Facebook verbietet „Blackfacing“ : Auch die Sternsinger könnten betroffen sein

Im Kampf gegen Rassismus geht Facebook gegen das „Blackfacing“ vor. Das kann Auswirkungen auf Bräuche wie "Zwarte Piet" und Sternsinger haben.

Eine Folge des Facebook-Verbots des "Blackfacing" ist, dass der umstrittene niederländische Nikolaushelfer «Zwarte Piet» künftig nicht mehr mit dicker schwarzer Schminke auf Facebook und Instagram gezeigt werden soll. Aber auch die Sternsinger, bei denen der König von Afrika häufig schwarz geschminkt wird, könnten betroffen sein.
Eine Folge des Facebook-Verbots des "Blackfacing" ist, dass der umstrittene niederländische Nikolaushelfer «Zwarte Piet» künftig...Foto: Fabian Strauch/dpa

Das Soziale Netzwerk Facebook will verstärkt gegen Rassismus und Hassreden vorgehen. Künftig sollen auch Fotos, die das sogenannte „Blackfacing“ zeigen, sowie antisemitistische Beiträge über mutmaßliche jüdische Weltverschwörungen auf der Plattform verboten sein und entfernt werden, teilte das Unternehmen laut Medienberichten am Dienstag (Ortszeit) mit.

Die Benutzerregeln wurden bereits entsprechend angepasst. Betroffen davon ist auch christliches Brauchtum wie das Sternsingen oder der flämische Nikolaushelfer „Zwarte Piet“.

Beim „Blackfacing“ schminken sich weiße Menschen das Gesicht schwarz, um Schwarze zu imitieren. Die Praxis war früher vor allem auf der Theaterbühne verbreitet, findet sich aber auch noch heute etwa bei volkstümlichen Traditionen.

Neben dem flämischen Brauch des „Zwarten Piet“, der bei Umzügen in niederländischen Städten auftaucht, muss sich auch das Kinderhilfswerk „Die Sternsinger“ mit dem Thema auseinandersetzen. Die Gefahr sei groß, dass die Traditionen hier nicht differenziert betrachtet würden, betonte die Organisation auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Mittwoch in Aachen.

In vielen Sternsingergruppen wird eines der Kinder schwarz geschminkt, um den König aus Afrika zu repräsentieren.

"Keine Verhohnepipelung der schwarzen Menschen"

Diese Tradition könne jedoch nicht mit dem kritisierten „Blackfacing“ gleichgesetzt werden. „Es geht bei uns nicht um die Verhohnepipelung der schwarzen Menschen, sondern um eine würdevolle Darstellung des afrikanischen Vertreters“, erklärte ein Sprecher des Hilfswerks.

„Wir sind uns aber auch bewusst, dass Traditionen sich verändern.“ Verbote wolle die Organisation jedoch nicht erlassen, dafür aber auf den Dialog mit Verbänden und Teilnehmern setzen. Ein erklärender Beitrag zu dem Thema finde sich auf der Internetseite der Hilfswerks.

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Bei zukünftigen Presseterminen mit Bildern, etwa Treffen von Sternsingern mit Regierungsvertretern, die auf Facebook hochgeladen werden könnten, sei die Gefahr aber ohnehin gering, kleine Könige mit schwarz geschminkten Gesichtern zu sehen. „Wenn ein Kind auf ein Bild zusammen mit der Bundeskanzlerin kommt, dann möchte es darauf auch erkannt werden“, so der Sprecher.

Der flämische Nikolaushelfer „Zwarte Piet“ hat traditionell ein schwarz geschminktes Gesicht, rote Lippen und trägt eine Kraushaarperücke. Der Brauch steht allerdings schon länger in der Kritik, da er an die Sklavenausbeutung in den Karibik-Kolonien erinnere. Immer mehr niederländische Städte ersetzen den „Zwarten Piet“ deswegen durch den „Roetveegpiet“, dessen Gesicht nur durch Kaminruß geschwärzt ist oder verzichten ganz auf die Figur.

Bilder von Umzügen mit „Zwarten Pieten“ dürften zukünftig also nicht mehr auf Facebook hochgeladen werden. Laut Facebook ist das „Blackfacing“ Teil einer „Geschichte der Entmenschlichung, der Verweigerung der Bürgerrechte und der Versuche, staatliche Gewalt zu entschuldigen und zu legitimieren“.

Entsprechende Beiträge verletzten die Würde einzelner Menschen oder Menschengruppen und würden deshalb nach Prüfung von der Plattform gelöscht, hieß es. KNA

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