ARD-Gesprächssendungen verlieren Publikum : Rettet den Talk!

Die politischen Talkshows in der ARD schwächeln bei der Zuschauerresonanz. "Maybrit Illner" im Zweiten nicht. Ein Kommentar.

Es waren schon mal deutlich mehr Zuschauer bei "Anne Will", hier die Ausgabe vom vergangenen Sonntag
Es waren schon mal deutlich mehr Zuschauer bei "Anne Will", hier die Ausgabe vom vergangenen SonntagFoto: NDR

Die Zahlen lügen nicht. Die Talkshows im Ersten befinden sich in einer Schwächephase, was die Resonanz bei den Zuschauern angeht. War „Anne Will“ 2016 mit einem Schnitt von 3,95 Millionen unterwegs, so ist die politische Gesprächssendung 2019 auf bisher 3,19 Millionen abgesunken. Bei „Hart aber fair“ hat die ARD-Medienforschung einen Schwund von 3,10 auf 2,76 Millionen festgestellt, „Maischberger“ hält bei 1,20 Millionen, drei Jahre vorher waren es noch 1,69 Millionen Zuschauer.

Kritiker des Formates werden sich bestätigt sehen. Die immergleichen Gäste reden über sehr vergleichbare Themen, da muss es einen Abschwung geben. Was gegen diese Logik spricht, zeigen schon die Zahlen für die ZDF-Konkurrenzsendung „Maybrit Illner“. Der Schnitt von 2016 – 2,62 Millionen – bestätigt sich in diesem Jahr: 2,63 Millionen. Sind diese politischen Runden prägnanter, näher an den Themen der Woche, ziehen die Diskutanten mehr?

Allgemeine Schwäche des Ersten

Die Wahrheit lässt sich anderswo finden. Die diagnostizierende Schwäche der Talks gilt nicht dem Format, sie rekurriert aus der allgemeinen Schwäche des Ersten Deutschen Fernsehens. Aktuell hält das Erste bei 12 Prozent Marktanteil, das Zweite dagegen meldet 14,1 Prozent. Dieser Abstand ist im heutigen, sehr engen und hochkompetitiven Fernsehmarkt eine imponierende Marke.
Fernsehen funktioniert unverändert nach dem Audience-Flow-Prinzip. Es gibt zahlreiche Zuschauer, die sehen erst den „Tatort“ und nehmen „Anne Will“ dann gleich mit, läuft alles im Ersten, Umschalten unnötig. Das ZDF programmiert ein Marktführer-Angebot, wann läuft da keine (Krimi-)Unterhaltung, die dem „heute-journal“ das Publikum zuführt, das auch „Maybrit Illner“ sehen wird?
Das Erste setzt in Schema und Sendungen öfters auf Vielfalt, bewusst wird die große Quote riskiert. Der Abwärtstrend bei den Talkshows ist hausgemacht. Also kann er umgekehrt werden? „Anne Will“ & Co. haben sich festgesendet, das Erwartbare überwölbt das Unerwartete. Es braucht hier neue Anstrengung für neue Attraktivität wie im gesamten Programm. Die politische Gesprächssendung ist ein öffentlich-rechtlicher Wert. Der Schaden ist größer, wenn er verfällt.

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