Acht Mal "Modern Love" : Es ist Liebe!?

Die Amazon-Serie „Modern Love“ erzählt acht Geschichten, die das Leben geschrieben hat. Also divers, lustig, traurig, romantisch, platonisch

„Nimm mich so, wie ich bin, wer auch immer ich bin“ heißt die Episode mit Anne Hathaway in der Rolle der Lexi. Die Frau leidet unter einer bipolaren Störung, was den Ausgang ihres romantischen Dinners offenlässt.
„Nimm mich so, wie ich bin, wer auch immer ich bin“ heißt die Episode mit Anne Hathaway in der Rolle der Lexi. Die Frau leidet...Foto: Amazon Prime Video

„I am done“, sagt sie, „ich bin fertig.“ Er sagt „I am done too“, „ich bin auch fertig damit“. Die Paartherapeutin ist nicht fertig, im Gegenteil, jetzt fängt die Arbeit an. Entsprechend heißt die Episode „Rallying to Keep the Game Alive“, nicht nachlassen, die Beziehung retten, die Ehe wiederbeleben. Die Sie und der Er auf der Couch werden von Tina Fey („30 Rock“) und John Slattery („Mad Men“) gespielt, knapp 30 Minuten lang.

Für ein derart kurzes Format weitere Serien- und Filmgrößen wie Anne Hathaway, Andy Garcia, Catherine Keener, Dev Patel oder Gary Carr zu gewinnen, spricht für „Modern Love“. So heißt eine langjährige Kolumne und ein Podcast der „New York Times“, davon abgeleitet und inspiriert haben die Produktionsfirmen Storied Media Group und die Fernsehtochter des Verlags für Amazon Prime Video acht Kurzgeschichten gefertigt.

„Modern Love“ ist keine Serie, sondern eine Anthologie, die sich um Liebe in all ihren Beziehungsspielarten dreht. Mal einfach, mal kompliziert, mal humor-, dann wieder sehr gefühlvoll. Vom Genre her Romantic Comedy, von Inhalten und Erzählweisen her weit mehr als Futter fürs nur romantische Glotzen.

Perspektiven des Zwischenmenschlichen

Was John Carney („Once“, „Sing Street“) als ausführender Produzent, mehrheitlicher Autor und Regisseur derart starbesetzt in einem touristenträchtig fotografierten New York zeigt, sind Perspektiven des Zwischenmenschlichen. Wenn die Liebe durch ein Prisma fällt und sich in all die Farben auflöst, die hellen, die dunklen, die gemischten. Wichtig nur und wichtig für den Anspruch der Anthologie: „Take Me As I Am, Whoever I Am“, wie die Hathaway-Epsiode überschrieben ist. Am Ende wird sich nicht nur diese Protagonistin besser zu verstehen, zu akzeptieren beginnen, auch wenn sie wohl nur ein Stück davon bekommen wird, wonach sie sich sehnt.

Es sind Jüngere, Ältere und in der Regel New Yorker, die sich in diesem Potpourri aus Lust und Frust bewegen, Mittelschicht, obere Mittelschicht. Der sozioökonomische Status tritt hinter die grundsätzliche Frage zurück, wie nur in aller Welt Liebe in modernen Zeiten erreicht und gelebt werden kann.

Die Miniaturen wollen keine Krüppelwesen zeichnen, schließlich möchte Amazon durch diese Romantic Comedy mit den romantischen Komödien beim Mitbewerber Netflix („Always Be My Maybe“) konkurrieren, die viel junges, weibliches Publikum anziehen. Dass die Geschichten auf wahren Begebenheiten beruhen, lädt zur Identifikation ein; dass die Liebe längst nicht als erschöpftes Konzept wie im aktuellen „Shortlist“-Roman „Kintsugi“ von Miku Sophie Kühmel beschrieben wird, verbreitet Hoffnung; dass die Erzählungen in die Alltagsempirie gewickelt sind, beschreibt das Niedrigschwellige von „Modern Love“: Ihr, die Zuschauer, seid mindestens so gemeint wie die Protagonisten. Die Geschichten stammen aus der Wirklichkeit und lappen in diese hinein.

Möglichkeiten der Liebe

Was das Amazon-Format von solchen Verlogenheiten wie dem „Herzkino“ im ZDF wohltuend unterscheidet. Die acht Episoden folgen eben nicht dem starren Schema aus Wirrung und Irrung bis zum sonnenbeschienen Happy End, sie berichten von den Möglichkeiten, die ein zur Liebe fähiger Mensch hat. Möglichkeiten, nicht Gewissheiten, krisenanfällige Aggregatzustände, Beziehungsillusionen, Kursänderungen, Imperative, all das und doch das eine unbedingt: Liebe.

„Modern Love“ zeigt und beweist in seiner charmanten, lebensklugen Machart mit treibender, charakteristischer Musik: Der Mensch ist kein Liebes-Kommunist, er ist ein Liebes-Egoist mit tiefer Zuneigung für diesen und jenen, für die eine und den anderen. Selbstaufgabe in der Liebesaufgabe ist möglich, nicht aber zwingend nötig. Liebe ohne Freiheit ist nicht die Freiheit der Liebe.

„Modern Love“, Amazon Prime Video, acht Folgen verfügbar.

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