zum Hauptinhalt
Die TV-Journalistin Viktoria Marinowa ist in Bulgarien brutal ermordet worden.

© AFP/TVN Television

Update

Viktoria Marinowa: Bulgarische TV-Journalistin vergewaltigt und ermordet

In Bulgarien ist die Journalistin Viktoria Marinowa tot aufgefunden worden. Sie soll zuletzt über Betrug mit EU-Geldern recherchiert haben.

Eine bulgarische Fernsehjournalistin ist ermordet aufgefunden worden. Wie die Staatsanwaltschaft am Sonntag mitteilte, wurde die brutal zugerichtete Leiche der 30-jährigen Viktoria Marinowa am Samstag in einem Park in der nordbulgarischen Stadt Ruse entdeckt. Der Tod sei durch Schläge auf den Kopf und Ersticken ausgelöst worden. Nach Angaben von Innenminister Mladen Marinow wurde die Journalistin auch vergewaltigt. Der Hintergrund der Tat war zunächst unklar.

Die Bundesregierung und die Europäische Union forderten eine rasche Aufklärung der Todesumstände. "Mit tiefer Bestürzung haben wir von der brutalen und furchtbaren Ermordung der bulgarischen Journalistin Viktoria Marinowa erfahren", sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes am Montag in Berlin. Es sei jetzt entscheidend, dass schnell und umfassend aufgeklärt werde. Der stellvertretende Präsident der EU-Kommission, Frans Timmerman, erklärte, wieder sei ein engagierter Journalist beim Kampf für Wahrheit und gegen Korruption getötet worden. In Bulgarien planten Bürgerrechtler Mahnwachen.

Marinowa arbeitete in Ruse für den kleinen privaten Lokalsender TVN. Kürzlich startete sie dort eine neue Talkshow zu aktuellen Themen. In der ersten Sendung wurden am 30. September Interviews mit zwei investigativen Journalisten ausgestrahlt. Dimitar Stojanow und Attila Biro berichteten über ihre Recherchen zur mutmaßlichen Veruntreuung von EU-Fördergeldern durch Geschäftsleute und Politiker.

Ermittlungen im kriminellen Milieu

Ob der Mord im Zusammenhang mit Marinowas beruflicher Tätigkeit stand, war zunächst unklar. Die Polizei hielt dies für unwahrscheinlich, wie die Nachrichtenagentur AFP aus Ermittlerkreisen erfuhr. Die Staatsanwaltschaft erklärte, sie ermittele in alle Richtungen - sowohl im persönlichen als auch im beruflichen Bereich.

Dazu würden auch Menschen aus dem kriminellen Milieu überprüft, berichtete der Sender bTV am Montag unter Berufung auf die Polizei. Man gehe derzeit von einem Einzeltäter aus.

DNA-Spuren am Tatort

"Ihr Mobiltelefon, ihre Autoschlüssel, ihre Brille und einige Kleidungsstücke sind verschwunden", sagte der Staatsanwalt von Ruse, Georgi Georgiew. Ministerpräsident Boiko Borissow sagte, er hoffe, dass es dank der reichlich am Tatort gefundenen DNA-Spuren rasch eine Spur zum Täter geben werde.

Der Medien-Beauftragte der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), Harlem Désir, verurteilte den Mord. Im Kurzbotschaftendienst Twitter schrieb er: "Schockiert über den schrecklich Mord an der Investigativjournalistin Victoria Marinowa in Bulgarien." Der Franzose forderte gründliche Ermittlungen. Die Verantwortlichen müssten zur Rechenschaft gezogen werden.

Jede Woche wird ein Journalist ermordet

Die Website Bivol.bg, für die der Journalist Stojanow schreibt, forderte auf Facebook Polizeischutz für Marinowas Kollegen. Am Montagabend soll es in Sofia eine Kerzenwache zum Gedenken an die Tote geben.

Nach Angaben der Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) wird durchschnittlich jede Woche ein Journalist auf der Welt ermordet. In Europa sorgten zuletzt der tödliche Bombenanschlag auf die maltesische Investigativjournalistin Daphne Caruana Galizia im Oktober 2017 und die Ermordung des slowakischen Journalisten Jan Kuciak im Februar 2018 für Entsetzen.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgewählten, externen Inhalt, der den Artikel für Sie mit zusätzlichen Informationen anreichert. Sie können sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden.

Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen können.

Bulgarien steht im weltweiten RSF-Ranking zur Pressefreiheit derzeit auf Platz 111 und hat damit die schlechteste Bewertung aller EU-Staaten. In dem südosteuropäischen Land ist auch Gewalt gegen Frauen weit verbreitet. (AFP)

Zur Startseite

showPaywall:
false
isSubscriber:
true
isPaid:
showPaywallPiano:
false