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Abschied von "Sketch History" : Feiern vorm Erschießen

Das ZDF lässt die makabre Comedyserie „Sketch History“ auslaufen – leider. Da helfen auch keine neuen Spaßformate.

Das ist nicht Erich Honecker. Sondern Max Giermann – „Sketch History“ deutet mit herrlich eigenwilligen Interpretationen Ereignisse und Personen der Weltgeschichte um.
Das ist nicht Erich Honecker. Sondern Max Giermann – „Sketch History“ deutet mit herrlich eigenwilligen Interpretationen...Foto: ZDF und Kristof Galgoczi Nemeth

Niemand habe die Absicht, eine Mauer zu errichten, erklärt Walter Ulbricht (Carsten Strauch) 1961 Journalisten in Ostberlin: Es handle sich vielmehr um einen Raumtrenner. Und zwar mit den Maßen 3,60 Meter mal 1,20 Meter mal 155 Kilometer und einer Tür namens Charlie. Der Sketch amüsiert womöglich nicht jeden geschichtskundigen ZDF-Zuschauer, immerhin war die damalige Lage bitterernst. Und doch hat dieser Ulbricht-Clip auf YouTube über 900 000 Klicks. Denn bekanntermaßen liefert die Realität mitunter die besten Vorlagen für Satire. „Neues von gestern“ lautet daher der Untertitel der ZDF-Serie „Sketch History“, die mit herrlich eigenwilligen Interpretationen Ereignisse und Personen der Weltgeschichte umdeutet.

Da stellen die Berliner Handwerker (Alexander Schubert und Holger Stockhaus) die Pyramide in Ägypten falsch herum auf, und im antiken Griechenland vergisst der Bote aus Marathon (Max Giermann), der vom Ausgang der Schlacht berichten soll, beim Lauf die wichtige Botschaft, weil ihn nur seine Bestzeit interessiert. Im Führerbunker schwärmt die frisch verheiratete Eva (Judith Richter): „Endlich heiß’ ich Eva Hitler. Das müssen wir feiern, bevor wir uns erschießen.“ Seit 2015 strahlt das ZDF die knapp 25-minütige Show aus der Feder von Chris Geletneky („Pastewka“) am späten Freitagabend nach der „heute show“ aus, mit guten Marktanteilen um die elf Prozent.

Doch 2019 soll nach drei Staffeln Schluss sein. Das gab das Team im Oktober 2018 bei der Verleihung des Deutschen Comedypreises bekannt, den das Format dreimal in Folge als beste Sketch-Show abräumte. Über die Gründe für das Aus hält sich der Mainzer Sender bedeckt. Die letzten neuen Folgen zeigt das ZDF ab September 2019, momentan laufen Wiederholungen auf ZDFneo. „Danach können sich Fans von Comedy- und Kabarettsendungen auf neue Formate auf diesem Sendeplatz freuen“, heißt es lapidar vom öffentlich-rechtlichen Sender.

Hinweis: In einer früheren Version des Textes wurde angekündigt, dass die neuen Folgen der Sendung "Sketch History" ab April 2019 gezeigt werden. Das ZDF hatte die Ausstrahlung verschoben. Der Sender nannte "planerische Gründe" als Ursache für die Verschiebung. Die letzten Folgen von "Sketch History" laufen ab Freitag, 20. September, im ZDF.

Eine Entblößung des bevormundenden „uns"

Beim Serienstart 2015 war die Resonanz in der TV-Kritik gemischt. Das ging von „Ulk mit dem Holzhammer“, über „Klamauk der Güteklasse A“ bis hin zu einer feinen Kritik im „Freitag“: Das Magazin erkannte im desinteressierten Off-Sprecher Bastian Pastewka eine Entblößung des bevormundenden „uns“, dass dem Histotainment so eigen sei.

Geschichte aus einem lustigen Blickwinkel – über die Monate und Jahre hat die „Sketch History“ ihre Zuschauer gefunden und gehalten. Umso erstaunlicher, dass das Zweite jetzt abwinkt. Neue Comedy-Formate sollen es ab 2019 richten. Über Ostern laufen acht Folgen der Serie „Merz gegen Merz“ mit Annette Frier und Christoph Maria Herbst, die einander als zerkrachtes Ehepaar bearbeiten. Auch die Konkurrenz hält neue Shows bereit. Ralf Schmitz startet Ende Januar die RTL-Sketch-Comedy „Schmitz & Family“, zudem geht die Sitcom „Beste Schwestern“ in die zweite Staffel. Markus Krebs’ Show „Witzearena“ setzt RTL fort, auch neue Folgen von „Mario Barth deckt auf“ und „Mario Barth räumt auf“ sind geplant.

Im Ersten übernehmen Daphne de Luxe, Lisa Feller und Meltem Kaptan die Moderation der Kabarettshow „Ladies Night“ von Gerburg Jahnke. Auf Vox bekommt „heute show“-Aktivist Lutz van der Horst eine Versteckte-Kamera-Show mit dem Titel „Endlich kapiert?!“. Dort ebenfalls neu: „True Story“ mit Michael Mittermeier und Roland Trettl. Beide Formate sollen im Frühjahr laufen. Ausstrahlungstermine dafür gibt es noch nicht.

Sat 1 hat unter anderem „Das große Promi-Flaschendrehen“ im Gepäck. Neu ist die Retro-Show „Was für ein Jahr“ mit Hugo Egon Balder (ab 1. Februar). Weitere Formate für den „Fun Freitag“ seien laut Sat1 im Entstehen. Auch ProSieben plant nach eigenem Bekunden neue Comedy-Formate. Derweil geht die Serie „Jerks“ 2019 in die dritte Staffel.

Der Comedy-Boom geht also weiter. Einem herrlich makabren, klugen Format wie „Sketch History“ ist mit all dem aber kaum beizukommen. Bleiben dann nur noch die Folgen auf Youtube.

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