zum Hauptinhalt
Keine ganz reibungslose Flucht. Kurt Stich (Thorsten Merten, von links), Lessing (Christian Ulmen) und Kira Dorn (Nora Tschirner) begehen erst mal den „Tatort“.
© MDR/Steffen Junghans

Weimar-„Tatort“: Dümmer als die Polizei erlaubt

Zum Schmunzeln oder doch bloß unappetitlich? Der zehnte „Tatort“ mit Christian Ulmen und Nora Tschirner.

Der erste „Tatort“ mit Christian Ulmen und Nora Tschirner hieß „Die Fette Hoppe“, 2013 war das. Der Titel bezog sich allerdings nicht etwa auf eine dicke Dame, sondern auf eine in Thüringen offenbar sehr beliebte Bratwurst. Weil man das Titelwortspiel beim MDR vermutlich recht witzig fand, hat man sich damals entschieden, aus dem eigentlich als singuläres Ereignis geplanten, aber doch sehr amüsanten Auftritt des ermittelnden Ehepaars Lessing & Dorn regelmäßige „Tatort“-Episoden mit ähnlich lustigen Titeln zu machen: „Der wüste Gobi“, „Der kalte Fritte“, „Die harte Kern“ et cetera.

Nicht alle Filme konnten an das Niveau des Auftakts anknüpfen, aber meist waren die Dialoge witzig genug, um zu verdecken, dass die Geschichten des Autorenduos Murmel Clausen und Andreas Pflüger mitunter recht dünn waren.

Nun folgt mit „Der letzte Schrey“ bereits der zehnte Schmunzelkrimi aus Weimar, doch diesmal funktioniert das Schema nicht. Der Film ist zwar keine Zeitverschwendung, aber Clausen, der die Drehbücher seit dem Rückzug von Pflüger nun allein verfasst, scheint eine Art Skurrilitätswettbewerb mit sich selbst ausgerufen zu haben.

Die Geschichte des Films lässt sich in einem kurzen Satz zusammenfassen: Ein Unternehmer-Ehepaar ist entführt worden. Die Handlung, die der Autor rund um diesen schmalen Kern gestrickt hat, wird im Wesentlichen durch die Dämlichkeit der Kidnapper vorangetrieben.

Der erschlagene Schoßhund der Strickmodenkönigin

Clausen hatte ganz offenkundig den Ehrgeiz, die beschränktesten Ganoven der „Tatort“-Historie zu kreieren. Immerhin bleibt der Film dem schwarzen Humor treu, den der makabre Auftakt verspricht. Erstes Opfer der Entführer ist der mit einem Fleischhammer erschlagene Schoßhund von Strickmodenkönigin Marlies Schrey (Nina Petri in einer Gastrolle als Mordopfer).

Die Flucht des Kidnapper-Pärchens mit dem entführten Ehepaar verläuft allerdings nicht reibungslos. Am Ende wird nur eine der vier Personen wieder heimkehren, was Dorn und Lessing vermuten lässt, Gerd Schrey (Jörg Schüttauf) habe das Verbrechen gemeinsam mit seinem Sohn Maik (Julius Nitschkoff) inszeniert.

Es gibt in diesem Weimar-„Tatort“ wie gewohnt einige wunderbar gespielte Momente, und es ist auch wie stets eine große Freude, Christian Ulmen und Nora Tschirner bei der Ermittler–Arbeit zuzuschauen, selbst wenn manch’ ein Dialogsatz doch arg erzwungen klingt.

Was dem Film („Tatort – „Der letzte Schrey“, Pfingstmontag, ARD, 20 Uhr15) fehlt, ist die gewohnte spielerische Leichtigkeit (Regie: Mira Thiel), zumal einige Szenen allzu offenkundig konstruiert wirken. Andere Scherze sind recht rustikal, zum Beispiel die lautstarken Verdauungsfolgen einer Schlachtplatte „Mykonos“.

Solche Gags können durchaus komisch sein. Hier sind sie bloß unappetitlich.

Zur Startseite