochen sind die Kleinen flügge und fliehen aus der Nestmulde.

Zurzeit trabt nur ein Exemplar durch den Zoo, ein männliches, an Nachwuchs ist nicht zu denken. Überhaupt sind Trappen in deutschen Tierparks sehr selten zu finden. Was vielleicht auch daran liegt, dass ihr Tagesablauf aus Hocken und Beobachten besteht, aus Nahrungspicken und Gefiederputz. Man tritt ihnen wohl nicht zu nahe, wenn man sie als ziemlich langweilige Spezies bezeichnet. Eine Laune der Evolution, ohne großen erkennbaren Zweck, ohne größere Schäden. Zum Namen Trappentreu, wie er als Bierbrauer aus München archiviert ist oder wie er sich im Familienroman von Laura Doermer findet, hat unsere Trappe allerdings auch nichts beigetragen.

Senegaltrappe im Zoo

Lebenserwartung:  Über 20 Jahre

Natürliche Feinde:  Wenige, Greifvögel

Fütterungszeiten:  In der Früh

Interessanter Nachbar: Kaptriel – das ist ein Stehvogel