„Bad Banks“, zweite Staffel : Macht die Idealisten platt!

Die Serie „Bad Banks“ bleibt auch in der zweiten Staffel ein unmoralisches Angebot, weil die Geldmenschen die Gefühlsmenschen übertrumpfen.

Sie haben fertig. Jana Liekam (Paula Beer) geistert durch die verwaisten Räume der früheren GreenWallet-Zentrale.
Sie haben fertig. Jana Liekam (Paula Beer) geistert durch die verwaisten Räume der früheren GreenWallet-Zentrale.Foto: ZDF/Letterbox Filmproduktion

Kein Zweifel, die Vorfreude war sehr groß. Die Vorfreude auf Staffel II von „Bad Banks“, der Serie über das Wesen und Unwesen der Hochfinanz. Jana Liekam (Paula Beer), Thao Hoang (Mai Duong Kieu) und Adam Pohl (Albrecht Schuch) hatten zuletzt auf einer Hochhausterrasse in Frankfurt am Main gestanden, Jana und Adam sich über ihren Coup gefreut, jeweils eine ordentliche Summe Euros auf diskrete Konten nach Mauritius geschafft zu haben. Wenn nicht als Alters-, so doch als Lebensversicherung. Geld aufm Konto, Gegner am Boden – gutes Gefühl.

Die europäische wie die deutsche Bankenbranche ist im Umbruch. Auf der einen Seite suchen Institute durch Konzentration aufs Kerngeschäft nach stabilen Bilanzen, während umgekehrt die junge Finanzwelt über Start-ups, FinTechs und Blockchain-Technologien die Disruption der Branche vorantreibt. Wo Aufbruch, da Abbruch: Gabriel Fenger (Barry Atsma), großer Verlierer der ersten Serienrunde, sitzt in Untersuchungshaft, Strippenzieherin Christelle Leblanc (Désirée Nosbusch) ist als Leiterin des Investment-Bankings auf dem Abstellgleis.

GreenWallet ist hip und nachhaltig

Die Chance auf Neuanfang und vollendete Rache an der gemeinsamen Feindin Leblanc winkt für Jana, Adam und Thao in Berlin: Dort hat die Deutsche Global Invest (DGI) einen Inkubator installiert, wo neue Formen des Bankings ausgebrütet werden. Das Trio macht sich an die Arbeit, der schmierige Investor muss aus dem hippen GreenWallet hinaus – und das auf nachhaltige Finanzprodukte angelegte Start-up mit Ben Kaufmann (Noah Saavedra) an der Spitze in die DGI hineingedrängt werden.

Das gelingt, der Investor wird mit fragwürdigen Methoden aus dem gar nicht fragwürdigen GreenWallet expediert, trotzdem ein großes nächstes Problem auftaucht: Das Start-up braucht dringend personelle Verstärkung. Bei der Konkurrenz Fin21 wird eine Spitzenkraft angesprochen, deren Interesse nur eine böse Finte ist, hinter der sich Fenger verbirgt.

Damit sind sie alle wieder auf der Planche: Leblanc, die endlich für Ties Jacoby (Germain Wagner) in den Vorstand will, Finanzvorstand Quirin Sydow (Tobias Moretti), der sich mit Prostituiertenhilfe den Finanzaufsichtsbeamten Peter Richard (Tobias Langhoff) vom Hals schaffen will, Fenger, der sich vom geächteten zum geachteten Jongleur revitalisieren will, schließlich Jana, Adam und Thao, hungrige Typen, die ihre Zukunft über die alten Vorstandsbanker hinaus sehen und dorthin drängen, wo Machen und Macht sich vereinen. Sie müssen erfolgsbetonte Banker sein, sie brauchen es.

Natürlich werden persönliche Probleme mitgeschleppt: Jana kämpft mit Panikattacken, mit der sich dank Fenger verkomplizierenden Beziehung zu Ben, Thao kämpft weiter mit ihrer Familie und Adam um seine Kinder, die seine Exfrau vor ihm versteckt.

Die zweite Staffel: schärfer, kompromissloser, Kältefernsehen

All das ist ein gewaltiger Mahlstrom, den Drehbuchautor Oliver Kienle in der sechsteiligen Fortsetzung von „Bad Banks“ in Bewegung setzt. Staffel II ist noch schärfer, schneidender, kompromissloser. Kältefernsehen. Die Grenzen, die gestern noch überschritten wurden, sind heute der zu erprobende Status Quo. Next Level Banking heißt Next Level Betrug. Von der Ausnahmetat geht es zur Selbstverständlichkeit der bösen Tat.

Was besonders daran ist: „Bad Banks“ sucht auch in den weiteren sechs Teilen nicht die moralische Aufrechnung, Gut und Böse verteilen sich nicht nur über die Figuren, sondern in den Figuren, die Autor Kienle gleichzeitig weiterführt und weiter ausführt. Er meint es nicht nett, er meint es brutal mit ihnen. Entsprechend sind die Männer in „Bad Banks II“ mehr in der Offensive als in der ersten Staffel.

Entsprechend wird der Zuschauer mal hierhin, mal dorthin gerissen, angefüllt von der Anspannung, was der nächste Zug Christelle Leblancs, aber eben nicht nur ihre Scharade sein wird. Auch Jana Liekam hat einige Härtegrade zugelegt, Adam Pohl verliert immer mehr die Fassung, Quirin Sydow dreht rüber zum als Banker camouflierten Gauner. Es geht um alles und jedes, ums persönliche große Ganze. Und in dieser Größe steckt auch Übertreibung, wenn es halt immer um alles und jedes gehen muss. Da müssen die Figuren agieren, als müssten sie über spitze Steine balancieren. Ein wenig weniger wäre nicht weniger.

Die Produktion verdankt ihre Fugenlosigkeit auch der Stabilität des Stabes. Zwar hat Christian Zübert Christian Schwochow als Regisseur abgelöst – doch an der Intensität der Inszenierung, dieser betonten Figurenzeichnung selbst im großen Ensemblespiel fehlt es nicht. Die Bildgestaltung von Ngo The Chau bringt jeden Schauplatz – die Legehennenbatterie der Banker, den intimen Inkubator, den Luxus der Bars und Hotels, den Shabby-Chic-Charme Berlins – zu eigener Atmosphäre. Hier leuchtet es, glimmt, spiegelt sich, ehe die Kamera wieder ins graue Himmelstuch über Frankfurt am Main hinauffährt.

Frisch aus dem Hipster-Katalog

Wobei ein Berliner Kritiker leichten Protest bei Darstellung und Inszenierung der Hauptstadt einlegen muss. Die Mitarbeiter von GreenWallet wirken aus dem Hipster-Katalog entsprungen, der Ganzkörper-Tätowierte, Öko Musterfrau, das Entschniegelte soll in seinem idealismusbetonten Kontrast zum windschnittigen Auftrittscode der Business-People aus der Finanzmetropole sehr auffallen. Es fällt sehr auf, bis es in seiner Kenntlichkeit fast in sich zusammenfällt. Berlin sieht so aus, wie sich Banken-Frankfurt Berlin-Kreuzberg eben so vorstellt. Das geht streng Richtung Karikatur. Aber solche Schwächen muss man suchen in diesem Serien-Event.

Die neue Staffel glänzt an vielen Ecken – Buch, Regie, Kamera, Musik, Kostüm- und Szenenbild – und wäre doch längst nicht von dieser Serienklasse wie „Babylon Berlin“, wenn das hervorragende Casting von Anja Dihrberg nicht in feines Schauspiel übersetzt würde. In dieser Finanzwelt, wo Netzwerke für Freundschaften genommen werden, wo die Genderfrage üppiges Anschauungsmaterial bekommt; in dieser Serie, wo die Bankenkrise aus Staffel I in die Binnenkrise der Protagonisten umschlägt – da schauen uns Paula Beer und Désirée Nosbusch, Barry Atsma und Tobias Moretti, Albrecht Schuch, Mai Duong Kieu oder Tobias Langhoff genauso intensiv an, wie wir sie anschauen. Menschen auf dem Hochseil, gespannt beobachtet, wer runterfällt – ins Netz oder daneben.

Dieser Sog gelingt nur, weil die Schauspielerinnen und Schauspieler wie im Sog agieren. „Bad Banks“ muss mit Staffel II nicht enden.